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23.05.2019

Wälder im Klimastress - Österreichischer Forstverein entwickelt Gegenstrategien

Bundesministerin Köstinger präsentiert Aktionsprogramm Schutzwald

Wien, 23. Mai 2019 (aiz.info). - "Die negativen Folgen des Klimawandels sind längst im Wald angekommen. Großflächige Schäden durch Borkenkäferbefall, zusätzlich einwandernde Forstschädlinge, Windwürfe und Schneebruchschäden treffen nicht nur die Waldbesitzer massiv, sondern auch direkt uns Menschen. Gerade in einem Gebirgsland wie Österreich sind funktionstüchtige Wälder, die Siedlungen und Verkehrswege schützen, aber auch über die aktive Bewirtschaftung Einkommen in die ländlichen Regionen bringen, von besonderer Bedeutung. Ohne die Leistungen der Schutzwälder könnte Österreich nur rund zur Hälfte besiedelt werden", stellten heute Bundesministerin Elisabeth Köstinger und Forstvereins-Präsident Johannes Wohlmacher unisono klar. Sowohl die Österreichische Forsttagung, die vom 23. bis 24. Mai in Seckau bei Knittelfeld stattfindet, als auch das Aktionsprogramm Schutzwald der österreichischen Bundesregierung greifen das Thema auf und geben Antworten auf die gesellschaftliche Herausforderung des sich schnell verändernden Klimas. Die Schutzwaldstrategie wurde von zahlreichen Experten interdisziplinär ausgearbeitet und den über 400 Besuchern der Forsttagung präsentiert.

Ein Wald, der schützt

"Das vorliegende Aktionsprogramm Schutzwald zeigt, wie wichtig das politische Miteinander aller Stakeholder ist. Gemeinsam arbeiten wir in den nächsten Jahren daran, den Schutzwald durch Forschung und Entwicklung zukunftsfit zu machen, das Bewusstsein für die ökologischen Leistungen zu stärken und die Pflege wirtschaftlich attraktiv zu machen", betonte Köstinger bei der Forsttagung.

In Österreich erfüllen rund 1,2 Mio. ha Wald eine primäre Schutzfunktion, und jeder vierte Einwohner profitiert von dieser nachhaltig wirkenden Infrastruktur. "Der Schutzwald ist ein wahres Multitalent. Er ermöglicht vielerorts die dauerhafte Besiedlung, indem er vor Lawinen, Steinschlag und Muren schützt. Außerdem sichert er die Wasserqualität und bindet CO2. Die Auswirkungen des Klimawandels, neue Freizeitnutzungen und fehlende Attraktivität der Waldbewirtschaftung stellen den Schutzwald allerdings vor neue Herausforderungen. Das Aktionsprogramm liefert darauf starke Antworten", unterstrich die Bundesministerin. Das vorliegende Aktionsprogramm zielt darauf ab, durch Investitionen von 29 Mio. Euro pro Jahr die Schutzfunktionalität der Wälder wiederherzustellen beziehungsweise auszubauen. Durch gezielte Forschung und Ausbildung soll außerdem die Wissensbasis für notwendige Anpassungen im Schutzwald erweitert werden und somit zukünftig ein resilienter und klimafitter Schutzwald vorhanden sein.

Klimawandel ist große Herausforderung für Wälder

Der Wald steht seit mehreren Jahrzehnten vor Veränderungen, und die Forstbewirtschaftung wird immer wieder danach ausgerichtet. Der steigende Anteil an Laubholz, mehr natürliche Verjüngung und das Auspflanzen klimaresistenterer Baumarten sind deutliche Signale. "Wenn wir gemeinsam den Wald retten wollen, dann müssen wir auf nachwachsende Rohstoffe und Energieträger umstellen sowie den hemmungslosen Verbrauch von fossilen Energieträgern wie Erdöl, Kohle und Erdgas stoppen. Das ist nämlich die Ursache des Klimawandels. Sollte uns das nicht gelingen, wird bei anhaltend schlechter werdenden Klimabedingungen gar kein Baum mehr wachsen", mahnte Wohlmacher und ergänzte: "Die wichtigste Antwort von Politik und Gesellschaft auf den Klimawandel wäre, mehr Holz zu verwenden und erdölbasierte Produkte zu ersetzen. Nur so können wir alle einen positiven Beitrag leisten und den Klimawandel abschwächen. Daher unterstützen wir auch die Erarbeitung eines starken Aktionsplans zur Bioökonomie durch das Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus, weil er konkrete Maßnahmen setzt", zeigte sich der Forstvereins-Präsident dankbar für diese politische Initiative.

Vielfältige Funktionen des Waldes sichern

"Sowohl die heimischen Bürgerinnen und Bürger als auch unsere Gäste erholen sich gerne im Wald. Die Freizeitaktivitäten haben sich aber in den vergangenen Jahren dramatisch verändert. Heute düsen Mountainbiker auf die Berge, fliegen Paragleiter über die Gipfel und ziehen Variantenschifahrer ihre Spur durch verschneite Wälder. Das erzeugt Stress bei Tier und Mensch. Hirsche, Rehe, Auerhahn und Co. finden kaum noch Rückzugsgebiete und brauchen zum Flüchten viel Energie. Sie fressen daher vermehrt junge Bäume und nagen die Rinde von den Bäumen ab", gab Wohlmacher zu bedenken.

"Die natürliche Regenerationskraft des Waldes muss voll genutzt werden. Dazu braucht es aber die aktive Unterstützung der Jäger, die vielerorts überhegte Wildbestände so anpassen müssen, dass die Naturverjüngung auch wachsen und gedeihen kann. Gerade im Schutzwald ist dies von größter Bedeutung. Müsste man den Wald durch technische Verbauungen ersetzen, würde das mehr als das Hundertfache an Kosten für die Gesellschaft verursachen", so Wohlmacher. Der Klimawandel gefährde auch die vielen Zusatzleistungen des Waldes, wie reines Wasser, Staubfilterung, Erholung oder eben den Schutz vor Lawinen. Diese könnten bei den sehr niedrigen Holzpreisen nicht mehr aus den Holzerlösen durch die Waldbesitzer finanziert werden. "Es werden daher andere Finanzierungsquellen notwendig sein, wenn die vielfältigen Waldwirkungen erhalten beziehungsweise wiederhergestellt werden sollen", unterstrich der Präsident. Vorträge zur Österreichischen Forsttagung 2019 können auf www.forstverein.at nachgelesen werden. (Schluss)

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