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15.09.2020

ASP: Deutsche Schweinefleisch-Exporte in mehreren Drittländern gesperrt

Ware soll vermehrt auf EU-Binnenmarkt abgesetzt werden

Berlin, 15. September 2020 (aiz.info). - Der erste bestätigte Fall von Afrikanischer Schweinepest (ASP) in Brandenburg, BRD, hat, wie von den Marktteilnehmern erwartet, zur sukzessiven Sperre der deutschen Exporte für Schweinefleisch in Drittländer, darunter auch wichtige Märkte wie China, Südkorea, Argentinien, Brasilien oder Japan geführt. Als Konsequenz daraus wird sich die deutsche Ware mehr auf dem innereuropäischen Markt verteilen müssen. Daran arbeiten alle Beteiligten nun unter Hochdruck. Darüber hinaus werden Verhandlungen mit den Drittländern geführt, um Lösungen für die gesperrten Märkte zu finden, berichtet die "agrarzeitung" online.

Bedingt durch die veränderte Marktsituation wurde am vergangenen Freitag in einer außerordentlichen Preiskonferenz der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEGZ) die deutsche Mastschweine-Notierung um 20 Cent auf 1,27 Euro/je kg Schlachtgewicht nach unten korrigiert. Mit dem neuen Notierungsniveau bildet Deutschland nun das Schlusslicht im europäischen Preisgefüge. Die durch den aktuellen Schweinepest-Fall bedingten Marktstörungen dürften aber durch den Notierungsrückgang vorerst eingepreist sein. In Dänemark und den Niederlanden gab die Notierung um 5 bis 7 Cent/kg Schlachtgewicht nach, in anderen EU-Ländern wird noch die weitere Entwicklung in Deutschland abgewartet.

Hausschweine aus Brandenburg gehen weiter zur Schlachtung

Wie berichtet, war am Donnerstag vergangener Woche die ASP-Infektion bei einem tot aufgefundenen Wildschwein im Kreis Spree-Neiße in Brandenburg bestätigt worden. Bei weiteren intensiven Suchen rund um den Fundort wurde bislang kein weiteres infiziertes Tier gefunden. Nun greifen hier die Vorgaben der nationalen Schweinepest-Verordnung. Die zuständige Behörde in Brandenburg müsse alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um einen Überblick über die Seuchensituation vor Ort zu erhalten und die Weiterverbreitung der Seuche zu verhindern.

Schweinehalter, die sich in den Sicherheitszonen im Umkreis von 15 km des Fundortes befinden, dürfen derzeit keine Tiere an Schlachtereien abgeben. Dies gilt auch für Ferkel, die an Mastbetriebe geliefert werden sollten. Betroffen sind nach Angaben des Bauernverbandes Brandenburg rund 20 Betriebe, die sich in der Restriktionszone befinden. Aus den übrigen Regionen Brandenburgs können Schweine weiterhin zu den Schlachthöfen gefahren werden. Das bestätigt auch ein Sprecher von Tönnies gegenüber der "agrarzeitung": Selbstverständlich nehme man weiterhin Hausschweine aus Gebieten an, die nicht behördlich gesperrt sind, also auch aus Brandenburg. Tönnies habe lediglich als Vorsichtsmaßnahme Lieferungen aus der Region rund um den Fundort des infizierten Wildschweins vorerst verschoben, bis man offizielle Informationen der Behörden über Verbringungseinschränkungen und Zusatzanforderungen für Haltungsbetriebe in der Region erhalte, so der Sprecher.

Oberstes Ziel bleibt die Risikominimierung

Der Bauernverband in Brandenburg (LBV) teilt mit, dass indessen im Umkreis von 3 km um den Fundort des mit ASP-infizierten Wildscheinkadavers ein mobiler Schutzzaun errichtet wurde. Man halte diese Maßnahme jedoch nicht für ausreichend, zumal der Zaun Lücken aufweise und instabil sei. "Was wir jetzt brauchen, ist eine feste Zaunanlage sowohl um die Kernzone herum als auch an der deutsch-polnischen Grenze. Wir müssen auf jeden Fall verhindern, dass sich die ASP weiter ausbreitet. Die Kernzone muss deshalb komplett abgeriegelt werden. Wenn wir jetzt nicht konsequent handeln, laufen wir später der Entwicklung hinterher. Das muss unbedingt vermieden werden, erklärt LBV-Präsident Henrik Wendorff. Ein Blick nach Tschechien zeige, dass dort die ASP durch schnelle und konsequente Maßnahmen erfolgreich bekämpft werden konnte.

Landwirte müssen Biosicherheitsmaßnahmen konsequent einhalten

Das Risiko einer Einschleppung des Schweinepesterregers nach Deutschland wurde nach Einschätzung des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) als hoch eingestuft. Die räumliche Entfernung zum nächstgelegenen bestätigten ASP-Fall in Polen beträgt nur 30 km. Die Nähe zur deutsch-polnischen Grenze von etwa 6 km macht einen Eintrag durch ein migrierendes Wildschwein wahrscheinlich. Eine Einschleppung durch den Menschen über kontaminierte Lebensmittel kann aber laut FLI nicht ausgeschlossen werden. Daher sollten jetzt unbedingt die notwendigen Maßnahmen zur Risikominimierung getroffen werden, so das Institut.

Für Landwirte sei es nun äußerst wichtig, die betriebliche Biosicherheit sorgfältig einzuhalten. Dies biete immer noch den besten Schutz vor dem Eintrag des Erregers in Nutztierbestände. Verendete Wildschweine sollten bundesweit weiterhin intensiv auf das Vorhandensein der ASP untersucht werden, tot aufgefundene Wildschweine seien sofort der zuständigen Behörde zu melden. Wichtig sei auch, möglicherweise kontaminierte Schweineprodukte wie Wurst und Fleisch so zu entsorgen, dass Wild- und Hausschweine keinen Zugang haben. Fahrzeuge, Bekleidung, Schuhwerk und Ausrüstungsgegenstände, die bei der Jagd kontaminiert worden sein könnten, sollten unbedingt gereinigt und desinfiziert werden. (Schluss) kam

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