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15.09.2021

Schweiz: Gentechnik-Akzeptanz in der Landwirtschaft eventuell höher als erwartet

Neue Züchtungsmethoden sollten im aktuellen Kontext diskutiert werden

Bern, 15. September 2021 (aiz.info). - Seit der Annahme einer entsprechenden Volksinitiative im Jahr 2005 gilt in der Schweiz ein Moratorium für die Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) in der Landwirtschaft. Diese dürfen folglich nur zu Forschungszwecken angebaut werden. Seither wurde das Gentech-Moratorium durch das eidgenössische Parlament dreimal verlängert und gilt nun noch bis Dezember 2021. Die Bundesregierung strebt nun eine weitere Verlängerung bis Ende 2025 an, und diesmal soll die Verlängerung des Moratoriums auch die moderne Genom-Editierung umfassen, berichtet der LID-Mediendienst in Bern. Damit würde dieses für die Pflanzenzüchtung vielversprechende Werkzeug gleich streng reguliert bleiben wie die klassische Gentechnologie. Das häufige Argument, dass die Schweizer Konsumenten gentechnisch veränderte Produkte ohnehin ablehnen würden, stehe aber auf wackeligen Beinen, heißt es in einem Bericht von Angela Bearth. Sie arbeitet als Wissenschafterin an der Professur für Konsumverhalten der ETH Zürich.

"Befürworter des Moratoriums verweisen oft auf ältere Studien, die sich auf die frühen Gentechnik-Methoden beziehen, oder sie stützen sich auf ungeeignete Daten. Beispielsweise wird häufig eine Befragung des Bundesamts für Statistik als Beleg für die mangelnde Konsumentenakzeptanz zitiert. Darin geben Verbraucher jährlich an, wie gefährlich sie Gentechnologie bei der Produktion von Lebensmitteln finden. Diese wird demnach als vergleichbar gefährlich eingeschätzt wie die sinkende Biodiversität, synthetische Pflanzenschutzmittel oder der Klimawandel", erläutert die Forscherin.

Um zu beurteilen, wie Schweizer Konsumenten zur Gentechnologie stehen, bräuchte es neue sozialwissenschaftliche Daten, die der Komplexität des Sachverhalts gerecht würden, meint Bearth. Seitdem die Wählerinnen und Wähler die "Gentechfrei-Initiative" im Jahr 2005 angenommen haben, hätten sich Wissenschaft und Gesellschaft enorm weiterentwickelt. So seien die neuen Verfahren der Genom-Editierung viel präziser als die frühere Gentechnik, und sie "bergen das Potenzial, krankheitsresistente und klimatolerante Kulturpflanzensorten effizient zu züchten, ohne artfremde DNA ins Erbgut einbauen zu müssen", so die Wissenschafterin.

Außerdem hänge die Wahrnehmung auch vom Kontext ab: Aus der Risikoforschung wisse man, dass Menschen ein kleines Maß an Unsicherheit akzeptierten, wenn sie einen persönlichen oder gesellschaftlichen Nutzen erkennen würden. Sie halte es deshalb für denkbar, dass die Gesellschaft angesichts der drängenden Probleme wie Pestizideinsatz, Klimawandel und Artensterben neue Technologien eher annehmen werde, so Bearth. (Schluss)