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27.11.2020

Zuckerfabrik in Leopoldsdorf bleibt in Betrieb

38.200 ha Rübenanbaufläche bisher kontingentiert

Wien, 27. November 2020 (aiz.info). - Die Zuckerfabrik in Leopoldsdorf wird nach der Kontrahierung von bereits 38.200 ha Rübenanbaufläche für 2021 und einem einstimmigen Beschluss im Aufsichtsrat der Agrana Beteiligungs-AG fortgeführt. Nach einem deutlichen Rückgang der heimischen Zuckerrübenproduktion in den vergangenen Jahren aufgrund eines zunehmenden Schädlingsdrucks, insbesondere durch den Rübenrüssler, sowie sinkender Preise haben das Aus für die Zuckerfabrik Leopoldsdorf und der Verlust von 150 Arbeitsplätzen gedroht. In einem Schulterschluss von Politik und Wirtschaft ist es nun gelungen, dieses Szenario abzuwenden und die Versorgung mit heimischem Rohstoff zur Auslastung der beiden Zuckerfabrik-Standorte Tulln und Leopoldsdorf zu gewährleisten, wie heute Elisabeth Köstinger, Bundesministerin für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus, Johanna Mikl-Leitner, Landeshauptfrau von Niederösterreich, Erwin Hameseder, Aufsichtsratsvorsitzender der Agrana Beteiligungs-AG, Johann Marihart, Vorstandsvorsitzender der Agrana Beteiligungs-AG, und Ernst Karpfinger, Präsident der Österreichischen Rübenbauern, in einer Pressekonferenz betonten.

"Es ist ein wichtiger Tag für die gesamte Landwirtschaft. Wir fühlen uns der heimischen Lebensmittelproduktion verpflichtet und müssen dafür Sorge tragen, dass die Rahmenbedingungen passen - das schulden wir den Bauern, den Produktionsbetrieben und Konsumenten. Diese waren nicht gegeben als beispielsweise 2018 rund 11.000 ha oder 90% der Bio-Rüben durch Schädlinge vernichtet wurden. In einem Schulterschluss zur "Rettung des Zuckers" mit einer Wiederanbauprämie von 250 Euro pro ha, falls die erste Saat durch Schädlinge vernichtet wird, der Steigerung der Anbauflächen sowie der Bereitstellung des Saatgutes und einer garantierten Abnahme durch die Agrana ist es gelungen, die Zuckerfabrik in Leopoldsdorf abzusichern, stand es doch bis zuletzt Spitz auf Knopf", führte Mikl-Leitner aus.

"Heute ist ein guter Tag für den Zucker in Österreich", sagte Köstinger. "Für mich ist entscheidend, dass wir die heimische Zuckerproduktion und die Eigenversorgung absichern. Dazu braucht es den Standort in Leopoldsdorf und die Bauern, die ihn beliefern. Für viele Landwirte war der Anbau von Rüben in den letzten Jahren nicht mehr attraktiv, die Zuckerproduktion war in akuter Gefahr. Unsere Bäuerinnen und Bauern haben es aber geschafft. In einer gemeinsamen Kraftanstrengung haben wir die Rübenanbaufläche wieder auf über 38.000 ha gesteigert. Damit haben die bäuerlichen Betriebe den Grundstein für den Erhalt des Standortes in Leopoldsdorf gelegt. Gemeinsam stabilisieren wir mit diesem Erfolg nicht nur den Rübenanbau in Österreich, sondern leisten einen wichtigen Beitrag zur Absicherung der Eigenversorgung mit Zucker", unterstrich die Landwirtschaftsministerin.

Wertvolle Arbeitsplätze und heimische Wertschöpfung bleiben erhalten

"Der heutige Beschluss zeigt, was man erreichen kann, wenn Wirtschaft und politische Verantwortungsträger auf Bundes- und Landesebene zusammenarbeiten. Gemeinsam ist es gelungen, wertvolle Arbeitsplätze und heimische Wertschöpfung zu erhalten. Insbesondere aufgrund des erreichten Anstiegs der Zuckerrübenfläche für den Anbau 2021 ist der heutige einstimmige Beschluss des Aufsichtsrates für eine Weiterführung der Zuckerfabrik Leopoldsdorf eine sehr gute Nachricht", so Hameseder.

"Die Verzweiflung ist ausgeräumt, wir freuen uns, dass wir für die wirtschaftliche Auslastung der zwei österreichischen Zuckerfabriken die erforderliche Rübenanbaufläche von mehr als 38.000 ha zu diesem frühen Zeitpunkt mit den Rübenbauern kontrahieren konnten. Wir bieten Rübenpreise an, die den Rübenanbau attraktiv machen. Wir haben stets in die Wettbewerbsfähigkeit der beiden österreichischen Zuckerproduktionsstandorte investiert. In den vergangenen fünf Jahren lagen diese Aufwendungen bei insgesamt 77 Mio. Euro in Leopoldsdorf und Tulln. Dabei wurde in energieeffiziente Technologien ebenso wie in höhere Effizienz investiert. Beide Standorte zählen im europäischen Vergleich zu den Fabriken mit dem niedrigsten CO2-Fußabdruck", betonte Marihart.

"Ich bin über die heutige Entscheidung im Aufsichtsrat erleichtert", erklärte Karpfinger. "Damit können 150 Arbeitsplätze und die Eigenversorgung Österreichs mit heimischem Zucker abgesichert werden. Ein besonderer Dank gilt der Politik, die mit dem vereinbarten Pakt den Landwirten eine Garantie gibt, sie bei einem erforderlichen Wiederanbau nach Schädlingsbefall finanziell zu unterstützen, und sich zum Pflanzenschutz bekennt. Ich bin stolz auf unsere Mitglieder, denn sie haben durch ihre gesteigerte Anbaubereitschaft den genossenschaftlichen Zusammenhalt in schwierigen Zeiten bewiesen. Für eine abwechslungsreiche Fruchtfolge und regionale Produktion ist der Erhalt jedes Verarbeitungsstandortes vor Ort wichtig", hofft Karpfinger, dass der Motivationsschub auch in den nächsten Jahren anhält und das derzeit feuchte Wetter die Larven des Rübenrüsslers dezimiert. (Schluss)