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16.08.2022

Dürre schwächt Waldbäume: BFW-Experte erwartet Schäden durch Insekten und Pilze

Weitere Borkenkäferarten treten vermehrt auf - Mischwälder forcieren

Wien, 16. August 2022 (aiz.info). - Einmal mehr wird die Witterung zu einem bestimmenden Faktor für die Waldgesundheit in Österreich - aktuell leiden die Bäume unter den hohen Temperaturen und der intensiven Sonneneinstrahlung. In der ersten Jahreshälfte lagen heuer hierzulande die Temperaturen +1,8 °C über dem Mittel von 1981 bis 2010. Bundesweit fiel 30% weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel. "Diese Witterungssituation bleibt nicht ohne Folgen für die Baumvegetation. Das Laub verfärbt sich bereits früher. Bei Ahorn und Linde etwa sieht man typische braune Nekrosen am Blattrand, bei Linden teils auch gelbe Blätter", sagt Gernot Hoch, Waldschutzexperte des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW). Auffällig seien seit Ende Juli ebenso die Buchen, deren braun verfärbte Kronen auch in Waldgebieten schon von Weitem sichtbar seien.

Hoch geht davon aus, dass teilweise noch heuer und im kommenden Jahr auffällige Schäden durch Insekten oder Pilze als Folge der Dürre zu beobachten sein werden. "Die Massenvermehrung des Buchdruckers und das großflächige Absterben von Fichten im Norden Österreichs im Jahr 2015 hat uns diese Wirkung deutlich vor Augen geführt", erklärt Hoch. Seit einigen Jahren seien auch bei Kiefernarten hohe Schäden durch den Sechszähnigen Kiefernborkenkäfer feststellbar. Beachtlich sei auch die Vermehrung der Tannenborkenkäfer gewesen, die in Vorarlberg nach dem sehr trockenen Sommer 2019 besorgniserregende Ausfälle bei alten Tannen verursachten. "Nun muss mit einem neuerlichen Aufflackern dieser Borkenkäferprobleme in trockengestressten Wäldern gerechnet werden. Auch an Laubbäumen, wie etwa an Buchen, werden sich sekundäre Schadinsekten einstellen, neben Borkenkäfern können hier auch eine Reihe von Bock- oder Prachtkäfern bedeutend werden", informiert der Experte.

Gegen die Dürre können Waldbewirtschafterinnen und -bewirtschafter kurzfristig nichts unternehmen. "Lang- und mittelfristig gilt es, Entwicklung klimafitter, artenreicher Mischwälder weiter voranzutreiben. Schädlingsbefallene Bäume sollen rasch entnommen werden, um eine Vermehrung der Käfer und eine Ausweitung des Befalls zu unterbinden oder zumindest zu dämpfen", betont Hoch. 

Auswirkungen der Dürre bei Bäumen

Bei anhaltender Trockenheit entstehen in den Leitungsbahnen des Baumes irreversible Embolien, die Wasserversorgung bricht oberhalb des betroffenen Bereiches zusammen und Teile der Krone, vom Wipfel oder sogar von ganzen Bäumen sterben ab. Prinzipiell versucht ein Baum, sich vor dem Versagen des Wassersystems zu schützen. Dazu schließt er bei Wassermangel die Spaltöffnungen der Blätter und stellt die Photosyntheseleistung ein. Dauert eine derartige Phase lange, gerät der Baum allerdings in eine Nahrungsmangelsituation. Auch dies beeinträchtigt die Vitalität. Darüber hinaus treten Schäden am Wurzelsystem auf, die Bäume werden anfälliger für sekundäre Schadorganismen. Das sind Organismen, die eine Vorschädigung des Wirtsbaumes benötigen, um diesen erfolgreich zu befallen, wie zum Beispiel Borkenkäferarten oder manche Pilze, teilt das BFW mit. (Schluss)
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