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31.01.2018

Gemüse-, Obst- und Gartenbautag: Herausforderungen und Ideen, diese anzugehen

Regionale Produkte müssen für Vermarktung mit "Geschichten" aufgeladen werden

Wien, 31. Jänner 2018 (aiz.info). - Der diesjährige Gemüse-, Obst- und Gartenbau-Fachtag der Wintertagung am 30. Jänner spannte einen breiten Themenbogen von den politischen Rahmenbedingungen über die klimatischen Herausforderungen, den Wünschen der Verbraucher, den erforderlichen Standards bis hin zur Digitalisierung und zeigte anhand von Best Practice-Beispielen auf, wie manche Unternehmer diese Herausforderungen anpacken und sich auf innovativen Wegen den Fortbestand sichern beziehungsweise sich die Vielfalt an digitalen Anwendungsmöglichkeiten zunutze machen.

Regionalität ist zum Hauptmotiv beim Lebensmitteleinkauf geworden

Die Verbundenheit der österreichischen Bevölkerung zur heimischen bäuerlichen Produktion steigt. Beim Thema Ernährung wird hauptsächlich auf Herkunft und Regionalität (35%) Wert gelegt. "Die Motivation der Verbraucher ist dabei die Stärkung der heimischen Landwirtschaft", so Micaela Schantl, Leiterin der Marktforschung bei der AMA-Marketing. Insgesamt geben die österreichischen Haushalte ein gutes Viertel ihrer monatlichen Lebensmittelausgaben für Obst und Gemüse aus. Beide Segmente konnten seit 2014 an Menge und Wert zulegen. "Für heimisches Obst und Gemüse bestehen damit positive Vorzeigen für die Vermarktung. Herausforderungen, die den Erzeugern bevorstehen, sind die Verschiebung der Saisonen vor allem im Obstbereich, die klimatischen Bedingungen, die bereits in den vergangenen Jahren deutlich spürbar geworden sind, und die klare Kennzeichnung regionaler Produkte", fasste Schantl zusammen.

Strategien zur Herkunftskennzeichnung konzeptioniert

Hinsichtlich der Forderung der österreichischen Lebensmittelproduzenten, insbesondere der Landwirtschaftskammern, nach einem System, das den Verbrauchern klare Auskunft über die Herkunft der Waren garantiert, ist das BMNT laut Christian Jaborek, Leiter der Abteilung Obst, Gemüse, Wein, Sonderkulturen, Sektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung im Selbigen, dabei, Konzepte zur Bewusstseinsbildung und Kontrolle zu entwickeln, allein die Zuständigkeit liege bei den Bundesländern, merkte er an. Ebenso würden Technologien zur Herkunftsfeststellung getestet, wie die Isotopenuntersuchung und das Foodprofiling. Hierfür sei es jedoch notwendig, auch die Warenströme zu erfassen.

Ein weiterer Schwerpunkt des Ressorts wird ferner eine nachhaltige Streuobst-Strategie sein. "Das ist ein regionalpolitisches Thema, das in enger Verbindung zum Tourismus steht, der ohne die Landwirtschaft als Kulturlandschaftsspender undenkbar wäre", kündigte Jaborek an.

