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03.10.2012

Genossenschaften sind moderne Unternehmen, Frauen aber keine Quotenfrage

Reisecker: Zeit für Erweiterung der Geschäftsfelder ist reif

Linz, 3. Oktober 2012 (aiz.info). - Genossenschaften als eine der weltweit verbreitetsten Unternehmensformen werden zwar modern kontrolliert, aber dominant männlich geführt. Jakob Auer, Bauernbundpräsident und Ehren-Genossenschaftsanwalt, kämpft seit Jahren für mehr junge Genossenschaftsfunktionäre und besonders für mehr Frauen in den Führungsgremien. Mehr Funktionäre in den Genossenschaften bejaht auch Theresia Theurl, Professorin an der Universität Münster und Direktorin des größten Instituts für Genossenschaftswesen im deutschsprachigen Raum. Sie sagt jedoch auch: "Nicht um Gender-Quote zum Vorzeigen zu erreichen." Dem stimmte auch Auer beim Genossenschaftsforum des Raiffeisenverbandes OÖ am 02.10.2012 zu. "Wir müssen uns aber - ebenso wie im Jugendbereich generell - nach verantwortungsbereiten Frauen umsehen, denn wir wollen ihre Ideen und ihre Mitbestimmung."

Genossenschaften flüchten nicht

Genossenschaften bezeichnet Theurl als moderne Geschäftsmodelle mit eindeutiger Werteorientierung; als Member-Value stellt sie sie dem verbreiteten Shareholder-Value entgegen: genossenschaftliches Wirken ist auf Langfristigkeit ausgerichtet, Erfolg und Gewinn sind für Investitionen, die den Mitgliedern dienen, notwendig. Mitgliedergebunden können Genossenschaften als "Wertschöpfungsnetzwerke" auch nicht flüchten, wie kapitalorientierte Unternehmen, die kurzfristigen Dividenden nachjagen; mit ein Grund warum es auch kaum Pleiten und damit Verluste für die Mitglieder gibt. Die strenge Revision, nicht nur bilanzmäßig, sondern bei uns auch als Gebarungsprüfung, trägt wesentlich zu dieser Krisensicherheit bei. Management und Funktionäre der Genossenschaften haben den Mitgliedern gegenüber eine Bring-Schuld an Erfolg, die Mitglieder aber die Hol-Schuld der aktiven Mitarbeit und Beteiligung am Geschäftsbetrieb. "Wären Genossenschaften noch nicht erfunden, würden sie heute bestimmt von modernen Unternehmensberatern als Weg aus Krisenereignissen empfohlen werden", wirbt die innovative Professorin für die bewährte Unternehmensform.

Platz für neue Geschäftsfelder

LK-Präsident Franz Reisecker hält, als neuer Genossenschaftsanwalt des Raiffeisenverbandes Oberösterreich (RVOE), die Zeit für die Erweiterung des genossenschaftlichen Rahmens für reif. "Wir sehen neue Geschäftsfelder, insbesondere in dem sich ändernden Energiesektor, die wir effektiv nützen müssen." Genossenschaften müssen auch den Weg über den Agrarsektor hinaus fortsetzen, wie die teilweise Nahversorgerfunktion der Lagerhäuser bereits zeigt. Dass Genossenschaften entgegen der weit verbreiteten Meinung auch schnell entscheiden können und damit flexibel sind, bestätigt Josef Braunshofer, Geschäftsführer der Berglandmilch. Dieses Unternehmen in ausschließlich bäuerlichem Eigentum konnte sich durch ausführliches Verhandeln aber ebenso schnelles Entscheiden eines personell kleinen Vorstandes zur größten genossenschaftlichen Milchvermarktung in Österreich hinaufarbeiten. (Schluss) kor

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