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30.07.2021

Weizen und Mais legen auf Wettermärkten kurzfristig den Rallyegang ein

Bessere spätere Ernteergebnisse beruhigen heimischen Markt - Preise deutlich über 2020

Wien, 30. Juli 2021 (aiz.info). - Im Rauf und Runter der Preise mit den Wetterberichten legten die Weizennotierungen und in ihrem Windschatten die von Mais dieser Tage an den internationalen Terminbörsen - zumindest kurzfristig - wieder den Rallyegang auf dem Weg nach oben ein. Bis Freitagmittag gewann der September-Weizenkontrakt an der Pariser Euronext gegenüber dem Schlusskurs vom vorigen Freitag (23. Juli) um 9,25 Euro auf 221,25 Euro/t und Mais alter Ernte zur Lieferung im August um 16 Euro auf 275 Euro/t sowie der aus der Ernte 2021 zur Lieferung im November um 5,50 Euro auf 212 Euro/t. Lediglich der August-Rapsfuture gab über die Woche 4 Euro auf 528 Euro/t ab. In Österreich werden mit zunehmendem Erntefortschritt Erträge und Qualitäten mit guten Hektolitergewichten, hohen Fallzahlen und Anteilen an Premiumweizen besser und die Marktteilnehmer gelassener. Die Preise und Notierungen der Wiener Produktenbörse liegen deutlich über jenen zum Saisonbeginn des Vorjahres.

Ebenso scheint der erste Rohstoffhunger der Mühlen hierzulande nach promptem Weizen ex Ernte gestillt zu sein, und es wird von einem recht ruhigen Geschäftsverlauf gesprochen. Somit verengte sich am Mittwoch dieser Woche an der Wiener Produktenbörse das Preisband für Premiumweizen und gab der Durchschnitt eine Spur auf 228,50 Euro/t nach. In jeweils marktüblichen Abständen folgen nun auch Notierungen von Qualitäts- und Mahlweizen mit 220 Euro/t beziehungsweise 208,50 Euro/t, wobei alle Weizenqualitäten heuer mit deutlich höheren Preisen - 24 Euro/t der Qualitäts- und 38,50 Euro/t der Mahlweizen - in die Vermarktung starten als im Vorjahr.

Goldgräberstimmung und Spekulation charakterisieren den Durum-Markt. Solange international die Sorge um die Versorgung nicht nachlässt, hängt hierzulande, wer auf Durum sitzt, weit über die Geldkurse hinausgehende Briefkurse hinaus, die, so Branchenkenner, in der weiteren Wertschöpfungskette zumindest derzeit noch nicht realisierbar seien. Einfuhren aus dem EU-Ausland DAP Wien (Delievered At Place, Geliefert an benanntem Ort) notierte die Wiener Börse diese Woche mit 310 bis 320 Euro/t.

Während früh eingebrachte Roggenpartien ebenso wie die zeitigen Weizen enttäuschten, zeichne sich bei späteren Sommergersten brauchbare Brauqualität ab. Nachfrage nach Futter- und Industriegetreide sei - auch wegen der Logistikengpässe auf den Wasserwegen - lebhaft. Enttäuschend bleibt Raps, wobei Brancheninsider die aktuelle Prognose des MARS-Bulletins für Österreich von mehr als 3t/ha Naturalertrag als "vom anderen Stern" bezeichnen.

Den Startschuss für die internationale Weizen- und Maisrallye gaben das nach einer Crop-Tour immer deutlicher werdende Desaster der US-Sommerweizenbestände, in den Prognosen gesenkte und hinter dem Vorjahr bleibende Weizenerträge in Russland sowie in Frankreich und Deutschland die Angst, exzessiver Regen schädige die Qualität der Ernte. Brasilien wird zudem von einer Frostwelle heimgesucht und Argentiniens Weizenexport wird von Niederwasser am Paraná behindert. Der Internationale Getreiderat IGC mit Sitz in London senkte am Donnerstag im monatlichen Grain Market Report (GMR) die Prognose für die weltweiten Ernten sowie Endlager von Weizen und Getreide insgesamt und geht von nahezu neutralen Bilanzen aus. Die globalen Weizen- und Maispreise seien seit Juni gestiegen und Getreide, Mais und Sojabohnen seien deutlich teurer als vor einem Jahr, siehe AIZ-Bericht "IGC revidiert Prognose globaler Getreideernte und Endlager 2021/22 nach unten" (siehe Link unten).

Zudem stottere zurzeit Russlands Weizenexportmotor und es käme bei vielen Geschäften der Mitbewerb zum Zug. Bei einem Weizentender der staatlichen ägyptischen Getreideagentur GASC kamen diese Woche die Ukraine mit 120.000 t und Rumänien mit 60.000 t als billigste Anbieter zum Zug. Ägypten, der größte Weizenimporteur der Welt mit gut 10 Mio. t Zuschussbedarf, ist zurzeit recht umtriebig auf Einkaufstour. Die zur Lieferung zwischen 20. und 30. September erfolgten Zuschläge dieser Woche hätten laut Agenturmeldung FOB-Preise (Free on Board) von umgerechnet knapp 208 Euro/t bis fast 210 Euro/t. Diese liegen damit schon spürbar über den knapp 197 Euro/t, die Ägypten zuletzt vor 14 Tagen zu zahlen hatte. Mit 28 bis gut 29 Euro scheinen auch die zu den FOB-Preisen hinzukommenden Kosten für den Schiffstransport vom Schwarzen Meer recht hoch. (Schluss) pos