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12.09.2012

Weitgehende Übereinstimmung Finnlands und Österreichs bei GAP-Reform

Bei Agrarförderungen gehen die Meinungen auseinander

Wien, 12. September 2012 (aiz.info). - Eine Delegation des Landwirtschaftsausschusses des finnischen Parlaments traf gestern im Rahmen eines Wien-Besuchs zu einem Meinungsaustausch mit Mitgliedern des Nationalratsausschusses für Land- und Forstwirtschaft zusammen. Dabei kamen gemeinsame Fragen zur Landwirtschaft zur Sprache, an erster Stelle die GAP-Reform. In Finnland herrscht zu diesem Thema ein weitgehender Konsens aller Parlamentsparteien, betonte Delegationsleiter Jari Leppä von der Zentrumspartei. Insgesamt wünsche man sich eine Vereinfachung des Systems.

Absatzgarantien für Milchbetriebe weiterhin notwendig

Von besonderem Interesse sei für Finnland die Entwicklung der Milchwirtschaft. Sie ist der stärkste Zweig der Landwirtschaft - vor allem in den klimatisch weniger begünstigten Landesteilen von großer Bedeutung - und kann kostendeckend produzieren. Allerdings hat nach dem EU-Beitritt Finnlands ein starker Konzentrationsprozess eingesetzt. Wie Leppä erläuterte, strebt das Land nun ein adäquates Nachfolgemodell für die auslaufenden Milchkontingente an, welches dessen Funktionen übernehmen könne, nämlich einen Lenkungseffekt in der Produktion zu erzielen und Absatzgarantien zu schaffen. Auch für Milchbetriebe in Österreich seien Absatzgarantien ein Thema, unterstrich der Nationalratsabgeordnete und Bauernbundpräsident Jakob Auer. Nur dadurch sei sichergestellt, dass auch weniger begünstigte Regionen weiter bewirtschaftet werden.

"Greening" soll kein bloßes Schlagwort bleiben

Weitgehende Übereinstimmung zwischen Finnland und Österreich wurde auch beim "Greening" deutlich, wo die Vertreter beider Staaten der Auffassung sind, dass die Ökologisierung der GAP nicht nur eine kosmetische Maßnahme darstellen dürfe, sondern Fortschritte im Umweltschutz bringen müsse. Sowohl Finnland als auch Österreich sind zudem daran interessiert, dass ihre nationalen Öko-Programme von der EU als Vorleistungen anerkannt werden. Breiter Konsens herrschte ebenso in der Ablehnung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in der Landwirtschaft.

Die finnische Delegation zeigte sich auch interessiert an den Fragen der Erhaltung von Familienbetrieben und Betriebsübergaben in Österreich und den Gründen, warum ein großer Teil der Höfe von Frauen geführt wird. Sie stimmte der Abgeordneten Elisabeth Hakel (SPÖ) zu, dass Frauen einen zentralen Beitrag zur wirtschaftlichen Lebensfähigkeit der ländlichen Regionen leisten. Daher müsse vor allem die zweite Säule der GAP Programme enthalten, die auf die Bedürfnisse von Frauen im ländlichen Raum zugeschnitten sind, betonte Anna Höllerer (ÖVP).

Finnland hat "kein Problem" mit Entkoppelung

Zum Thema Agrarförderungen gehen die Einstellungen der beiden Staaten auseinander. Finnland habe aufgrund der dort historisch gewachsenen Förderstruktur kein Problem mit der Entkoppelung der Förderungen von der Produktion, betonte Delegationsleiter Leppä. Gleichzeitig werde aber der Möglichkeit freiwilliger gekoppelter Zahlungen zwecks Aufrechterhaltung der Produktion in benachteiligten Gebieten zugestimmt. Bauernbundpräsident Auer hingegen tritt dafür ein, Förderungen grundsätzlich an die Aufrechterhaltung der Produktion zu knüpfen. Zahlungen für Stilllegungen halte er prinzipiell für nicht vertretbar. (Schluss)

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