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16.04.2021

Getreidemärkte international zwischen Torschlusspanik und Wettermärkten

Uneinheitliches "Durcheinander" und breitere Preisbänder auf heimischem Kassamarkt

Wien, 16. April 2021 (aiz.info). - Die Getreidemärkte zeigten zuletzt ein uneinheitliches Bild, sie scheinen hin- und hergerissen zwischen Torschlusspanik - Anschlussbedarf an die neue Ernte 2021 decken beziehungsweise andererseits Lager räumen zu müssen oder mit Angebot zu spekulieren - und Wettermärkten. Damit gingen die internationalen Warenterminbörsen für Weizen, Mais und Sojabohnen beziehungsweise Raps in jüngster Vergangenheit ziemlich unvermittelt und ohne nachhaltige Trends rauf und runter. Dies äußere sich laut Marktteilnehmern auch hierzulande in einem gewissen "Durcheinander". Zwar werde Brotgetreide in spürbaren Mengen gehandelt, um noch offene Positionen vor der neuen Ernte zu schließen. Die Preisvorstellungen sowohl von Abgebern als auch Abnehmern änderten sich aber rasch und klafften zum Teil weit auseinander. Demgemäß gaben am Mittwoch dieser Woche die Notierungen für Premium- und Qualitätsweizen an der Wiener Produktenbörse im Schnitt der Preise leicht nach, allerdings verbreiterten sich die Preisbänder deutlich. Ähnlich spielt sich der heimische Futtergetreidemarkt ab.

Prognosen von Trockenheit und Frost in den südlichen Plains der USA befestigten nach einem schwächeren Start zu Wochenbeginn in weiterer Folge die Weizennotierungen an der CBoT in Chicago. Auch Mais legte über die Woche weiter zu. Beide werden auch davon gestützt, dass China als Alternative zu Soja zuletzt massiv Weizen und Mais in der Verfütterung einsetzte und zu diesem Zweck importierte. Davon profitierten in dieser Saison auch die Weizenausfuhren Frankreichs. In Europa lösten Fröste in Frankreich Sorge um Rapserträge - es sollen möglicherweise rund 90.000 ha verloren gegangen sein - und Zuckerrüben aus, zudem herrsche auch Trockenheit. Die Pariser Marktordnungsstelle nahm im Wochenabstand die Bonitierung der Winterweizenbestände in Frankreich mit "sehr gut" oder "gut" um einen Prozentpunkt auf 86% zurück, die von Wintergerste um zwei auf 83% sowie die von Sommergerste um vier auf 88%.

Stärker geschätzter Weizenexport drückt knappe Reserven in der EU noch weiter

Trotz der 2020 mit 118 Mio. t deutlich kleiner als 2019 mit 128 Mio. t ausgefallenen Weichweizenernte in der EU-27 exportierte die Union laut Kommissionsangaben in den 41 Wochen des Wirtschaftsjahres 2020/21 ganze 20,81 Mio. t Weichweizen. Die französische Analyse Strategie Grains setzte laut Agenturmeldungen am Donnerstag ihre Prognose für die Weichweizenausfuhren der EU-28 - also noch einschließlich dem Vereinigten Königreich - zum Vormonatsbericht um 200.000 t auf 25,4 Mio. t hinauf, womit sich der Druck auf ihre geringen Weizenreserven noch weiter verstärke. Vergangenen Freitag schon revidierte das US-Landwirtschaftsministerium in seinem monatlichen WASDE-Bericht die Prognose für die EU-28 um 0,5 Mio. t auf 27,50 Mio. t Weizen insgesamt hinauf. Damit blieben der Union am Ende der Saison 2020/21 lediglich 9,13% Anteil an ihrem Weizenverbrauch als Reserve über - weltweit schätzt das USDA komfortable knapp 38% Weizenreserven.

Weizen und Mais sowie neuerntiger Raps an Euronext im Wochenabstand fester

An der Euronext in Paris befestigten sich die Mahlweizenkontrakte alter und neuer Ernte im Wochenabstand bis Freitagmittag für den Liefertermin Mai auf 218,50 Euro/t, den mittlerweile am stärksten gehandelten September auf 207,25 Euro/t und für den Dezember auf 206,25 Euro/t. Zum Vergleich notierte die Wiener Produktenbörse am Mittwoch Premiumweizen um 0,50 Euro niedriger bei 210 bis 214 Euro/t und Qualitätsweizen um 1,50 Euro geringer bei 207 bis 212 Euro/t. Der Pariser Mai-Maiskontrakt verzeichnete ebenfalls einen leichten Anstieg auf 221,50 Euro/t. In Wien stieg Futtermais um sechs Euro auf 210 bis 215 Euro/t. Die Futures der Euronext auf Raps sanken hingegen für die alte Ernte zur Lieferung im Mai auf 510,50 Euro/t und stiegen für neue Ernte zur Lieferung im August im Wochenabstand auf 479,25 Euro/t.

Österreich: Händeringen um Mahlweizen - Rapsmarkt im Ausklingen

Deutlich über den inländischen Ab-Stationspreisen von Premiumweizen liegende Wiener Notierungen für Mahlweizenlieferungen aus dem EU-Ausland CPT Oberösterreich bei 218 bis 223 Euro/t zeigten laut Marktteilnehmern, dass diese Qualitätsstufe von den Mühlen händeringend gesucht, aber sowohl im In- als auch umliegenden Ausland kaum erhältlich sei. Ähnlich uneinheitlich wie die von Brotgetreide zeigten sich zuletzt auch die Futtergetreidemärkte mit teilweise sinkenden Preisen für Getreide - Futtergerste gab um 1,50 Euro auf 170 bis 173 Euro/t nach - und weiter steigenden für Futtermais. Als "spekulativ" wird der heimische Ölsaatenmarkt beschrieben, wobei zuletzt bei vorsichtigeren Preisforderungen offener Anschluss an die neue Ernte gedeckt worden sei. So scheint alterntiger und kontraktfreier Raps in den Quotierungen der Ölmühlen in und rund um Österreich zum Teil nur mehr nominell auf.

Nach Wochen der Pause und einer Beruhigung kehrten Sojaschrotnotierungen mit deutlichen Preisabschlägen bis zu 30 Euro/t gegenüber der zweiten Märzhälfte auf das Wiener Kursblatt zurück. (Schluss) pos