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12.07.2019

Gahr: Mercosur-Abkommen gefährdet bäuerliche Familienbetriebe

Keine Deals auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt

Innsbruck, 12. Juli 2019 (aiz.info). - Mehr als zwei Jahrzehnte wurde verhandelt und jetzt soll es plötzlich ganz schnell gehen. Die EU-Kommission strebt noch vor der Neubesetzung der wichtigsten Ämter den Abschluss des Deals mit den südamerikanischen Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay an. "Mercosur darf nicht auf dem Rücken der heimischen Bauern sowie unseren hohen Lebensmittelstandards durchgesetzt werden", sagt ÖVP-Abgeordneter und Landwirtschaftsausschuss-Mitglied Hermann Gahr.

Aus derzeitiger Sicht sollen rund 100.000 t Rindfleisch aus Südamerika zollfrei in die EU importiert werden. Zum Vergleich: In Österreich werden jährlich rund 200.000 t Rindfleisch verbraucht. Zusätzlich dürften die Mercosur-Länder rund 100.000 t Geflügel und rund 650.000 t Ethanol nach Europa liefern. "Diese Mengen sprengen jeglichen Wettbewerb. Mit solchen enormen Massen können die heimischen Familienbetriebe nicht konkurrieren. Die Agrarfabriken in Südamerika produzieren um die Hälfte billiger als die Tiroler Bauern. Und das geht auf Kosten der Menschen, Tiere und der Umwelt", betont Gahr.

Verpflichtende Herkunftskennzeichnung gefordert

"Von den heimischen Bauern werden immer höhere Produktionsauflagen verlangt und im Gegenzug will man minderwertige Erzeugnisse zu Dumping-Preisen importieren, das ist unverantwortlich. Wir müssen auf Klasse und nicht auf Masse setzen", bekräftigt der Abgeordnete und fordert in diesem Zusammenhang wiederholt eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung. "Wir brauchen dringend eine klare Auslobung, damit die Herkunft der Lebensmittel eindeutig nachvollziehbar ist. Nur so können Konsumenten erkennen, woher die Produkte stammen, und sie bekommen keine Mogelpackung serviert."

In Südamerika sind die Sozial- und Tierschutzaspekte sowie die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln bei Weitem nicht mit heimischen Vorgaben vergleichbar. "In den Mercosur-Staaten werden Pflanzenschutzpräparate eingesetzt, die bei uns längst verboten sind. Für die großen Weideflächen wird in Brasilien der Regenwald gerodet - allein zwischen August 2017 und Juli 2018 waren es rund 7.900 Quadratkilometer. Das entspricht einer Fläche von mehr als 1 Mio. Fußballfeldern. Mit dem Mercosur-Abkommen würde die Rodung weiter forciert werden, das hätte fatale ökologische Auswirkungen und würde den Klimawandel weiter befeuern", sagt Gahr.

Keine Zustimmung für Mercosur

"Aus derzeitiger Sicht können wir im Sinne von Mensch, Tier und Umwelt diesem Abkommen nicht zustimmen. Wir brauchen dringend verbindliche Mengenbeschränkungen bei Rind- und Geflügelfleisch, Ethanol sowie Zucker. Weiters müssen geografische Ursprungskennzeichnungen verpflichtend eingefordert werden. Zusätzlich muss garantiert werden, dass keine Lebensmittel in die EU importiert werden, die nicht unseren hohen Standards entsprechen. Hier geht es konkret um Wachstumsförderer sowie die Anwendung von bestimmten Pflanzenschutzmitteln. Wir können nicht in Europa bestimmt Präparate verbieten und diese dann durch Freihandelsabkommen - quasi über die Hintertür - in die EU importieren. Das wäre ein Widerspruch in sich selbst", so Gahr abschließend. (Schluss)

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