Sie sind noch nicht eingeloggt:
24.05.2022

Frauenanteil in agrarischen Entscheidungsgremien soll deutlich erhöht werden

30 niederösterreichische Vereine unterzeichnen Charta für partnerschaftliche Interessenvertretung

St. Pölten, 24. Mai 2022 (aiz.info). - "It's a man's world" - nicht bei uns: Insgesamt 30 niederösterreichische agrarische Vereine und Verbände unterzeichnen die Charta für partnerschaftliche Interessenvertretung in der Land- und Forstwirtschaft - 17 Vereine und Verbände unterzeichneten die Charta am 23. Mai in St. Pölten, 13 tun dies im Juli im Rahmen der Vollversammlung der Landwirtschaftskammer (LK) Niederösterreich in Mold. Die Charta wurde 2017 von der Bäuerinnen-Organisation in Zusammenarbeit mit den Landwirtschaftskammern initiiert. Bundes- und NÖ Landesbäuerin Irene Neumann-Hartberger freut sich über diesen großen Schritt hin zur Gleichstellung der Frauen: "30 weitere landwirtschaftliche Organisationen setzen sich aktiv für eine partnerschaftliche Vertretungsarbeit ein. Die Anliegen und Sichtweisen der Frauen werden somit um ein Vielfaches mehr in die Öffentlichkeit getragen."
 
Die österreichischen Bauernhöfe werden heute in der Mehrzahl partnerschaftlich geführt. Allerdings ist diese Gleichstellung der Frauen in den agrarischen Entscheidungsgremien noch wenig gegeben. Das wird sich künftig ändern. Landwirtschaftskammer NÖ-Vizepräsident Lorenz Mayr dazu: "Es gilt, Frauen zu fördern, ihre Talente zur Geltung zu bringen und sie darin zu bestärken, Führungspositionen anzunehmen. Die LK Niederösterreich setzt sich aktiv dafür ein und hat bereits 2017 die Charta für partnerschaftliche Interessenvertretung unterzeichnet."
 
Die Charta für partnerschaftliche Interessenvertretung ist eine Selbstverpflichtung von Organisationen mit dem Ziel, den Frauenanteil in allen Entscheidungsgremien auf zumindest 30% zu erhöhen. "Uns Bäuerinnen ist es wichtig, die Zukunft der Land- und Forstwirtschaft und des ländlichen Raumes mitzugestalten, denn für eine gelungene Entwicklung sind Männer und Frauen notwendig. Von einer partnerschaftlichen Gestaltung und Führung profitieren alle: Konsumentinnen und Konsumenten, Partnerorganisationen sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter," erläutert Neumann-Hartberger. Mayr sieht betreffend Interessenvertretung sehr optimistisch in die Zukunft: "Die Kompetenzen der Frauen wie Kommunikationsfähigkeit, Innovationswille und Lösungsorientierung sind willkommene Stärken, mit der die Land- und Forstwirtschaft in seiner Gesamtheit enorm profitieren wird."
 
Gleichberechtigte Zukunftsgestaltung: Worauf es ankommt

Um eine Gleichstellung von Frauen und Männern zu erreichen, werden die unterzeichnenden Vereine konkrete Maßnahmen für jede Organisation intern erarbeiten und umsetzen. Dabei geht es vor allem um fünf Handlungsfelder:
 
Besetzung von Positionen 

Leitende Positionen in bäuerlichen Organisationen sollen gleichwertig von Bäuerinnen und Bauern besetzt werden. Angestrebt wird ein mindestens 30%-Frauenanteil in Entscheidungsgremien. Es ist dabei organisationsinterne Führungsaufgabe, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit diese Ausgewogenheit auch gelingt. 

Ressourcen verteilen

Finanzielle Mittel, Personal und Infrastruktur sollen gleichmäßig auf jene Themen und Anliegen verteilt werden, die entweder vorrangig von Frauen oder vorrangig von Männern forciert werden. In der Praxis bedeutet dies unter anderem die gleiche Vergütung für gleichwertige Funktionen und Leistungen von Frauen und Männern. Auch Netzwerke zur Stärkung von Frauenpositionen sollen aufgebaut und genutzt werden.

Gestaltungsspielraum erweitern

Die Charta will traditionelle Rollenerwartungen und -zuschreibungen aufbrechen - sowohl was Frauen als auch Männer betrifft. In den Fokus sollen vielmehr die persönlichen Fähigkeiten und Neigungen, die in der Familie, im Betrieb oder in den Interessenvertretungen eingebracht werden sollen, rücken. Was es dafür braucht sind ein neues Bewusstsein für die Handlungsmöglichkeiten beider Geschlechter und die Förderung von politisch aktiven Frauen.

Familienfreundlichkeit

Die Vereinbarkeit von Familie, Betrieb und öffentlicher Funktion hat in der Charta einen hohen Stellenwert. Denn eine partnerschaftliche Organisation ist Voraussetzung dafür, dass Frauen und Männer gleichberechtigt in den Interessenvertretungen teilhaben können. Dafür ist eine familienfreundliche Sitzungs- und Organisationskultur notwendig.

Öffentliche Präsentation

Frauen und Männer sind in der Öffentlichkeit gleichwertig anzusprechen, die partnerschaftliche Zusammenarbeit ist ein Grundsatz in der Öffentlichkeitsarbeit. Das heißt konkret, dass Themen sowohl auf die Interessen von Frauen und Männern fokussieren, bei der Auswahl von Referenten, Podiumsdiskutanten und Moderatoren ist auf eine ausgewogene Geschlechterverteilung zu achten.
 
Mehr zur Charta für partnerschaftliche Interessenvertretung in der Land- und Forstwirtschaft sowie einen Download-Link finden Sie unter https://www.baeuerinnen.at/ in der Mediathek. (Schluss)