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16.11.2012

EU-Bauernverbände diskutieren Umsetzung des Milchpakets

Vertragsbeziehungen zwischen Landwirten und Molkereien sollen gestärkt werden

Brüssel, 16. November 2012 (aiz.info). - Die europäischen Bauern- und Genossenschaftsverbände (Copa-Cogeca) haben diese Woche in Brüssel ein hochrangiges Seminar zur Umsetzung des EU-Milchpakets in den Mitgliedstaaten organisiert. Das Paket zielt bekanntlich auf eine Stärkung der Vertragsbeziehungen zwischen Landwirten und Verarbeitungsbetrieben ab, um die schwache Stellung der Erzeuger in der Nahrungsmittelkette zu stärken und es ihnen zu ermöglichen, bessere Erlöse über den Markt zu erwirtschaften.

"Wir sind sehr erfreut, dass das Milchpaket nun endlich eingeführt wurde. Die Milcherzeuger haben mit einem Gesamtverlust von mehr als EUR 14 Mrd. sehr stark unter der Krise im Jahr 2009 gelitten. Mit diesem Maßnahmenpaket sollen ihre Position gestärkt und ihnen bessere Erlöse auf den Märkten ermöglicht werden. Dies ist heute wichtiger denn je, da die Erzeuger durch die hohen Produktionskosten einem enormen Preisdruck ausgesetzt sind und einer großen Marktmacht einiger weniger Einzelhändler gegenüberstehen", unterstrich Copa-Cogeca-Generalsekretär Pekka Pesonen.

Unterschiedliche Umsetzung in den Mitgliedsländern

In manchen Ländern, in denen das Milchpaket umgesetzt wird, und zwar im Vereinigten Königreich, in Belgien, Dänemark, Estland, Deutschland, Österreich, Irland, den Niederlanden und Polen, werden Verträge auf freiwilliger Basis geschaffen, während in Frankreich, Spanien, Ungarn, Litauen, Portugal, Italien und der Slowakei die Verträge für die Erzeuger verpflichtend werden. Obwohl hinsichtlich des Nutzens des Milchpakets Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten bestehen, äußerte sich der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Milch in der Copa-Cogeca, Mansel Raymond, erfreut darüber, wie schnell die Gesetzgebung in den Mitgliedstaaten vorangebracht werde. Nun bleibe abzuwarten, wie gut diese Maßnahmen greifen.

Bündelung der Kräfte notwendig

Raymond hob hervor, dass es derzeit eine robuste Weltmarktnachfrage für Milch gebe und der Sektor wettbewerbsfähig sein müsse, um diese Marktchancen auch zu nutzen. Angesichts der extremen Marktvolatilität könnten Verträge bei der Abfederung dieser Schwankungen helfen und den Erzeugern ein gewisses Maß an Planbarkeit ermöglichen. Weiters hob er hervor, wie wichtig Erzeugerorganisationen beziehungsweise Genossenschaften für die Bündelung der Kräfte der Landwirte und für die Stärkung ihrer Position in der Wertschöpfungskette gegenüber der Marktmacht einiger weniger Einzelhändler seien.

Milchmarkt bleibt volatil

Einig waren sich die Seminarteilnehmer aber auch darüber, dass dieses Milchpaket nicht ausreiche, um alle Herausforderungen zu meistern. Mit der geplanten Abschaffung der EU-Milchquoten im Jahr 2015 werde die EU gut aufgestellt sein, um den in den aufstrebenden Volkswirtschaften erwarteten Anstieg der Nachfrage nach Milchprodukten zu befriedigen. Der Markt werde dadurch jedoch auch stärker den Marktkräften und einer steigenden Volatilität ausgesetzt sein, unterstrich Raymond. Er hob deswegen die Bedeutung der Instrumente zur Verwaltung der EU-Märkte wie Intervention und Private Lagerhaltung hervor, die auch weiterhin am effektivsten für den Umgang mit Krisen auf dem EU-Markt seien.

Interventionspreis muss höheren Produktionskosten der Landwirte Rechnung tragen

Dies wurde auch von der Hochrangigen Gruppe zu Milch besonders hervorgehoben. Die von der Kommission vorgeschlagenen Maßnahmen im Rahmen der zukünftigen Gemeinsamen Agrarpolitik seien für die Erreichung dieser Ziele nicht ausreichend, wurde betont. Der EU-Interventionspreis für Butter und Magermilchpulver müsse aktualisiert werden, um den höheren Produktionskosten der Landwirte Rechnung zu tragen.

"Die jüngste Krise hat uns gezeigt, dass sowohl die öffentliche Intervention als auch die Private Lagerhaltung ihre Zwecke erfüllen und wesentlich weniger kosten als die verschiedenen nationalen Regelungen zusammengenommen, die zur Stützung der Liquidität und des Einkommens der Landwirte eingeführt wurden", stellte Raymond fest. Angesichts der Erhöhung der EU-Haushaltsmittel für die Agrarforschung hob der Vorsitzende auch deren Bedeutung für eine bessere Wettbewerbsfähigkeit des Sektors hervor. Ebenso wichtig sei es, die Transparenz von Preisen und die Marktinformationen in der gesamten Lebensmittelkette zu verbessern.

Österreich setzt EU-Milchpaket um

Zur Stärkung der österreichischen Milchwirtschaft sollen alle Möglichkeiten des EU- Milchpakets umgesetzt werden. In einem ersten Schritt wird die Anerkennung von Erzeugerorganisationen und Branchenverbänden im Milchsektor ermöglicht. Die Details dazu sind in der am 15.10.2012 im Bundesgesetzblatt veröffentlichten "Milchsektor-Zusammenschlüsse-Verordnung" des Landwirtschaftsministeriums geregelt. Die Kriterien für die Anerkennung sehen unter anderem vor, dass mindestens 20 Erzeuger oder mindestens 3.000 t Rohmilchlieferung oder Rohmilchäquivalent pro Kalenderjahr vorhanden sein müssen.

Milcherzeuger und -verarbeiter können sich zu einem Branchenverband zusammenschließen, müssen dafür aber einen Antrag auf Anerkennung stellen. Dies soll eine Bündelung der Milchwirtschaft fördern, um dadurch die Stellung in der Lebensmittelkette zu verbessern. Solche Branchenverbände könnten Marktanalysen erstellen, sich um die Erschließung von Exportmärkten bemühen oder sich für die Verbesserung von Tiergesundheit und Produktqualität einsetzen. Nähere Informationen über die Umsetzung des Milchpakets sind auf der Homepage des Lebensministeriums und der EU-Kommission erhältlich. (Schluss) kam

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