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02.04.2020

Umweltbundesamt: Österreichs Bodenverbrauch steigt wieder

Weinberger: Negative Folgen für die Ernährungssicherung bedenken

Wien, 2. April 2020 (aiz.info). - Der Bodenverbrauch ist in Österreich, nachdem er seit 2013 gesunken ist, von 2018 auf 2019 erstmals wieder gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden täglich 13 ha Boden neu beansprucht, das entspricht einem Plus von 24%. Rund 4 ha gehen pro Tag dauerhaft verloren, weil diese Fläche versiegelt wird. Der Bodenverbrauch verursacht einen kontinuierlichen Verlust von produktiven Flächen, 2019 waren es 44 km2. Dies geht aus heute vom Umweltbundesamt veröffentlichten Zahlen hervor. Der Bodenverlust hat auch Folgen für die Ernährungssicherung, die nationale Verfügbarkeit von Nahrung und den Zugang zu Lebensmitteln.

Bundesregierung hat Maßnahmen für Reduktion des Bodenverbrauchs festgeschrieben

"Bereits in der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung im Jahr 2002 wurde festgeschrieben, den täglichen Bodenverbrauch auf 2,5 ha pro Tag zu beschränken. 2019 haben wir tatsächlich aber 13 ha täglich verbaut, das ist das Fünffache des Zielwerts von 2,5 ha/Tag", betont der Vorstandsvorsitzende der Österreichischen Hagelversicherung, Kurt Weinberger. Positiv sei aber, dass die derzeitige Bundesregierung nicht nur diesen Zielwert,sondern auch detaillierte Maßnahmen für eine Reduktion des Bodenverbrauchs in ihrem Regierungsprogramm festgeschrieben habe, so Weinberger.

Negative Auswirkungen auf die Lebensmittelversorgung

Die tägliche Verbauung von 13 ha wertvoller Wiesen und Äcker für Straßen, Siedlungen, Shoppingcenter und Industriehallen hat dramatische Auswirkungen auf die Lebensmittelversorgungssicherheit: So entspricht der jährliche Verlust an Agrarflächen knapp 5.000 ha Äcker und Wiesen. Das bedeutet umgerechnet beispielsweise einen Verlust von 30 Mio. kg Brotgetreide.

"Für den Brotkonsum werden rund 85 kg Getreide pro Kopf und Jahr benötigt. Somit verbauen wir in einem Jahr das Brotgetreide für mehr als 350.000 Konsumenten. Diese Entwicklung ist fahrlässig, weil es langfristig die Ernährungssouveränität Österreichs gefährdet. Aber auch der Klimawandel wird beschleunigt. Durch die Versiegelung des Bodens geht notwendiger CO2- und Wasserspeicher für immer verloren, Schäden durch Wetterextremereignisse wie Dürreperioden und Hochwasser werden mehr", warnt Weinberger.

Flächenverbrauch: Lösungsansätze konsequent umsetzen

"Die Bundesregierung hat sich im Regierungsprogramm 2020 - 2024 zu umfassenden Maßnahmen für gesunde Böden und eine zukunftsfähige Raumordnung bekannt. Eine konsequente Umsetzung sollte daher in Anbetracht der aktuellen Situation zur Lösung dieses brennenden Umweltproblems Priorität haben. Nur durch eine kluge Raumordnungspolitik, durch einen absoluten Verbauungsstopp bester Wiesen und Äcker, durch Leerstandsnutzung (in Österreich stehen laut Umweltbundesamt 40.000 ha Immobilien leer) und durch eine Stärkung der überregionalen Raumordnung kann dieser negativen Entwicklung entgegengewirkt werden", so der Vorstandsvorsitzende.

Corona-Krise: Landwirtschaft für eine Volkswirtschaft unverzichtbar

"Die Corona-Krise zeigt einerseits, dass es nicht selbstverständlich ist, Lebensmittel überall und sofort zu bekommen, und andererseits, wie verletzbar man als Nationalstaat ist. Ernährungssicherheit kann man nicht importieren. Eine heimische Landwirtschaft, die ausreichend Boden zur Verfügung hat, um Nahrungsmittel zu erzeugen, ist unverzichtbar für die Volkswirtschaft. Ohne unsere Bäuerinnen und Bauern hätten wir alle nichts zu essen, ohne sie wäre der Teller leer. Sie produzieren 365 Tage im Jahr qualitativ hochwertige Lebensmittel - und das unter immer härteren Bedingungen durch zunehmende Wetterextreme wie Frost, Hagel, Dürre und Überschwemmungen. Wir müssen daher selbst die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Bevölkerung im Krisenfall ernährt werden kann. Daher gilt es, den Boden zu schützen, denn ohne ihn gibt es keine Lebensmittel", so Weinberger. (Schluss)

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