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22.10.2021

Globale Getreidelager auf Achtjahres-Tief - Weizenpreis auf Neunjahres-Hoch

Österreich: Brotweizengeschäft tröpfelt wegen internationaler Hektik lediglich dahin

Wien, 22. Oktober 2021 (aiz.info). - Die Rallye vor allem der Weizen- und Rapsnotierungen legte am Donnerstag dieser Woche einmal eine Erholungspause ein, nachdem sie zuvor an der Euronext in Paris neue Kontrakt- beziehungsweise Allzeit-Kurshochs verzeichnet haben und Weizen an die Schallmauer von 280 Euro/t sowie Raps an die von 700 Euro/t angeklopft hat. Die weltweiten Weizenbilanzen werden durch die Bank - so auch am Donnerstag vom Internationalen Getreiderat IGC - vor allem bei den großen Exporteuren sehr eng geschätzt. Der vom Rat erhobene Weltmarkt-Exportpreis von Weizen sei demnach seit September auf ein Neunjahres-Hoch geklettert. Der globale Endlageranteil am Verbrauch allen Getreides fällt laut IGC 2021/22 auf den tiefsten Stand seit acht Jahren. Am österreichischen Brotgetreidemarkt traue sich zurzeit angesichts der internationalen Hektik kaum jemand aus der Deckung.

Den internationalen Ölsaatenpreisen kommen eine katastrophale Unterversorgung der EU mit Raps, Sojabohnenkäufe Chinas in den USA und hohe Pflanzenölpreise zu Hilfe. Den Mais stützte in Europa bis zuletzt eine verzögerte Ernte, wohingegen in den USA der Erntedruck schon zuschlug. Am Freitagmittag waren an der Euronext Weizen zur Lieferung im Dezember mit 279,50 Euro/t und der November-Maiskontrakt mit 249,00 Euro/t wieder im Steigflug, der November-Raps sank dagegen weiter auf 674,00 Euro/t.

Österreich: Brotweizengeschäft tröpfelt wegen internationaler Hektik lediglich dahin

Das Geschäft hierzulande tröpfelt nur dahin. Allerdings nehme auch die Erwartung ab, dass sich die Weizen- und Ölsaatenmärkte gar so schnell wieder abkühlten. Dies wird am ehesten vom Maismarkt erwartet, wenn die zurzeit noch zögerliche Ernte vollen Schwung aufnehmen werde, hieß es im Umfeld der dieswöchigen Notierungssitzung an der Wiener Produktenbörse. Bei den Brotweizen nahm die Börse am Mittwoch die obere Notierung von Premiumweizen wieder auf 325 Euro/t zurück und setzte die untere von Qualitätsweizen auf 290 Euro/t hinauf. Die Oberkante vom Qualitäts- und die Unterkante vom Premiumweizen liegen bei jeweils 315 Euro/t. Verarbeiter und Händler täten sich mit der Weitergabe der gestiegenen Rohstoffpreise in der Wertschöpfungskette weiterhin sehr schwer und versuchten, auf billigere Importe auszuweichen, wobei die Qualität zwar oft enttäusche, aber in der Menge untergehe. Die Importnotierungen bestätigten jedenfalls die Inlandspreise. Im Italiengeschäft sei die diesjährige, besonders wegen der schwachen Eigenschaften der französischen Basisweizen gefragte Qualität der österreichischen Aufmischweizen aber konkurrenzlos.

Maisernte und Markt kommen nach wie vor schleppend voran - Nassmaispreis unverändert

Am Maismarkt geht es wegen der langsamen Ernte nach wie vor nur schleppend weiter, die Feuchtigkeitsgehalte bleiben noch hoch und Transportkapazitäten knapp. Die wenigen angebotenen Trockenmaispartien im Inland erzielten höhere Preise. Die Wiener Futtermaisnotierung erreichte 247 bis 250 Euro/t. Es machen sogar Geschichten die Runde, händeringend nach Mais suchende ungarische Übernehmer und Verarbeiter bedienten sich an österreichischen Spotlieferungen. Allerdings könnte hierzulande durchaus noch Erntedruck bevorstehen.

Dem Vernehmen nach belassen die beiden heimischen Verarbeiter Jungbunzlauer und Agrana kommende Woche die Erzeugerpreise für Nassmais unverändert.

Weizenexport der EU weiterhin über Vorjahr - Russland zieht Exportbremse noch schärfer an

Die Weizenexporte der EU liegen weiterhin über den Vorjahreswerten, wobei zuletzt Ausfuhren aus Frankreich nach China für Aufsehen sorgten. Im September haben sich die Drittlandsausfuhren Frankreichs jedoch verlangsamt. Laut Schätzungen der Agrarattachés des US-Landwirtschaftsministeriums werde Ägypten, der weltgrößte Weizenimporteur, 2021/22 aufgrund seines Bevölkerungswachstums noch mehr Weizen, nämlich 12,4 Mio. t, am Weltmarkt einkaufen müssen. Und Algerien habe wegen Trockenheit heuer 38% weniger Getreide eingefahren und müsse nach 7,6 Mio. t in der Vorsaison nun 2021/22 8 Mio. t Weizen einführen - davon komme viel aus Frankreich, aber heuer auch aus Deutschland. Die Türkei war gegen Ende der Woche mit vorläufigen Abschlüssen über 300.000 t Weizenkäufen am Markt aktiv.

