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11.09.2019

Grüner Bericht 2019: Klimawandel führt zu Rückgang bei Agrareinkommen

BMNT: Zielgerichtete Unterstützung für Bäuerinnen und Bauern weiterhin notwendig

Wien, 11. September 2019 (aiz.info) - Die Einkünfte aus der österreichischen Land- und Forstwirtschaft beliefen sich im Jahr 2018 auf durchschnittlich 28.035 Euro je Betrieb. Die Bäuerinnen und Bauern mussten damit gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 10% verkraften. Dies geht aus dem "Grünen Bericht 2019" hervor, der heute im Ministerrat vorgelegt wurde. "Hauptursache des Einkommensrückgangs ist der Klimawandel und die damit verbundene extreme Trockenheit in vielen Regionen", betont Bundesministerin Maria Patek. Neben den hitze- und trockenheitsbedingten Mindererträgen im Acker- und Futterbau sind vor allem auch die gestiegenen Produktionskosten sowie preisbedingte Einbußen auf dem Schweinemarkt für diese Entwicklung mitverantwortlich, so Patek.

Geringerer Rückgang bei Bergbauern und Biobetrieben

Der Grüne Bericht wertet die Einkommensergebnisse von rund 2.000 freiwilligen land- und forstwirtschaftlichen Buchführungsbetrieben aus dem Kalenderjahr 2018 aus und beschreibt die Entwicklung der Landwirtschaft im abgelaufenen Kalenderjahr, die erforderlichen Maßnahmen sowie die Verteilung entsprechender Fördermittel. Dem Bericht zufolge sanken 2018 die agrarischen Einkommen der Bergbauernbetriebe gegenüber dem Vorjahr um 8%, der Einkommensrückgang war damit geringer als im Durchschnitt aller Betriebe. Hier wirkten vor allem Maßnahmen der Ländlichen Entwicklung, insbesondere ÖPUL und Ausgleichszulage, einkommensstabilisierend. Bei den Biobetrieben gingen 2018 die agrarischen Einkünfte um 2% zurück. Mit 30.110 Euro je Hof lagen sie um 7% über dem Durchschnitt aller Betriebe. Auch hier zeigen sich positive Wirkungen der ÖPUL-Maßnahmen.

Haupterwerbsbetriebe erreichen höhere Einkünfte

Betriebe, die überwiegend Land- und Forstwirtschaft ausüben (Haupterwerbsbetriebe), konnten ein fast doppelt so hohes agrarisches Einkommen erzielen als der Durchschnitt aller Betriebe. Nebenerwerbsbetriebe haben naturgemäß geringere Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft (rund ein Viertel des Durchschnitts aller Betriebe). Der Großteil des Haushaltseinkommens wird in der Regel durch außerbetriebliche Einkünfte und/oder Sozialtransfers erzielt.

Bei einem Vergleich der Betriebsformen zeigt sich, dass Marktfruchtbetriebe 2018 mit einem durchschnittlichen Minus von 0,7% relativ geringe Einkommensverluste verbuchten, während diese bei den Veredelungsbetrieben (-26,4%) relativ hoch ausfielen. Dieser starke Einkommensrückgang ist darauf zurückzuführen, dass im tierischen Sektor 2016 und 2017 sehr hohe Zuwächse erreicht werden konnten. Steigende Futtermittelpreise und gesunkene Schweinepreise wirkten sich 2018 stark aus. Im Vergleich mit dem Dreijahresschnitt sind die agrarischen Einkünfte der Veredelungsbetriebe 2018 um 3,1% gesunken.

Aus einem mehrjährigen Einkommensvergleich geht hervor, dass die Einkünfte aus der österreichischen Land- und Forstwirtschaft 2018 mit durchschnittlich 28.035 Euro je Betrieb in etwa auf dem Niveau der Jahre 2014 (28.588 Euro) beziehungsweise 2016 (27.361 Euro) lagen.

Einkommensverluste zum Teil abgefedert

"Die außergewöhnlich hohen Temperaturen waren 2018 eine große Herausforderung für die heimische Landwirtschaft. Den Betrieben wurden vom Bund und den Ländern für hitze- und trockenheitsbedingte Mindererträge im Acker- und Futterbau Unterstützungen in Form von Direkthilfen und Zinsenzuschüssen in der Höhe von rund 22 Mio. Euro ermöglicht. Weiters wurde für den Forst ein umfangreiches Maßnahmenpaket geschnürt. Somit konnten höhere Einkommensverluste abgefedert werden", erklärt Patek. Durch die konsequente Weiterentwicklung und Bündelung der Ernte- und Tierversicherungen sowie eine Erhöhung der Zuschüsse für diese Maßnahme auf 55% werde den land- und forstwirtschaftlichen Betrieben ein wirksames und nachhaltiges Instrument zur Abfederung künftiger Risiken angeboten.

Zentrale Bedeutung der Gemeinsamen Agrarpolitik

Die Aufrechterhaltung einer weitgehend flächendeckenden Bewirtschaftung ist ohne Unterstützung durch öffentliche Zahlungen nicht zu schaffen. 2018 machten diese Mittel im Durchschnitt 16% des Ertrages aus, bezogen auf die Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft waren es 68%. Ein großer Teil dieser Mittel kommt aus dem EU-Budget, die Gemeinsame EU-Agrarpolitik (GAP) ist somit ein wichtiges Sicherheitsnetz der heimischen Landwirtschaft. Österreich hat im Vergleich zu vielen anderen EU-Staaten einen überproportional hohen Anteil der Zahlungen aus der 2. Säule der GAP (Ländliche Entwicklung). Speziell für Bergbauernbetriebe, aber auch für Biobauern oder für das erfolgreiche Agrarumweltprogramm ÖPUL, an dem 80% der Bäuerinnen und Bauern teilnehmen, sind die Zahlungen aus der 2. Säule von größter Bedeutung. Betrachtet man das Agrarbudget 2018, so entfallen in Summe 51% der Mittel auf die 2. Säule, 34% auf die 1. Säule (Direktzahlungen) und 15% auf nationale Zahlungen.

Das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus will sich daher in den Verhandlungen über die GAP nach 2020 für die Beibehaltung dieser finanziellen Mittel einsetzen. Besonders die bevorstehenden Kürzungen in der 2. Säule der GAP seien für Österreich inakzeptabel, wird betont. Darüber hinaus verfolgt das Ressort das Ziel, eine konsequente Herkunftskennzeichnung für landwirtschaftliche Produkte und Lebensmittel umzusetzen. Während der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft konnte außerdem eine EU-Initiative gegen unlautere Geschäftspraktiken im Handel ausverhandelt werden. Kleinstrukturierte landwirtschaftliche Betriebe sollen dadurch ihre Position in der Wertschöpfungskette verbessern können. Nähere Informationen zum Bericht sind unter www.gruenerbericht.at zu finden. (Schluss) kam

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