Sie sind noch nicht eingeloggt:
12.06.2019

IALB-Tagung: Neue Ansätze bäuerlicher Beratung beim Thema Ökologisierung

Umweltaspekte und Wirtschaftlichkeit müssen eng verknüpft werden

Wien, 12. Juni 2019 (aiz.info). - Wie kann man Landwirtschaft noch ökologischer betreiben und gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich sein? Eine Frage, der sich von 2. bis 6. Juni 2019 insgesamt 260 landwirtschaftliche Beraterinnen und Berater aus 20 Nationen annahmen. Die Jahrestagung der Internationalen Akademie der ländlichen Beratung (IALB) fand erstmals in Salzburg statt und beleuchtet dabei die "Rolle der landwirtschaftlichen Beratung im Spannungsfeld von Ökonomie und Ökologie".

"Für die Wirksamkeit und Akzeptanz der Naturschutzmaßnahmen ist von großer Bedeutung, dass sie einer ökonomischen Betrachtung standhalten und sich wirtschaftlich für die Betriebe lohnen müssen. Hierbei kommt der Interessenvertretung, vor allem auch dem Bereich "Bildung & Beratung" eine wichtige Rolle zu", betonte IALB-Präsident und LKÖ-Experte Florian Herzog.

Landwirte müssen Ökologie und Ökonomie auf ihren Betrieben vereinen

Rupert Quehenberger, Präsident der LK Salzburg, sieht eine der großen Herausforderungen für die Betriebe darin, ökologische Ziele zu erreichen und dabei die ökonomischen Zahlen im Blick zu behalten. "Unsere Gesellschaft erwartet sich von der Landwirtschaft sehr viel: die Versorgung mit gesunden Lebensmitteln, den Erhalt der Biodiversität, eine gepflegte Kulturlandschaft, einen Beitrag zum Klimaschutz und vieles mehr. Diese Leistungen verursachen aber auch Kosten, die von den Betrieben über das Einkommen getragen werden müssen. Hier sind Beratung und Weiterbildungseinrichtungen der Kammern gefordert. Sie müssen den Landwirten nicht nur erklären, wie sie sich und ihre Betriebe ökologisch und ökonomisch verbessern können. Immer wichtiger wird auch, aufzuzeigen, was die Landwirtschaft leistet, beziehungsweise welchen Beitrag die Gesellschaft selbst für die Erfüllung dieser erwünschten Leistungen erbringen kann."

Valentin Opfermann (Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission) stellte den aktuellen Diskussionsstand rund um umweltrelevante Aspekte in der künftigen GAP dar. Er sieht trotz stärkerem Fokus auf Umwelt- und Naturschutz große Vereinfachungen für die Bauern wie etwa bei Einhaltung der Auflagen und Nachweispflichten. Die zentrale Rolle der Beratung in der GAP nach 2021 werde im Bereich der Umsetzung der Umwelt- und Klimaziele liegen, ist Opfermann überzeugt.

Leopold Kirner (Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik) erklärte in seiner Keynote zur Ökonomie in der landwirtschaftlichen Betriebsführung, dass die drei Stellschrauben bei der Betriebsentwicklung Betriebsgröße, Produktion und zu einem großen Teil Strategie und Management seien. Daher seien gerade Bildung und Beratung gefordert, offen für neue, innovative Ideen zu sein.

Acht Workshops und sechs Fachexkursionen

Ferner wurden im Rahmen der Tagung in acht Workshops Ansätze zur Bearbeitung des Spannungsfeldes Ökologie/Ökonomie durch "Bildung & Beratung" sowie innovative Ansätze der Bildungs- und Beratungsarbeit allgemein diskutiert und weiterentwickelt. Lisa Piller und Gerald Pfabigan zeigten dabei, wie "Lernen mit einer zunehmend digitalisierten Zielgruppe" funktioniert. Der Workshop "Diversifzierung - wie viel geht noch?" diskutierte die von der ARGE Bäuerinnen initiierte Studie zur Diversifizierung sowie das FEMAGREE Forschungsprojekt "Wie Frauen erfolgreich gründen" des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Lukas Weber-Hajszan begab sich in seinem Workshop "Biodiversitätsmaßnahmen in der ländlichen Entwicklung" in Diskussion darüber, was Beratung in der Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Landwirtschaft tun kann.

Bei sechs Fachexkursionen erhielten die Teilnehmer Einblick in Schwierigkeiten und Chancen bei der Bewirtschaftung von unter Naturschutz stehenden Flächen. (Schluss)

  • Unser Lagerhaus © Archiv