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15.05.2019

BayWa: Smarter Düngereinsatz erfordert hohe Präzision

Sensoren und Satelliten im Praxistest erprobt

München, 15. Mai 2019 (aiz.info). - Wie Sensoren und Satelliten Landwirte darin unterstützen, ohne drohende Ertrags- und Qualitätseinbußen die hohen Auflagen der deutschen Düngeverordnung zu erfüllen, das haben heute Experten der BayWa AG und der FarmFacts GmbH vor Medienvertretern auf den Ackerflächen der Unger GbR in Baden-Württemberg demonstriert. Das Familienunternehmen beteiligt sich an einem Anwenderprojekt zur Digitalisierung in der Landwirtschaft.

Die Unger GbR verfügt über eine für Süddeutschland typische Betriebsstruktur, die aus vielen kleinen Schlägen besteht. Das einzelne Feld ist im Durchschnitt kleiner als 2 ha - bei der Umsetzung von Smart Farming, aber auch aus Kostengründen ist das ein wichtiger Faktor. Mit der teilflächenspezifischen Bewirtschaftung verbinden Landwirte die Erwartung, Betriebsmittel künftig effizienter auszubringen und damit Ertrag und Qualitäten zu sichern.

Echter Mehrwert und einfache Umsetzung wichtig

"Entscheidend für die Akzeptanz von Smart Farming-Lösungen im bäuerlichen Familienbetrieb sind vor allem zwei Dinge: ein echter Mehrwert für den Landwirt und eine einfache Umsetzung", betonte Gerd Mezger, BayWa-Spartengeschäftsführer Agrar in Württemberg. "In unserem Projekt wollen wir aus den Erfahrungen lernen und Smart Farming gemeinsam mit den Anwendern weiterentwickeln. Die BayWa versteht sich dabei als 'Systemintegrator', der die beteiligten Komponenten und Akteure - Landtechnik, Betriebsmittel, Pflanzenbauberatung, Software - zu einer ganzheitlichen Lösung verknüpft", so Mezger.

Optimierung der Düngung notwendig

"Der Klimawandel und die Diskussion um Nitrat im Trinkwasser erfordern dringend eine Optimierung der Düngung", verdeutlichte Josef Bosch, Geschäftsführer des BayWa-Tochterunternehmens FarmFacts. Schon die bisherigen Auflagen der Düngeverordnung seien für Landwirte immer schwerer zu erfüllen und oft kontraproduktiv. So überlege die deutsche Bundesregierung zum Beispiel auch, in besonders kritischen Gebieten pauschal 20% unter dem Bedarf zu düngen. "Wer das tut, betreibt letztendlich Raubbau an der Natur. Uns droht ein Verlust an Bodenfruchtbarkeit und Humus und damit eine Verschlechterung der CO2-Bilanz", warnte Bosch. Mittlerweile habe man mit digitalen Lösungen aber tatsächlich Werkzeuge für eine bedarfsgerechte Düngung zur Verfügung, die die Umwelt nicht belasten.

Landwirt Joachim Unger erprobt in seinem Betrieb auf sechs Versuchsschlägen zwei teilflächenspezifische Düngeverfahren, beide wurden auf dem Praxistag vorgestellt: der "GreenSeeker", ein am Traktor angebauter Pflanzensensor, der den momentanen Stickstoffbedarf direkt an der Pflanze misst, sowie ein neues Softwaremodul, dessen Düngeempfehlungen auf der Analyse von Satelliten- und Wetterdaten in Kombination mit einem Pflanzenwachstumsmodell basieren. "Welches System der Landwirt letztlich in der Praxis nutzt, hängt vom jeweiligen Einsatzgebiet ab und davon, wie gut es sich in den Betriebsablauf integrieren lässt. Ein Entweder-oder gibt es nicht, im Gegenteil: Sensor und Satellit können einander sehr gut ergänzen", sagte Bosch.

Der Einsatz dieser modernen Technologien berücksichtigt langjährige Ertragsunterschiede im Feld und zeigt die aktuelle Nährstoffversorgung der Pflanzen an, wenn diese für das menschliche Auge noch gar nicht sichtbar sind. "Damit erweitert Smart Farming unsere Möglichkeiten in der Pflanzenbauberatung, auf einen noch effektiveren Einsatz der Produktionsmittel hinzuwirken, und kann im Praxisalltag eine wesentliche Erleichterung sein", betonte BayWa-Pflanzenbauberater Peter Zoll. Das menschliche Auge komplett ersetzen könne Smart Farming jedoch nicht: "Um die Daten in den jahreszeitlich oder standorttypisch bedingten Vegetationsverlauf einzuordnen, braucht es auch in Zukunft die Erfahrung und das Wissen des Betriebsleiters und Pflanzenbauberaters", so Zoll. (Schluss)

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