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12.06.2019

Woche des Waldes in Vorarlberg: Stabile Buche für heimische Architektur

Naturnahe Waldbewirtschaftung auf guter wirtschaftlicher Basis dafür benötigt

Bregenz, 12. Juni 2019 (aiz.info). - Mittel- bis langfristig wird eine heute noch nicht fassbare Umweltveränderung aufgrund des Klimawandels prognostiziert. Die Anfänge sind im Wald an den Arealverschiebungen verschiedener Baumarten und ganzer Waldgesellschaften bereits heute spürbar. Dabei ist Vorarlberg fast noch eine Insel der Seligen, weil für das westlichste Bundesland keine großen Niederschlagsabnahmen prognostiziert werden. Das heißt, mit zunehmender Wärme wächst der Wald sogar besser. Allerdings muss er bereits vermehrt mit Witterungsextremen zurechtkommen. Besonders problematisch wirkt sich dabei die befürchtete Destabilisierung der Schutzwaldwirkung aus. Mit der aktuellen Gefahr der Borkenkäfermassenvermehrung gibt es einen Vorgeschmack auf die künftigen Herausforderungen in der Waldwirtschaft.

Welche Rezepte im Wald anwenden?

Für die Natur stellt eine Klimaänderung, auch wenn sie noch so stark ausfällt, kein großes Problem dar. Das hat es in der Erdgeschichte immer wieder gegeben. Anders sieht es für den Menschen und die Kulturlandschaften aus. Überschwemmungen, Murenabgänge, Felsstürze, Trockenperioden mit Trinkwasserknappheit oder ganze Kulturgattungsverschiebungen stellen die Menschen regional und global vor schwer zu bewältigende Herausforderungen.

Mit einer großen Breite an Baumarten und Strukturen wird versucht, Waldbestände, die mit dem klimabedingten Stress möglichst gut fertig werden, zu begründen, zu pflegen und zu bewirtschaften. Mit dem vorhandenen und dem möglichen Baumartenspektrum können die Vorarlberger Waldbesitzer auf Basis der traditionellen naturnahen Waldbewirtschaftung weiterarbeiten. Ergänzt werden die heimischen Baumarten dabei von sogenannten "Gastbaumarten" wie beispielweise der Douglasie. Mit der Nutzung der natürlichen Entwicklungsdynamik kann dabei eine ökologisch und ökonomisch optimierte Bewirtschaftungsweise erzielt werden. Die gesamte "Biodiversität" wird sich klimabedingt verändern. Die heimischen Wälder werden aber auch in Zukunft Lebensräume für viele, teils seltene Tier- und Pflanzenarten sein.

"Die Baumartenzusammensetzung in Österreichs Wäldern ändert sich Richtung Laubholz. Insbesondere die Buche wird weiter zunehmen. Das ist gut so: Wir brauchen stabile Mischbestände, um Herausforderungen wie Extremereignissen oder Borkenkäferkalamitäten zu trotzen", betont Thomas Ölz, Forstexperte der Landwirtschaftskammer (LK) Vorarlberg.

Buchenholzbeispiele mit Potenzial

Buche war über viele Jahre eine beliebte Baumart für die verschiedensten Möbel-, Innenausbau- oder Bodenanwendungen (Parkettboden). Seit einiger Zeit geht der Trend zu anderen Hölzern. Welches Potenzial in der Buche steckt, zeigen neue Anwendungsbeispiele wie das Projekt bei Wagnertec in Nüziders, wo mit einem sägerauen Bandsägeschnitt eine sehr attraktive und moderne Holzatmosphäre an den Bürowänden erzeugt wurde. Innovative Tischler aus Vorarlberg verwenden hier die guten Buchenqualitäten aus regionalen Beständen. Auch in der konstruktiven Anwendung bieten sich durch ausgezeichnete Tragfähigkeit neue Verwendungsmöglichkeiten mit geringeren Querschnitten an.

Eine Belebung des Buchenabsatzmarktes ist für die Vorarlberger Forstwirtschaft schon heute, aber insbesondere für die Zukunft, sehr wichtig. Damit kann eine stabile naturnahe Mischwaldbewirtschaftung mit den notwendigen Einkünften auf einer guten wirtschaftlichen Basis durchgeführt werden.

Buche-Fachexkursion: KLAR!-Region Vorderwald-Egg / would 2050

Die Region Vorderwald-Egg ist eine von bundesweit 20 Modellregionen, die sich intensiv mit dem Thema Klimawandelanpassung befassen. Es ist die einzige in Vorarlberg und darüber hinaus die einzige in ganz Österreich, die sich dem Schwerpunkt "klimafitte Forstwirtschaft" widmet. Der österreichische Klima- und Energiefonds hat - dotiert aus Mitteln des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) - 2016 das Förderprogramm "KLAR! Klimawandel-Anpassungsmodellregionen" aufgelegt. Gemeinden und Regionen werden dabei unterstützt, sich mit den bevorstehenden Folgen des Klimawandels zu befassen, sich für die Risiken zu wappnen, aber auch mögliche Chancen auszuloten, die sich ergeben könnten. (Schluss)

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