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23.08.2019

Getreideernte 2019 in Deutschland leicht unterdurchschnittlich

Menge liegt 6% unter Fünfjahres-Mittel - Enttäuschende Rapsernte

Berlin, 23. August 2019 (aiz.info). - In Deutschland fällt die Getreideernte 2019 leicht unterdurchschnittlich aus. Die Gesamtmenge von 45 Mio. t liegt 6% beziehungsweise 2,9 Mio. t unter der durchschnittlichen Erntemenge von 47,9 Mio. t der Jahre 2013 bis 2017. Die Winterrapsernte beziffert der Deutsche Bauernverband (DBV) auf rund 2,8 Mio. t. "Raps hat enttäuscht und damit steigt die Besorgnis um die Zukunft der für die Fruchtfolge so wichtigen Kultur", sagt DBV-Präsident Joachim Rukwied. Die abschließende Erntebilanz des Deutschen Bauernverbandes basiert auf Daten und Informationen der Landesbauernverbände.

"Die Erträge fallen je nach Niederschlagsverteilung regional sehr unterschiedlich aus. In manchen Regionen müssen Betriebe erneut eine miserable Ernte verkraften. Erschwerend kommt dort für die tierhaltenden Betriebe das wiederholt geringe Grundfutteraufkommen hinzu", erläutert Rukwied. Die regionalen Regenfälle in der ersten August-Hälfte haben den Abschluss der Getreide- und Rapsernte verzögert, dem Grünland und den im Herbst zu erntenden Kulturen wie Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln kamen sie zugute. "Ein Auffüllen der Bodenwasservorräte war mit den bisherigen Niederschlagsmengen jedoch noch nicht möglich. Dies wäre mit Blick auf die bevorstehende Rapsaussaat jedoch dringend nötig", so der DBV-Präsident.

Die Getreideernte in Höhe von 45 Mio. t ist auf einer Fläche von 6,4 Mio. ha herangewachsen. Der Durchschnittsertrag über alle Getreidearten liegt bei 7 t pro ha. Im Vergleich zum durchschnittlichen Ertrag der Jahre 2013 bis 2017 in Höhe von 7,5 t bleiben die Erträge gut 6% zurück.

7,5 t durchschnittlicher Hektarertrag bei Weizen

Winterweizen ist die bedeutendste Getreideart im deutschen Ackerbau. Er wurde zur Ernte 2019 auf einer Fläche von rund 3,1 Mio. ha angebaut, was nahezu dem langjährigen Durchschnitt entspricht. Im Bundesdurchschnitt wurde ein Ertrag von 7,5 t pro ha erzielt (2013 bis 2017: 8,1 t pro ha). Daraus ergibt sich eine Erntemenge von 23,1 Mio. t. Im Mittel der Jahre 2013 bis 2017 ernteten die deutschen Bauern noch 25,3 Mio. t. Die mit der ersten Hitzewelle Ende Juni einsetzende Sorge, die hohen Temperaturen könnten die für die Ertragsbildung wichtige Phase der Kornfüllung abbrechen, hat sich laut DBV somit zumindest regional bestätigt.

Der Anbau von Wintergerste erfolgte auf einer Fläche von knapp 1,4 Mio. ha. Damit überstieg die diesjährige Anbaufläche das Mittel der Jahre 2013 bis 2017 in Höhe von 1,2 Mio. ha um 10%. Der Wintergerstenertrag liegt mit 7,1 t pro ha fast 4% unterhalb des langjährigen Durchschnitts von 7,35 t pro ha. Auf Basis des Ertrags von 7,1 t pro ha ergibt sich eine Erntemenge von 9,7 Mio. t. Damit übersteigt die Erntemenge aufgrund der Flächenausweitung das langjährige Mittel von 9,1 Mio. t deutlich um 600.000 t beziehungsweise 6%. Da Wintergerste naturgemäß früher heranreift als Winterweizen, hatte die Wintergerste mit Einsetzen der hohen Temperaturen die Ertragsbildung bereits weitgehend abgeschlossen. Folglich sind die Auswirkungen der Hitzewellen auf das Ertragsniveau der Wintergerste deutlich geringer.

