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10.06.2021

Strasser zu Tierschutz: Perspektiven für Jungübernehmer statt Schuldzuweisungen

Griff ins Regal ist tägliche Volksabstimmung der Konsumenten

Wien, 10. Juni 2021 (aiz.info). - "Wem Tierwohl ein Anliegen ist, der muss sich mit Perspektiven für Jungübernehmer auseinandersetzen, nicht mit Schuldzuweisungen", unterstreicht ÖVP-Landwirtschaftssprecher und Bauernbund-Präsident Georg Strasser anlässlich des heute am Nachmittag stattfindenden Hearings zum Tierschutzvolksbegehren im Gesundheitsausschuss des Nationalrats. Strasser appelliert an die Verantwortung aller Parlamentsparteien und mahnt einen faktenbasierten Diskurs ein.

Konsumenten tragen Verantwortung beim Einkauf

"Jeden Tag findet eine Volksabstimmung über die Tierhaltung in Österreich statt. Beim Blick in die Speisekarte und beim Griff ins Regal entscheiden die Konsumenten, unter welchen Bedingungen Tiere gehalten und Produkte daraus erzeugt werden", sagt Strasser. "Laut dem Index der Organisation World Animal Protection ist die heimische Landwirtschaft beim Tierwohl weltweit Spitzenreiter. Das soll aber nicht zum Ausruhen veranlassen, sondern zur Weiterentwicklung motivieren. Mit dem Tierwohl-Pakt investiert die Bundesregierung 120 Mio. Euro in entsprechende Initiativen. Das ist ein wichtiger Schritt, dem weitere folgen werden", so Strasser.

"Die Wünsche des Volksbegehrens, sofern sie die Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere betreffen und berechtigt sowie umsetzbar sind, sind im türkis-grünen Regierungsprogramm schon bestmöglich abgedeckt. Jetzt arbeiten wir diese Punkte Schritt für Schritt ab. Ersichtlich wird das im Bereich der Schweinehaltung und -fütterung. Das etablierte und bewährte Qualitäts- und Herkunftssiegel, das AMA-Gütesiegel, soll weiterentwickelt werden. Der Ausstieg aus GVO-Futtermitteln und eine Verbesserung der Haltungsbedingungen werden mit allen Beteiligten seit Monaten intensiv diskutiert", so Strasser.

Er kündigt für Herbst konkrete Weiterentwicklungsschritte an und will dabei klar auf Information, Motivation und Anreize setzen, anstatt die Gesetzeskeule auszupacken. "Anreize auf den Märkten schaffen langfristig mehr Tierwohl als starre gesetzliche Initiativen, wo viele Bäuerinnen und Bauern nicht mehr mitkommen und letztendlich ihren Job an den Nagel hängen müssen", argumentiert der Bauernbund-Präsident. Er verweist dabei auch auf die Verantwortung der Einkäufer großer Handelsketten, der öffentlichen Beschaffung sowie der Gastronomie und Hotellerie.

Gut gemeint ist zu wenig

"Wer beim Tierschutz nationales 'Gold Plating' betreibt und dabei die internationalen Märkte außer Acht lässt, wird schnell mit minderen Tierschutzstandards, die wir folglich aus anderen Ländern importieren, konfrontiert sein. Und genau das wollen wir verhindern", vergleicht Strasser die Standards in Österreich mit jenen in anderen EU-Ländern und Drittstaaten. Innerhalb der EU-Mitgliedstaaten ist Österreich beim Tierschutz Vorreiter, was vielen nicht bewusst ist. "Bedauerlicherweise ist die öffentliche Wahrnehmung so, dass in Österreich Nutztiere nicht besser als anderswo in der EU gehalten werden. Es ist daher unsere Aufgabe, das tatsächliche Bild der österreichischen Landwirtschaft zu vermitteln und so Problembewusstsein und Akzeptanz in der Gesellschaft zu schaffen." (Schluss)