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13.02.2020

Strasser an Handel: Schluss mit klimaschädlichen Preisschlachten

Bauernbund fordert Green Deal mit Lebensmittelhandel

Wien, 13. Februar 2020 (aiz.info). - "Nimmt der Handel den Klimaschutz ernst, so muss er österreichischen Lebensmitteln mehr Wertschätzung beimessen. Es ist nicht zu erklären, dass Handelsketten Erdäpfel aus Ägypten, Fleisch aus Südamerika oder Gemüse aus Fernost Vorrang geben und mit unfairen sowie unmoralischen Preisschlachten dann noch den Strukturwandel in der heimischen Landwirtschaft befeuern. Diese 'Geiz ist geil'-Mentalität in der Preisgestaltung muss endlich durch den neuen ökosozialen Grundkonsens des 21. Jahrhunderts ersetzt werden. Alles andere entspricht nicht mehr den Wünschen der Gesellschaft. Einzelne Handelsketten haben den Ernst der Lage bereits erkannt und eingelenkt, andere bleiben bei ihrer Strategie: Egal woher, Hauptsache billig", fordert der Österreichische Bauernbund unisono mit den neun Länderorganisationen.

Preisschlachten schädigen Klima, Bauern und Verarbeiter

Der Internationale Lebensmittel-Nachhaltigkeits-Index reiht insgesamt 67 Länder aus der ganzen Welt gemäß ihrer Nachhaltigkeit des Lebensmittelsystems. Österreichs Landwirtschaft belegt hier den sensationellen ersten Platz. "Doch wie lange bleibt das noch so? Wir produzieren die hochwertigsten, sichersten und nachhaltigsten Lebensmittel der Welt und trotzdem wird unser Essen verramscht. Das passt nicht zusammen. Das entspricht weder unserer Zeit noch den aktuellen politischen Zielen. Diese Preisschlachten schädigen Klima, Bauern und Verarbeiter", kritisiert Bauernbund-Präsident Georg Strasser.

"In kaum einem anderen Land gibt es so viele Rabattaktionen bei Lebensmitteln wie in Österreich. Die Folge dieser unfairen und unmoralischen Angebote sind unterdurchschnittlich niedrige Haushaltsausgaben für Lebensmittel pro Kopf. Laut Eurostat weist Österreich mit nur 9,7% EU-weit die viertniedrigsten Ausgaben für Lebensmittel auf. Sicherheit und Qualität sind selbstverständlich geworden. Das ist ein beschämender vierter Platz für ein so wohlhabendes Land wie Österreich. Diese Geringschätzung ist vom Lebensmitteleinzelhandel hausgemacht. Es ist unfair und unmoralisch, wenn Wasser teurer als Milch ist, das Kilo Hühnerbrust um drei Euro verkauft und Brot um wenige Cent verramscht wird", so der Bauernbund-Präsident.

Nachhaltigkeitskampagnen müssen jetzt Taten folgen

Nach zwei Dürrejahren sind viele landwirtschaftliche Betriebe auf eine rasche Verbesserung ihrer Einkommenssituation angewiesen. Auch Produktions- und Verarbeitungskosten steigen ständig. Das alles befeuert den Strukturwandel in der Landwirtschaft massiv. "Viele Bauern müssen ihre Höfe für immer zusperren. Nur wenn Bauern, Verarbeiter und Handel gemeinsam dem Struktur- und Klimawandel entgegentreten, kann sich etwas ändern. Allein werden österreichische Bauernfamilien diese Mammutaufgaben nicht stemmen können. Wir lassen die Bäuerinnen und Bauern mit den Herausforderungen sicher nicht allein. Ich verlasse mich hier auch auf unsere Handelspartner und fordere ein Entgegenkommen. Eine angemessene monetäre Abgeltung für österreichische Qualitätsprodukte ist höchst an der Zeit", fordert Strasser die Lebensmitteleinzelhändler auf, bei der Preisgestaltung rasch umzudenken.

Bauernbund fordert Green Deal mit Handel

Die EU-Kommission will mit dem Green Deal Europa in den kommenden Jahren sauberer, nachhaltiger und grüner machen. Das bedeutet auch für die Landwirtschaft, dass neue Maßnahmen zum Schutz des Klimas eingeführt werden, wie etwa die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln und insgesamt weniger CO2-Ausstoß. Investitionen und höhere Auflagen sind die Konsequenz. "Diese Politik muss auch der Handel mittragen, denn diese Zielsetzungen kosten die Bauern viel Geld. Wir werden sicher nicht zuschauen, wenn der Handel sich weiterhin ein Nachhaltigkeits-Mascherl umhängt und gleichzeitig in seiner Preispolitik die knallharte Strategie der billigsten Lebensmittel, Marke 'Egal woher, Hauptsache billig', fortsetzt. Green Deal heißt für uns, dass in Österreich auch gekauft wird, was man verordnet. Wenn das für die Bauern gilt, so hat das auch für den Handel zu gelten. Nachhaltigkeitskampagnen müssen jetzt Taten folgen", erkennt Strasser vereinzelt schon positive Signale von Handelsketten. "Es kristallisieren sich aber auch schwarze Schafe heraus", merkt der Bauernbund-Präsident an.

