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14.10.2021

USDA schätzt globale Weizenreserven 2021/22 überraschend klein ein

Optimistische Prognose der US-Maisernte und Lageraufbau - Auch Sojabestände erhöht

Washington/Wien, 14. Oktober 2021 (aiz.info). - Die am Dienstag veröffentlichte und von den internationalen Märkten als Stimmungsbarometer angenommene monatliche Prognose des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) zu den weltweiten Versorgungsbilanzen (WASDE) schätzt die globalen Weizenreserven 2021/22 über Erwartung klein auf ein Fünfjahres-Tief ein. Dies stützt die bullishe Stimmung der jüngsten Vergangenheit. Eine über den Erwartungen des Marktes liegende Prognose für die US-Maisernte und ein nach oben revidierter Lageraufbau sowie ebenfalls hinaufgesetzte Sojabestände strahlen auf diese Märkte eine eher bearishe Stimmung aus. Die erste Reaktion an den internationalen Terminbörsen befeuerte die Rallye der Weizenkurse neuerlich, der Euronext-Weizen in Paris erreichte neue Kontrakt-Hochs. Am Mittwoch setzten allerdings ungewöhnlich starke Gewinnmitnahmen ein. Auch Mais korrigierte nach unten, wie auch insbesondere die Rapskurse an der Euronext in Paris nach ihren zuvor erreichten Höchstständen ordentlich Federn lassen mussten. Am Donnerstag starteten alle drei Pariser Agrarfutures - Weizen, Mais und Raps - wieder mit Kursgewinnen in den Handel.

Das US-Landwirtschaftsministerium USDA schätzt in seinem WASDE-Bericht vom 12. Oktober den weltweit erwarteten Abbau der Weizenbestände im Wirtschaftsjahr 2021/22 sowie den Lageraufbau bei Mais und Sojabohnen größer ein als im Vormonatsbericht. Demnach soll die weltweite Weizenernte um 4,41 Mio. t kleiner ausfallen als in der September-Schätzung und die des Vorjahres nur mehr um 1,13 Mio. t übertreffen. Demgegenüber steigt der Verbrauch im Jahresabstand um 5,88 Mio. t und steht auch um 4,2 Mio. t weniger Anfangsbestand aus der Saison 2020/21 zu Buche, sodass das weltweite Weizenangebot gegenüber dem Vorjahr um 5,29 Mio. t schrumpft. Damit fehlen in der Bilanz 11,8 Mio. t Weizen zur Deckung des aktuellen Bedarfs und die Endbestände schrumpfen um diese Menge.

Weizenreserven bei wichtigen Exporteuren und EU besonders knapp

Zwar liegen dann am Ende von 2021/22 noch immer 35,22% des globalen Jahresverbrauchs an Weizen auf Lager, aber mehr als die Hälfte davon - 50,87% - in China, während die Reserven bei den für die Weltversorgung wichtigen Exporteuren (Argentinien, Australien, EU, Kanada, Russland, Ukraine und USA) nur 17,68% ausmachen und nur 6,21% des weltweiten Verbrauchs decken können. Der EU werden am Ende des Wirtschaftsjahres auch nur 9,88% ihres Weizenbedarfs als Reserve überbleiben, während die Importeure auf der Welt 54,47% ihres Jahresbedarfs horten.

Weizenernten Kanadas, der USA und des Irans nach unten revidiert - Mehr EU-Export

Die Erntezahlen revidiert das USDA zum Vormonat vor allem für das von Dürre heimgesuchte Kanada um 2 Mio. t (21 Mio. t nach 35,18 Mio. t im Vorjahr) sowie für die USA um 1,39 Mio. t (44,79 Mio. t nach 49,75 Mio. t im Vorjahr) und den ebenfalls dürregeplagten Iran um 1,5 Mio. t nach unten.

Damit sollen sich Kanadas Weizenausfuhren gegenüber dem September-Bericht um 2 Mio. t auf 15 Mio. t verringern, die Australiens sollen demgegenüber um 0,50 Mio. t auf 23,50 Mio. t und die der EU ebenfalls um 0,50 Mio. t auf 35,50 Mio. t zulegen. Die Union löst damit Russland als Weizenexporteur Nummer eins auf der Welt ab, nachdem das USDA die Exportprognose des Schwarzmeerlandes bei 35,00 Mio. t belässt.

Mais- und Sojabohnenendlager nehmen stärker zu als bisher erwartet

Im Gegensatz zum Weizen sagt das USDA für 2021/22 nunmehr einen stärkeren globalen Lageraufbau bei Mais und Sojabohnen voraus als bisher. Bei beiden sehen die Washingtoner Experten etwas größere Ernten und einen kleineren Verbrauch als vor einem Monat. Die Ernten der EU (vor allem Polens), Serbiens und der USA werden angehoben, die der Ukraine etwas gesenkt, womit dieser Lieferant der EU auch weniger exportieren kann. Vor allem China soll seinen Anteil an den weltweiten Maisreserven noch weiter - auf 69,32% - aufstocken, obwohl es um 2 Mio. t weniger importieren dürfte als in der Vorsaison. Am Sojabohnenmarkt wird der weltgrößte Importeur, das Reich der Mitte, dementgegen noch aktiver und dürfte 2021/22 mit 101 Mio. t um 2 Mio. t mehr am Weltmarkt einkaufen als vor Jahresfrist. (Schluss) pos