Abwärtstrend bei Winterroggen unterbrochen

Der seit dem Jahr 2013 bestehende rückläufige Trend im Anbau von Winterroggen wurde zur Ernte 2019 erstmals unterbrochen. Mit einer Anbaufläche von 642.200 ha übertrifft die Anbaufläche den langjährigen Durchschnitt von 628.000 ha um knapp 15.000 ha. Den Winterroggenertrag beziffert der DBV auf 5,1 t pro ha (2013 bis 2017: 5,7 t pro ha). Damit beträgt die Erntemenge rund 3,3 Mio. t und verfehlt trotz Flächenausweitung den langjährigen Durchschnitt von 3,6 Mio. t (minus 9%).

Der Anbau von Sommergerste liegt mit 360.000 ha etwa 10.000 ha über dem langjährigen Durchschnitt. Die Hektarerträge von 5,5 t bewegen sich im langjährigen Mittel. Aufgrund der leicht überdurchschnittlichen Anbaufläche übertrifft auch die Erntemenge von knapp 2 Mio. t den Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2017 (1,9 Mio. t) leicht.

DBV appelliert für neue Raps-Absatzmärkte - Erntemenge schrumpfte um 47%

Bei Winterraps gibt die geringe Anbaufläche von 857.500 ha (2013 bis 2017: 1,35 Mio. ha) zur Ernte 2019 dem DBV Anlass zur Sorge. Der Verband begründet die Flächenreduktion auch mit einer Spätfolge des letzten Dürresommers, durch den die Aussaat in Teilen des Landes zwecklos war. Der im weiteren Vegetationsverlauf oftmals auftretende hohe Schädlingsbefall hat zusätzlich die Erträge reduziert. Mit durchschnittlich 3,2 t pro ha wird der langjährige Durchschnitt von 3,8 t deutlich unterschritten (minus 15%). Auf dieser Basis ergibt sich eine Erntemenge von rund 2,8 Mio. t. Gegenüber dem langjährigen Durchschnitt von 5,2 Mio. t fällt die Rapsernte somit um rund 47% geringer aus.

"Obwohl Winterraps als sogenannte Blattfrucht in überwiegend getreidereichen Fruchtfolgen ein wichtiges Fruchtfolgeglied ist, wird der Anbau von Raps für viele Landwirte zunehmend unattraktiv. Durch Einschränkungen im Pflanzenschutz können die Erträge schlechter abgesichert werden, womit das wirtschaftliche Risiko steigt. Trotz geringer Erntemengen - auch in der Europäischen Union - sind die Erzeugerpreise nicht wirtschaftlich. Es ist daher dringend geboten, Absatzmärkte für Raps zu sichern, beispielsweise über eine entsprechende Biokraftstoffpolitik. Dies wäre im Sinne der Erreichung der Treibhausgasminderungsziele und dient über das Koppelprodukt Rapsschrot gleichzeitig der Versorgung mit heimischen Eiweißfuttermitteln", erklärt Rukwied.

Weiterer Aufbau der Lagerbestände erwartet

Für viele landwirtschaftliche Betriebe gestaltet sich die wirtschaftliche Situation weiterhin schwierig. Die regional erneut aufgetretenen deutlichen Ernteeinbußen treffen gleichzeitig auf ein nicht zufriedenstellendes Preisniveau. Bereits seit Monaten sind die Erzeugerpreise für Getreide rückläufig. "Mittlerweile erzielt ein Landwirt im Bundesdurchschnitt nur noch 157 Euro für 1 t Brotweizen und 143 Euro für 1 t Futtergerste. Die Aussicht auf eine Trendwende ist angesichts der komfortablen europäischen und weltweiten Versorgungslage gering. Insbesondere für Weizen wird sowohl für die EU-28 als auch weltweit ein weiterer Aufbau der Lagerbestände erwartet. Zudem dürfte die Konkurrenz am Exportmarkt hoch bleiben. So hat die EU-28 trotz einer höheren Weizenernte in den ersten sechs Wochen des Wirtschaftsjahres 2019/20 erst 1,3 Mio. t Weichweizen und damit 30% weniger exportiert als im Vergleichszeitraum des vorhergehenden Wirtschaftsjahres", erläutert Rukwied. (Schluss)

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