Sie sind noch nicht eingeloggt:
17.07.2019

Harter Brexit: Folgen für deutschen Agrarmarkt weniger drastisch eingeschätzt

Thünen-Institut: Agrarüberschuss wird sich um rund 1 Mrd. Euro verringern

Braunschweig, 17. Juli 2019 (aiz.info). - Die Folgen eines harten Brexit wirken sich auf den deutschen Agrarmarkt nicht so gravierend aus wie zunächst befürchtet, haben Wissenschafter des Braunschweiger Thünen-Instituts herausgefunden. Basierend auf den von der britischen Regierung im März 2019 veröffentlichten Importzöllen und -quoten bei einem EU-Austritt des Vereinigten Königreiches ohne Abkommen, wären weiterhin zollfreie Einfuhren für Getreide, Obst und Gemüse, Zucker, Getränke und Tabak zulässig. Für Reis, Fleisch und Wurstwaren fallen Zölle an, die aber geringer sind als bislang angenommen. Denn entgegen anfänglicher Auffassungen wendet das Vereinigte Königreich bei einem No Deal-Szenario nicht die gleichen Zölle an, wie sie die EU angekündigt hat. Die britischen Schutzmaßnahmen fallen deutlich moderater aus.

Nach der Liste von den Briten sind 87% der Importe ins Vereinigte Königreich frei von protektionistischen Maßnahmen. Handelsbeschränkungen würden im Wesentlichen für Autos, Aluminium, bestimmte Keramiken, Bioethanol und ausgewählte Agrarprodukte bestehen bleiben.

Nach den aktuellen Berechnungen des Thünen-Instituts ist zu erwarten, dass die deutsche Agrarproduktion bis 2027 als Folge des Brexit um insgesamt 190 Mio. Euro zurückgehen wird. Somit werden die Produktionseffekte nicht so schwerwiegend sein, wie zunächst mit zirka 1,2 Mrd. Euro geschätzt. "Die deutsche Produktion wird in kaum einer Warengruppe um mehr als 0,5% zurückgehen. Ausnahmen bilden die Schweine- und Geflügelzucht sowie Schweine- und Geflügelfleisch, wo mit einem Rückgang um rund 1,2% gerechnet wird. Bei Weizen, Zucker, Rindfleisch und Milch werden sogar leichte Produktionsanstiege von 0,1 bis 0,8% erwartet", erklärt Martin Banse, Leiter des Thünen-Instituts für Marktanalyse.

Die Briten sind ein wichtiger Agrarhandelspartner Deutschlands. 2017 exportierte die Bundesrepublik landwirtschaftliche Erzeugnisse im Wert von 4,8 Mrd. Euro in das Vereinigte Königreich, während die Importe 1,6 Mrd. Euro betrugen. Das machte für Deutschland einen Überschuss in Höhe von rund 3,2 Mrd. Euro aus - hoch wie mit keinem anderen Land. (Schluss)

  • Unser Lagerhaus © Archiv