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10.10.2019

Herdenschutzseminar an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein

Präventionsberater unterstützen Almbauern im Zusammenhang mit den großen Beutegreifern

Irdning-Donnersbachtal, 10. Oktober 2019 (aiz.info). - Das "Österreichzentrum Bär, Wolf, Luchs", das mit seiner Geschäftsstelle an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein beheimatet ist, veranstaltete gemeinsam mit dieser Ende September ein dreitägiges Herdenschutzseminar für Präventionsberater, das sich tageweise der Theorie, der Praxis sowie intensiven Diskussionen widmete.

In Österreich hat die Weide- und Almhaltung große Tradition, diese Flächen stellen einen wertvollen Teil der Kulturlandschaft dar. Mit der Ausbreitung der großen Beutegreifer kommt es vermehrt zu Übergriffen auf die Weidetiere, es besteht die Gefahr, dass die Bewirtschaftung der Almen deshalb aufgegeben wird. Ohne Beweidung gehen diese Flächen in kurzer Zeit für die Futtergewinnung verloren, wovon nicht nur die Nutztiere betroffen wären, sondern auch Wildtiere, Vogelarten und Insekten. Die bewirtschaftete Kulturlandschaft (dazu gehören auch die Almflächen) ist darüber hinaus ein wesentliches Element der Tourismuswirtschaft - ihr Verlust hätte daher in allen Bereichen seine Auswirkung: von Tourismus, Einkommensverlust bei den Landwirten, bei der Jagd bis hin zu Naturkatastrophen, die von Sukzessionsflächen ausgehen. Daher sei eine Unterstützung für die Landwirte notwendig, damit sie ihre Almflächen weiterhin bewirtschaften können. Präventionsberater sollen sie bei der Problematik im Zusammenhang mit den großen Beutegreifern unterstützen.

So informierte Georg Rauer vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) an der Veterinärmedizinischen Universität Wien die Teilnehmer aus Tirol, Salzburg, der Steiermark, Kärnten und Niederösterreich über die Biologie und Verbreitung der großen Beutegreifer in Österreich und Europa. Nur fundiertes Wissen über die Tiere verhelfe zu vernünftigen Lösungen für ein konfliktarmes Zusammenleben, betonte der Experte. Klaus Pogadl, Obmann des Österreichzentrums, referierte über die gesetzlichen Rahmenbedingungen in der EU und in Österreich. Geschäftsführer Albin Blaschka stimmte die Teilnehmer dann auf den Praxistag ein und stellte Grundlagen und Konzepte zum Herdenschutz vor. Abgerundet wurde der theoretische Teil durch ein Kommunikationstraining mit der Erwachsenenbildnerin Katrin Zechner. Sie gab den Seminarteilnehmern damit eine Werkzeugkiste zur erfolgreichen Vermittlung von Inhalten und gemeinsamen Problemlösungen mit.

Tags darauf lernten die Teilnehmer auf der Planneralm in Donnersbach die unterschiedlichen Arten von Zaunmaterialien verschiedener Hersteller kennen und unterzogen diese einem Praxistest in Bezug auf Handhabung und Eignung. Unter der Aufsicht der Firmenvertreter und dem Experten für Schafe und Ziegen der HBLFA, Reinhard Huber, wurden wolfssichere Zäune errichtet und im Anschluss auf mögliche Schwachstellen untersucht. Dabei zeigten sich deutlich die Herausforderungen, die es beim Zaunbau im unwegsamen Gelände zu meistern gilt.

Aufbauend auf diesen Erfahrungen und mit dem Vorwissen der Teilnehmer wurden am letzten Seminartag Szenarien diskutiert, wo es Sinn macht, Schutzzäune aufzustellen und ab wann der finanzielle und arbeitstechnische Aufwand dafür zu hoch wird. Man stimmte schnell darin überein, dass für praxistaugliche Maßnahmen, die zu einem konfliktarmen Zusammenleben mit den Beutegreifern führen, die Abstimmung mit allen Stakeholdern notwendig sei. Herdenschutz muss immer an die Rahmenbedingungen und die konkrete Situation vor Ort angepasst werden. Ferner sind diese laufend im Rahmen des Herden- und Weidemanagements mit zu beurteilen und nötigenfalls auch immer wieder anzupassen. (Schluss)

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