Bei Digitalisierung müssen Betriebe die Datenhoheit behalten

Kristian Möller, Geschäftsführer von GlobalG.A.P. (Köln), veranschaulichte die Megatrends im Obst- und Gemüsebau und zeigte ihre Auswirkungen auf die bäuerlichen Erzeuger auf. Etwa das globale Bevölkerungswachstum bei gleichzeitig steigender Versiegelung von fruchtbaren Böden, was eine Intensivierung der Lebensmittelproduktion bedeutet, wobei der Druck auf die Erzeugerpreise weiter steigt. Auch in Sachen Transparenz seien die Landwirte gefordert, der gesellschaftlichen Entwicklung zu folgen und mit der Nutzung sozialer Medien, wie es die Konsumenten vorgeben, bei diesen "mehr emotionale Bindung zu erzeugen". Schließlich sieht Möller durch die Digitalisierung in den kommenden Jahren einen "radikalen Wandel" auf die Ernährungswirtschaft zukommen. "Die Branche wird die Anforderungen, nämlich Vertrauen in ihre Produkte zu schaffen, gemeinsam angehen müssen, indem ein einheitliches Datenmodell etabliert wird. Es ist notwendig, konsequent und schnell in Sensorik und Automatisierung zu investieren, um die notwendige Transparenz zu gewährleisten - das ist die Zukunft der Standards. Dabei muss aber gewährleistet sein, dass die Erzeuger die Datenhoheit und den Shared Value behalten."

Konsumenten wollen berührt werden

Dass heimisches Obst und Gemüse ein gutes Image bei den österreichischen Verbrauchern haben, ist belegt, für eine bessere Vermarktung muss nach Ansicht von Christof Kastner, Kastner GroßhandelsgesmbH (Zwettl), jedoch "die Austauschbarkeit der Produkte im LEH durch Alleinstellungsmerkmale und Marken beendet werden". Dass die heimische Erzeugung den Wünschen der Verbraucher entspricht, bestätigt auch Martin Gressl, Leiter der Abteilung Qualitätsmanagement bei der AMA-Marketing. Er wies aber darauf hin, dass trotzdem viele Produkte wenig attraktiv für die Kunden sind, was vor allem daran liege, dass sie mit keiner bewegenden Geschichte verknüpft sind, "die die Konsumenten berührt". Josef Peck, Obmann des Österreichischen Branchenverbandes für Obst und Gemüse, empfiehlt, "die Kommunikation mit dem LEH zu forcieren und diesem Geschichten und Ideen zu liefern".

Vegetationsperiode in Österreich auf 212 Tage erweitert

Am Nachmittag, der unter dem Motto "von einander lernen" stand, zeigte Michael Staudinger, ZAMG Wien, die Änderungen bei Anbauzeiten und -gebieten auf. So haben die Langzeituntersuchungen der Meteorologen ergeben, dass die Vegetationszeit etwa beim Apfel systematisch um mehr als zehn Tage früher beginnt und die Vegetationsperiode insgesamt um 13,5 Tage länger geworden ist, das Frosttage nicht mehr so kalt sind und seltener auftreten, was die Schädlingsproblematik verstärkt. Die Niederschlagsmenge bleibt übers Jahr unverändert, allerdings tritt Starkregen häufiger und mit höherer Intensität auf, gleichzeitig werden die Trockenperioden länger. "Die Landwirtschaft ist ein großer Verursacher des Klimawandels, kann aber auch viel bewirken", gab er den Teilnehmern mit auf den Weg.

Wie manche Betriebe auf diese klimatischen Veränderungen reagieren, wurde anhand der Frostberegnung in Thallern (NÖ) sowie der Bewässerung mit Solarenergie der 1st LevelSolar GmbH (Wien) veranschaulicht. Die Versuchsstation für Spezialkulturen des Landes Steiermark hat neben Sortensichtungen auch die Erprobung neuer Sorten im Freiland als Anpassung an den Klimawandel vorangetrieben und war zuletzt mit Süßkartoffeln und Wassermelonen erfolgreich (www.spezialkulturen.at).

"Mein Hof - mein Weg" vernetzt innovative heimische Betriebe

Über welche Innovationskraft österreichische Landwirte verfügen, zeigt die Plattform https://meinhof-meinweg.at der Landwirtschaftskammern und Ländlichen Fortbildungsinstitute Österreichs auf. "Neben einem breiten Bildungs- und Beratungsangebot sollen die bislang rund 100 erfassten Betriebsporträts andere Landwirte inspirieren und Betriebe vernetzen, damit ein ständiger Wissenstransfer stattfinden kann", betonte Projektleiterin Lisa Viktoria Piller von der LK Österreich. (Schluss) wol