NÖ Bauernbund stellt klar: Unser Fleiß hat seinen Preis

Die Länderorganisationen des Bauernbundes unterstützen gemeinsam die Forderungen von Strasser. "Unsere heimischen Landwirte produzieren hochwertige, sichere und nachhaltige Lebensmittel. Für diesen Fleiß wollen wir einen fairen Preis. Wir werden die Existenz unserer Betriebe nicht in der Preisschlacht der Handelsgiganten opfern", stellt etwa NÖ Bauernbund-Direktor Paul Nemecek klar und nimmt Bezug auf den Slogan der aktuell laufenden Kampagne "Unser Fleiß hat seinen Preis!".

"Jeder Griff ins Regal ist ein Produktionsauftrag. Nur durch den Kauf lokaler und regionaler Produkte kann die Wertschöpfung in Niederösterreich wie auch bei unseren Bäuerinnen und Bauern gehalten werden. Unsere Kunden wollen hochwertige Lebensmittel, die Herkunftskennzeichnung spielt hier eine wichtige Rolle. Deshalb sehen wir die Ausweitung auf die Gemeinschaftsverpflegung als ersten richtigen Schritt", betont NÖ Landwirtschaftskammer-Präsident Johannes Schmuckenschlager. Gemeinsam mit Nemecek fordert er die Lebensmitteleinzelhändler auf, bei der Preisgestaltung rasch umzudenken.

"Fair Trade" muss auch für Bauern gelten

"Die Preisschlachten der Handelsketten richten sich gegen das Klima, die Umwelt und letztendlich gegen die Bäuerinnen und Bauern", kritisiert der Landesobmann des OÖ Bauernbundes, Max Hiegelsberger. Er fordert die Lebensmitteleinzelhändler auf, auch den heimischen Bauernfamilien gegenüber "Fair Trade" zu praktizieren.

"Die steirische Land- und Forstwirtschaft ist ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor im ländlichen Raum und garantiert die Versorgungssicherheit auf höchstem Niveau. Daher verdient sie Wertschätzung und einen vernünftigen Anteil an der Wertschöpfung", ergänzt Agrarlandesrat Hans Seitinger. "Regionalität ist einer der wichtigsten Trendfaktoren unserer Zeit. Es geht aber nicht an, dass der Handel mit Nachhaltigkeit und Regionalität wirbt, aber durch einen unerbittlichen Preisdruck den heimischen Bauern den Hahn zudreht", so Seitinger.

Auch Konsumenten müssen umdenken

"Eines unserer Grundprobleme ist, dass wir Bäuerinnen und Bauern tagtäglich Lebensmittel in höchster Qualität produzieren, dafür aber kaum Wertschätzung erhalten. Auf unseren Höfen wird so viel gearbeitet wie noch nie, die Landwirte können mit dem erwirtschafteten Einkommen aber kaum mehr überleben", gibt der Obmann des Salzburger Bauernbundes, Rupert Quehenberger, zu bedenken. Auch die Konsumenten müssten umdenken, denn "es kann nicht sein, dass man bereit ist, für ein neues Handy 1.000 Euro und mehr auszugeben, aber 10 Cent Preiserhöhung bei einem Liter Milch ein großes Problem sind".

"Den bäuerlichen Betrieben geht bald die Luft aus", so der Kärntner Bauernbund-Landesobmann Johann Mößler. Höchste Lebensmittelqualität müsse auch durch entsprechende Preise abgegolten werden. "Wenn Tierfutter mehr kostet als Schnitzelfleisch in der Fleischtheke, dann ist das ein Zeichen, dass im Handel der Wurm drinnen ist. Das ist unmoralisch und beschämend", erklärt Mößler.

"Wir produzieren hier in Tirol die hochwertigsten, sichersten und nachhaltigsten Lebensmittel, die bei Einheimischen und Gästen gleichermaßen beliebt sind, trotzdem wird unser Essen immer wieder von Handelsketten zu Dumpingpreisen verschleudert. Das passt nicht zusammen. Das entspricht weder unserer Zeit noch den aktuellen politischen Zielen", bringen Bauernbund-Obmann Josef Geisler und Direktor Peter Raggl den Sachverhalt auf den Punkt.

"Sicherheit und Qualität unserer Lebensmittel sind ein hohes Gut. Das ist aber nur gewährleistet, wenn es faire Bauernpreise gibt. Es ist unmoralisch, wenn hochwertige Produkte wie Fleisch und Brot verschleudert werden. Diese Geringschätzung von Lebensmitteln muss aufhören", fordert der burgenländische Bauernbund-Obmann Nikolaus Berlakovich. (Schluss) - APA OTS 2020-02-13/09:50

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