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27.10.2014

Britische Forscher warnen vor Verbot für zahlreiche Pflanzenschutzmittel

Lebensmittelsicherheit ist gefährdet

Aberdeen, 27. Oktober 2014 (aiz.info). - Wissenschafter des schottischen James Hutton Forschungsinstitutes zweifeln am Nutzen des von der EU verfolgten Ziels, eine Reihe von Pflanzenschutzmitteln verbieten zu wollen. Bis zu 40 Substanzen stehen auf der schwarzen Liste, warnten die britischen Verbände "National Farmers' Union" (NFU), "Crop Protection Association" (CPA) und "Agricultural Industries Confederation" (AIC) in einem Bericht, zu dem sich die Forscher nun äußerten. Eine derartige Einschränkung würde zu einem allgemeinen Rückgang des landwirtschaftlichen Einkommens um GBP 1,7 Mrd. (EUR 2,16 Mrd.), zu Ertragsverlusten bei einigen Kulturen von bis zu 50% und zu einer Gefährdung der Produktion etwa bei Erbsen, Karotten und Äpfeln in Großbritannien führen, lautet das Fazit des Berichts.

"Das geplante Verbot der EU basiert auf Gefahr und nicht auf Risiko", interpretiert Ian Toth, Forschungsleiter für Pflanzenschutz und Unkrautregulierung am James Hutton Institute, die im Jahr 2009 vom Europäischen Parlament verabschiedeten strengeren Regeln für Pestizidproduktion, -zulassung und -einsatz. Demnach würden Pflanzenschutzmittel auch dann verboten, wenn diese in hoher Konzentration als gesundheitsgefährdend eingestuft sind, in der Praxis aber viel stärker verdünnt angewendet werden. "Wie viele Medikamente würden verloren gehen, wenn im Gesundheitsbereich ähnliche Kriterien zur Anwendung kämen, und würden die Leute hier ein solches Verbot akzeptieren?", fragt der Wissenschafter. "Wir alle leben mit einer täglichen Basis an Risiko."

Ironie: Mehr Lebensmittelimporte notwendig

Als "ironisch" bezeichnet Toth die Sachlage, dass die geringeren Erträge durch den Verlust von Pflanzenschutzmitteln mit zusätzlich importierten Nahrungsmitteln aus Ländern außerhalb der EU kompensiert werden müssten, in denen gerade derartige chemische Substanzen, die in der Union zum Minderertrag geführt haben, zum Einsatz kommen.

"Der Verlust von Wirkstoffen steigert das Risiko für Resistenzen bei Krankheiten und Schädlingen", zeigt David Cooke, Wissenschafter am James Hutton Institute, einen weiteren Nachteil der geplanten Veränderungen auf. "Die Landwirte nutzen Pestizide, weil es notwendig ist. Verbietet man einige Produkte, werden an ihrer Stelle andere verwendet werden und folglich die gleiche Menge eines begrenzten Spektrums von Mitteln ausgebracht."

"Brauchen zuerst praktikable Alternativen"

Toth glaubt nicht daran, die Verwendung von vielen wichtigen Pestiziden in dem von der EU vorgeschlagenen kurzen Zeitraum ersetzen zu können. Die als bedenklich eingestuften Substanzen sollen schrittweise bis zum Jahre 2018 verboten werden - jeweils nach Ablauf der Zulassung. "Der verringerte Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ist ein wichtiger Ansatz, der aber erst mit praktikablen Alternativen umgesetzt werden kann. Davor dürfen wir die Mittel, die seit Jahrzehnten für die Lebensmittelproduktion wichtig waren, nicht beseitigen", ist der Wissenschafter überzeugt.

Das James Hutton Institute ist ein internationales Forschungszentrum mit Sitz in Aberdeen/Schottland und aus dem Zusammenschluss des Macaulay Land Use Research Institute und des SCRI (Scottish Crop Research Institute) im Jahr 2011 entstanden. (Schluss) hub

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