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13.08.2019

Agrarexperten stellen richtig: Klimaschutz in der Landwirtschaft bereits Realität

Greenpeace, Bio Austria und NGOs stellen Forderungen an Parteien

Wien, 13. August 2019 (aiz.info) - Die Initiative "Klimafreundliche Landwirtschaft" forderte heute vor Journalisten von der Politik mehr Unterstützung für Klima- und Umweltschutz in der österreichischen Landwirtschaft. Bei der künftigen Verteilung der Agrarförderungen in Österreich müsse Klima- und Umweltschutz stärker priorisiert werden, so Greenpeace, Bio Austria, Sonnentor-Gründer Johannes Gutmann, Klimawissenschafterin Helga Kromp-Kolb, Umweltmediziner Hans-Peter Hutter und die ARGE Schöpfungsverantwortung. Agrarexperten begrüßen das aktuell sehr große öffentliche Engagement für den Klimaschutz, geben aber gleichzeitig zu bedenken, dass der Anteil der Landwirtschaft an den Treibhausgasemissionen in Österreich wesentlich geringer ist als im internationalen Schnitt. Außerdem würden hierzulande seit vielen Jahren zahlreiche Maßnahmen zur Verringerung der Emissionen des Agrarsektors gesetzt, wird betont.

In dem vergangene Woche präsentierten Sonderbericht des Weltklimarates IPCC wurde bekanntlich festgestellt, dass Land- und Forstwirtschaft sowie andere Formen der Landnutzung global für 23% der vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen verantwortlich seien. Greenpeace machte daraufhin die industrielle Landwirtschaft und die Fleischproduktion gleich für 37% der Emissionen verantwortlich und forderte eine radikale Wende in der globalen Landnutzung. "Diese Emissionen müssten dringend gesenkt werden. Wir brauchen daher eine bessere Agrarpolitik, die konkrete Schritte gegen Klimakrise und Artensterben setzt", forderte heute Sebastian Theissing-Matei von Greenpeace. Die nächste Bundesregierung müsse die Weichen für eine umweltfreundliche Landwirtschaft bis 2027 stellen.

Ausbau des Bioanteils auf 35% gefordert

"Klimaschutz muss in allen Bereichen der Landwirtschaft verankert sein. Daher fordern wir eine Verdoppelung des Anteils an Fördergeldern für Klima-, Umwelt- und Tierschutz sowie den Ausbau der biologischen Landwirtschaft von derzeit 25 auf 35% der Flächen bis 2027. Der Markt für Biolebensmittel soll unter anderem durch einen Bioanteil von 60% in der Verpflegung öffentlicher Einrichtungen unterstützt werden", sagte Bio Austria-Obfrau Gertraud Grabmann. Darüber hinaus sollten künftig auf jedem Bauernhof biodiversitätsfördernde Maßnahmen umgesetzt und entsprechend abgegolten werden. Weiters fordert die Initiative eine klima- und tierfreundliche Haltung.

Landwirtschaft arbeitet bereits CO2-neutral

Agrarexperten der Landwirtschaftskammer stellen zu den Forderungen der Initiative fest, dass das Bemühen, die Landwirtschaft noch klimafreundlicher zu machen, grundsätzlich zu begrüßen sei. Allerdings sollten dabei wichtige Fakten nicht außer Acht gelassen werden: Erstens sei die Landwirtschaft in Österreich laut aktuellem Klimaschutzbericht nur für 10% der Treibhausgase verantwortlich, 90% seien anderen Sektoren wie Energie, Industrie, Verkehr und den Haushalten zuzuordnen. Berücksichtige man die Kohlenstoffspeicherung des Sektors und die Substitution fossiler Energieträger, dann arbeite die Landwirtschaft überhaupt CO2 neutral.

Umweltprogramm enthält zahlreiche Klimaschutzmaßnahmen

Zweitens habe die europäische beziehungsweise österreichische Agrarpolitik bereits bisher klimafreundliche Maßnahmen in der Landwirtschaft unterstützt. So trage speziell das Umweltprogramm ÖPUL seit Jahren mit zahlreichen Maßnahmen überproportional zur Abmilderung des Klimawandels bei, Österreich sei hier EU-weit Vorreiter. Humusaufbau durch das ÖPUL finde ebenfalls bereits statt, er lasse sich allerdings nicht ins Unendliche erhöhen. Auch Düngemittelverzicht werde hierzulande seit Langem praktiziert. Biodiversität spiele heute schon eine große Rolle, die Forderungen der Initiative seien in Österreich verwirklicht oder in Umsetzung. Die Gemeinsame EU-Agrarpolitik (GAP) solle laut den Plänen der EU-Kommission künftig noch stärker in Richtung Klimaschutz und Biodiversität gehen.

Versorgungssicherheit nicht gefährden

Drittens sollte beachtet werden, dass durch nationale Alleingänge bei den Produktionsauflagen (Dünger- und Pflanzenschutzmittelverbote) die Versorgungssicherheit ernsthaft gefährdet werde. Die Folge wären Produktionsverlagerungen in andere Staaten, und diese würden genau das Gegenteil von Klimaschutz und Emissionsminderung bewirken, so die Experten. Tierfreundliche Haltung habe hierzulande einen sehr hohen Stellenwert, könne aber auch zu steigenden Emissionen führen (beispielsweise Ammoniak), woraus ein gewisser Zielkonflikt resultiere.

Viertens habe die österreichische Agrarpolitik den Umstieg auf Biolandbau in den vergangenen Jahren stark unterstützt, mit einem Bioanteil von 25% sei die Alpenrepublik Vorreiter in der EU. Eine weitere Steigerung dieses Anteils auf 35% sei möglich, aber nur in Abstimmung mit dem Markt. Hier seien vor allem die Konsumenten gefordert.

Grundsätzlich, so die Agrarexperten, sollte man nicht vergessen, dass auch die konventionelle Landwirtschaft klimafreundliche Maßnahmen praktiziere. Im Sinne der kurzen Transportwege sollte außerdem der Kauf von regionalen Produkten forciert werden, anstatt etwa verstärkt Rindfleisch aus Südamerika zu importieren. In diesem Zusammenhang sollte sich die Initiative "Klimafreundliche Landwirtschaft" - so wie das die agrarische Interessenvertretung seit Langem tue - auch für eine Verbesserung der Herkunftskennzeichnung einsetzen. (Schluss) kam - APA OTS 2019-08-13/15:01

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