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13.10.2021

IGP: Neue Folgenabschätzung zum Green Deal veröffentlicht

Rückgang der EU-Agrarproduktion wird erneut bestätigt

Wien, 13. Oktober 2021 (aiz.info). - Die IndustrieGruppe Pflanzenschutz (IGP) macht auf eine neue Folgenabschätzung der Universität Wageningen zum Green Deal aufmerksam, die gestern vom europäischen Verband der Hersteller von Pflanzenschutzmitteln, CropLife Europe, präsentiert wurde. Sollten die Ziele der "Farm to Fork"- und der Biodiversitätsstrategie in der aktuellen Form umgesetzt werden, würde die landwirtschaftliche Produktion um durchschnittlich 10 bis 20% und bei einigen Kulturen sogar um bis zu 30% sinken, so das Ergebnis der jüngsten Folgenabschätzung, zu der 27 Verbände eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet haben.

"Insgesamt liegen nun fünf Folgenabschätzungen auf dem Tisch, die mit unterschiedlichen Methoden, Schwerpunkten und Szenarien allesamt zum selben Ergebnis kommen: Die ambitionierten Ziele der 'Farm to Fork'- und der Biodiversitätsstrategie können in der aktuellen Ausgestaltung nicht erreicht werden. Stattdessen drohen Ertragsverluste in der Landwirtschaft, rückläufige bäuerliche Einkommen, erhebliche Kosten für die EU-Landwirte und höhere Verbraucherpreise", so IGP-Obmann Christian Stockmar. "Die EU-Kommission ist daher gefordert, die Ergebnisse und Daten zu analysieren sowie selbst eine umfassende und holistische Folgenabschätzung durchzuführen, um nachteilige Effekte durch den Green Deal zu verhindern und lösungsorientierte Strategien abzuleiten", unterstreicht Stockmar. Nur dann könne die Chance einer nachhaltigen Transformation der europäischen Landwirtschaft genutzt werden.

Er verweist zudem auf einen "blinden Fleck" im Green Deal, der besondere Risiken birgt: "Es fehlt die Antwort auf die Frage, wie die Ziele erreicht werden sollen. Die IGP hat mit dem Innovation Deal einen Lösungsvorschlag in den Agrardiskurs eingebracht, der Perspektiven für eine zukunftsfitte europäische Landwirtschaft nennt." So brauche es etwa einen verstärkten Einsatz von Farm-Management- und digitalen Systemen, einen verstärkten Wissenstransfer zwischen Forschung, Beratung, Landwirt und Gesellschaft sowie Rahmenbedingungen für eine Forschungsoffensive in Europa. Die Hersteller von Pflanzenschutzmitteln würden dazu ihren Beitrag leisten und investierten bis 2030 insgesamt 14 Mrd. Euro in digitale Lösungen und Biologicals.

Folgenabschätzungen im Überblick

Die vier weiteren bisherigen Folgenabschätzungen sind: Eine Studie des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums beziffert das zu erwartende Minus in der landwirtschaftlichen Produktion in Europa mit 7 bis 12%. Die Verbraucher werden dies an den höheren Preisen spüren, so die Experten. Wissenschafter des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) nennen in der Zeitschrift "Nature" den Green Deal "einen schlechten Deal für den Planeten". Der Import von Agrargütern in die EU werde ansteigen, wodurch die EU ihre Umweltschäden auslagere. Eine Folgenabschätzung der Universität Kiel ergibt einen erheblichen Rückgang der Produktion in Europa. Bei Getreide und Ölsaaten betrage die Reduktion rund 20%. In der Folge würden die Importe sowie die Preise für Obst und Gemüse, Ölsaaten und Getreide zwischen 10 und 20% steigen.

Das Joint Research Center (JRC) der EU-Kommission attestiert den Strategien, dass sie die formulierten Ziele nicht erreichen und zahlreiche negative Effekte verursachen. Einer Reduktion der Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft um knapp 30% stehe ein Produktionsrückgang von 15% bei Getreide und Ölsaaten gegenüber, weshalb etwa die Getreidepreise um 8% steigen könnten. Durch die sinkende Produktion werden zudem klimaschädliche Emissionen in Drittländer verlagert, warnen die Wissenschafter. (Schluss)