Russland indes zieht wegen der galoppierenden Lebensmittelinflation im Land die Exportbremse für Getreide immer schärfer an, obwohl der Anstieg der Weizenexportpreise zu Wochenbeginn nach 13 Wochen erstmalig zum Stillstand gekommen war und die Ausfuhren schon um fast 27% hinter dem Vorjahr nachhinken. Dennoch setzte die Regierung in Moskau die Exportsteuer auf Weizen für die Woche ab dem 20. Oktober um weitere 2,70 USD auf 61,30 USD/t (52,68 Euro) und geht ab dem 27. Oktober nochmals um weitere 5,70 USD (4,90 Euro) auf 67,00 USD/t (57,57 Euro) hinauf. Zwar erwarte man 2022 eine um rund 5 Mio. t größere Weizenernte von gut 80 Mio. t als im sehr schlechten Jahr 2021, aber bis dahin ist es noch weit.

IGC: Trotz Aufbau von Maislagern global engste Gesamtbilanz seit acht Jahren

Der Internationale Getreiderat IGC mit Sitz in London hob am Donnerstag im Grain Market Report (GMR) die weltweite Getreideproduktion (Weizen, Futtergetreide und Mais) 2021/22 zum Vormonat leicht - um 1 Mio. t - an und setzte die Verbrauchswertung um 3 Mio. t hinauf. Daraus resultiert nun eine leicht negative Gesamt-Getreidebilanz, wobei es beim Mais zu einem Lageraufbau um 9 Mio. t, beim Weizen hingegen zu einem Bestandsabbau um 3 Mio. t und ebenso zu schrumpfenden Endlagern bei Futtergetreide kam. Ein Zuwachs des gesamten weltweiten Getreideverbrauchs im Jahresabstand um 64 Mio. t geht zum Großteil auf das Konto von Mais. Obwohl die Endbestände 2021/22 gegenüber dem Vorjahr nur minimal kleiner ausfallen sollen, sinkt wegen des deutlich höheren Verbrauchs der Endlageranteil vom gesamten Getreide am Konsum (Ratio stock to use) auf ein Achtjahres-Tief bei gut 26%.

Wie beim Mais soll das laufende Wirtschaftsjahr auch bei Sojabohnen einen Bestandsaufbau bringen. Es bleibt bei der Prognose einer Rekordernte mit einem Zuwachs von 3,7% zum Vorjahr und einem Verbrauchsplus von 4,1% auf ebenfalls ein Allzeithoch. Allerdings wächst aufgrund höher angesetzter Anfangsbestände das Bohnenangebot 2021/22 um 4,1%, sodass unter dem Strich eine neuerliche Zunahme der Endlager steht.

EU 2021/22 weltgrößter Weizenexporteur - Bilanz äußerst eng

Wie das US-Agrarressort, so führt auch der IGC die EU 2021/22 als weltgrößten Weizenexporteur mit 34,8 Mio. t Ausfuhren vor dem bisherigen Leader Russland mit 34,1 Mio. t. Die Weizenbilanz der EU ist mit einer Ratio von stock to use gerechnet am Eigenverbrauch bei 11,9% und am Binnenmarktkonsum und Export bei 8,9% im Vergleich zu weltweit 35,25% extrem eng. Ebenfalls sehr eng präsentieren sich die Weizenbilanzen der wichtigen Exporteure Argentinien, Australien, EU, Kanada, Kasachstan, Russland, Ukraine und USA. Ihnen bleiben am Ende von 2021/22 lediglich 16,4% ihres Inlandsverbrauchs beziehungsweise 11,2% der Summe aus Eigenverbrauch und Export als Reserve. Das reicht gerade einmal für knapp 41 Tage.

Die größten Weizenlager hortet China mit 46,5% aller weltweiten Weizenreserven. Diese decken 87,6% des Jahresbedarfs - also fast 320 Tage - im Reich der Mitte. Zum Vormonat nahm der GMR insbesondere für die USA eine Korrektur der Weizenernte um 1,4 Mio. t auf 44,8 Mio. t nach unten vor, wobei er die Exportprognose nur um 0,3 Mio. t auf 31,7 Mio. t zurücknahm, die für die Weizenendlager aber umso deutlicher um 1,3 Mio. t auf 15,8 Mio. t.

IGC-Preisindex stieg seit September nur leicht um 0,5% - Weizen auf Neunjahres-Hoch

Der gesamte Getreide- und Ölsaatenpreis-Index des IGC (GOI) stieg seit dem September um 0,5% nur leicht - im Jahresabstand jedoch sehr stark um 19,2%. Dabei überwogen im Monatsvergleich zum September Zuwächse der Subindices von Weizen um 5,0% (+35,7% zum Vorjahr) und Gerste um 6,0% (+30,5% zum Vorjahr) sowie Verluste des Sojabohnenindex von 3,9% (+13,5% zum Vorjahr). Die vom IGC erhobenen Maisexportpreise legten im abgelaufenen Monat leicht um 1,1% (+16,7% zum Vorjahr) zu.

Der Weizenpreisindex des IGC erreichte dabei ein Neunjahres-Hoch und war gestützt von einem knappen Verhältnis von Angebot und Nachfrage bei den großen Exporteuren. Bei den Maispreisen wurde saisonale Schwäche aufgrund von Erntedruck in den USA von Preissteigerungen in anderen Regionen wie der Ukraine, wo sich die Ernte verzögert, mehr als aufgewogen. Den Druck auf die Sojabohnenpreise lösten ebenfalls die Ernte in den USA, Verunsicherung über den Bedarf Chinas sowie gute Anbaubedingungen in Brasilien aus. (Schluss) pos