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10.06.2021

Fachtagung liefert Impulse für die Zukunft der Bio-Landwirtschaft

Grabmann: Praxistaugliche Anwendung der EU-Bio-Verordnung im Fokus

Wien, 10. Juni 2021 (aiz.info). - "Damit die EU-Bio-Verordnung Grundlage einer positiven Entwicklung der Bio-Landwirtschaft in Europa sein kann, muss sie praxisgerecht angewandt werden. Das hat die heutige Fachtagung deutlich gemacht und damit wertvolle Impulse für die Zukunft der Bio-Landwirtschaft geliefert." Dies erklärte die Obfrau des Dachverbandes Bio Austria, Gertraud Grabmann, anlässlich der gestern online abgehaltenen Fachtagung zu Tierhaltung und Weidemanagement im Bio-Landbau unter dem Titel "Mensch und Tier im Mittelpunkt der neuen EU-Bio-Verordnung".

Es sei wesentlich, dass bei der Auslegung von gesetzlichen Vorgaben durch die EU-Bio-Verordnung die unterschiedlichen Gegebenheiten von Mitgliedstaaten und auch innerhalb eines Landes berücksichtigt werden. Ansonsten drohe ein Rückschritt für Tier und Mensch sowie ein massiver Eingriff in die bäuerlichen Strukturen, betonte Grabmann.

Neue EU-Vorgaben müssen praxistaugliche Lösungen ermöglichen

Die Fachtagung habe gezeigt, dass Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern in Österreich durch die neuen Vorgaben teilweise mit größten Herausforderungen konfrontiert sind. Eine Online-Befragung im Rahmen der Veranstaltung habe ergeben, dass 12% der anwesenden Landwirtinnen und Landwirte sich derzeit nicht imstande sehen, die Vorgaben zu erfüllen und daher damit rechnen, aus der Bio-Landwirtschaft aussteigen zu müssen. "Das ist ein Alarmsignal, das in Politik und Verwaltung gehört werden muss. Eine solche drohende Entwicklung gilt es zu verhindern", betonte Grabmann. Die biologische Landwirtschaft biete für viele Betriebe aufgrund der höheren Wertschöpfung die einzig mögliche landwirtschaftliche Perspektive. "Es darf nicht sein, dass gesetzliche Vorgaben durch fehlende Spielräume zu unüberwindlichen bürokratischen Hürden werden und bäuerliche Familienbetriebe dadurch letztlich um ihre Existenzen gebracht werden. Daher braucht es praxistaugliche Lösungen, die es den Höfen ermöglichen, unter den lokalen Bedingungen bestmöglich zu wirtschaften", so Grabmann.

Im Rahmen der Fachtagung hielten insgesamt zwölf Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen Vorträge zu allen Aspekten rund um die Umsetzung der neuen EU-Bio-Verordnung und diesbezügliche Herausforderungen. So stellte Andreas Steinwidder, Leiter des Bio-Instituts an der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft Raumberg-Gumpenstein in seinem Vortrag fest, "dass Weidehaltung in Österreich aufgrund der unterschiedlichen lokalen Voraussetzungen betriebsangepasste Lösungsansätze benötigt, nicht Lösungen von der Stange". Diese Expertensicht decke sich mit den Bedürfnissen der Bio-Bauern. Im Zentrum der Betrachtung müsse stehen, was dem Tierwohl förderlich ist, und wie dies betrieblich am besten umgesetzt werden kann, so Grabmann. Heute wurde die Fachtagung mit einem "EU-Forum" unter internationaler Beteiligung fortgesetzt. (Schluss)