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14.09.2020

ASP: China und Japan stoppen Schweinefleischimporte aus Deutschland

Regierung in Berlin beruhigt und will mögliche Exportpotenziale ausschöpfen

Peking/Tokio/Berlin, 14. September 2020 (aiz.info). - Nach China verbietet nun auch Japan wegen des Auftretens der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in der BRD den Import von Schweinefleisch aus Deutschland. Sowohl die Einfuhren von Lebendtieren als auch von Schweinefleischprodukten würden untersagt, teilte Japans Agrarministerium am Montag laut Reuters mit. Die deutschen Produzenten lieferten im vergangenen Jahr rund 40.240 t Richtung Tokio, das entspricht rund 3% des von Japan importierten Schweinefleischs. Wie berichtet, war am Donnerstag vergangener Woche bekannt geworden, dass ein in Brandenburg aufgefundenes totes Wildschwein mit dem Virus infiziert war. Es ist dies der erste bekannte Fall in der BRD. Die Bundesregierung in Berlin beruhigt jetzt. Sie sieht die Chancen auf eine schnelle Eindämmung der Seuche gegeben und will sich um die Ausschöpfung bestehender Handelsmöglichkeiten bemühen, um einem Preisrückgang entgegenzuwirken.

Am vergangenen Samstag verhängte nach Südkorea auch China als größter Abnehmer für deutsches Schweinefleisch einen Stopp für Einfuhren "Made in Germany", berichtet die dpa. "Dieser Exportstopp macht uns große Sorgen", sagte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied. China ist der größte Konsument von Schweinefleisch weltweit. Dorthin gehen laut Agrarministerium 17% der deutschen Ausfuhren in diesem Bereich. Interessant sind die asiatischen Märkte besonders auch deshalb, weil dort Teile wie Schweineohren und -pfoten gefragt sind, die hierzulande kaum Abnehmer finden.

China ist auf Schweinefleischimporte angewiesen

Da China seit 2018 selbst gegen einen massiven Schweinepest-Ausbruch kämpft, war das Land zuletzt ein sehr lukrativer Markt für Exporteure aus anderen Ländern, denn die Tierseuche hat große Teile der chinesischen Schweinebestände dahingerafft. Der Importbedarf im bevölkerungsreichsten Land der Erde ist deswegen sehr groß. Ein "Nachfragesog" aus China bescherte den deutschen Exporteuren trotz der Corona-Krise Umsatzrekorde, wie das Statistische Bundesamt ermittelte. Die Exportmenge verdoppelte sich von Jänner bis April 2020 auf 158.000 t. Der Exportwert schnellte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 126 Mio. auf 424 Mio. Euro in die Höhe.

Das Einfuhrverbot gilt laut chinesischer Zollverwaltung seit Samstag. Alle vorher abgesandten Lieferungen von Fleisch und Produkten von Schweinen oder Wildschweinen werden vor einer Freigabe erst verschärft untersucht. Das Berliner Agrarministerium will mit der chinesischen Regierung im Gespräch bleiben, um noch eine Regionalisierungs-Vereinbarung zu erreichen. Dies zielt darauf ab, Einfuhrstopps wegen der Schweinepest nur auf Betriebe aus betroffenen deutschen Regionen zu beschränken - und nicht aus ganz Deutschland. Rukwied sagte, es müsse wenigstens mittelfristig möglich sein, dass aus Schweinepest-freien Gebieten weiter geliefert werden kann. So ist es auch innerhalb der EU geregelt. Innerhalb der Union ist der Export von Schweinefleisch weiter möglich. Derzeit verbleiben rund 70% der Exporte im Binnenmarkt, hieß es vonseiten der Behörden.

Fundort des infizierten Wildschweins wird eingezäunt

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner versuchte inzwischen, die Situation zu beruhigen. "Die Tierseuche ist für den Menschen ungefährlich, auch vom Verzehr von gegebenenfalls kontaminiertem Fleisch geht keine Gefahr für die Gesundheit aus", so die Ministerin. Klöckner teilte mit, dass nun die Vorgaben der nationalen Schweinepest-Verordnung gelten. Die zuständige Behörde in Brandenburg ergreife alle notwendigen Maßnahmen, die erforderlich seien, um eine Weiterverbreitung der Seuche zu verhindern.

In Brandenburg wurde am Samstag mit dem Aufstellen eines Elektrozauns in einem Radius von drei Kilometern um den Fundort des ersten infizierten Wildschweins begonnen, wie der Landkreis Spree-Neiße mitteilte. Um die Fundstelle des weitgehend verwesten Kadavers in der Gemeinde Schenkendöbern wurde ein vorläufiges gefährdetes Gebiet mit einem Radius von 15 Kilometern festgelegt. Dort gelten Beschränkungen für Jäger und Bauern, zum Beispiel ein Jagdverbot für alle Tierarten und Nutzungsbeschränkungen für land- und forstwirtschaftlichen Flächen (Ernteverbot für Maisfelder).

Klöckner: Chance auf schnelle Eindämmung gegeben

Das Friedrich-Loeffler-Institut rief dazu auf, deutschlandweit gefundene tote Wildschweine sofort den Behörden zu melden, damit sie auf Schweinepest untersucht werden können. In den Ställen seien sorgfältige Hygienevorkehrungen wichtiger denn je, so das Institut. Der Deutsche Jagdverband wies darauf hin, dass das Virus durch menschlichen Einfluss Sprünge bis zu 1.000 Kilometer gemacht habe. Die Experten gehen aber davon aus, dass eine weitere Verbreitung der Schweinepest bei konsequentem Einschreiten der Behörden verhindert werden kann. "Wir sehen die Chance, dass das genauso schnell eingedämmt wird wie in Belgien und Tschechien", wurde betont.

Auch Klöckner hob hervor, dass das ASP-Geschehen weiterhin sehr begrenzt auf eine Region und ein Wildschwein sei. Es gebe vorerst keinen Fall, der weiter entfernt liege, oder ein Überspringen auf einen Hausschweinebestand. (Schluss)