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27.06.2022

Runder Tisch in OÖ hat über Versorgungsicherheit beraten

Heimische Lebensmittel und Lieferketten sind krisenfest - Preisspekulationen beenden

Linz, 27. Juni 2022 (aiz.info). - In Oberösterreich hat ein Runder Tisch, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der Landwirtschaft, des Landes OÖ und des Lebensmittelgroßhandels, über die Preisentwicklung und Warenverfügbarkeit bei Lebensmitteln beraten. "Heimische Lebensmittel wie auch die Lieferketten haben sich als krisenfest bewährt. Unsere Bäuerinnen und Bauern stellen in den meisten Warengruppen die Selbstversorgung sicher. Mit dem Griff ins Regal haben wir alle die Möglichkeit, die Lebensmittelproduktion nach unseren Vorstellungen zu gestalten. Bewusst statt billig einkaufen sollte nun die Devise sein", stellte OÖ Agrar-Landesrätin Michaela Langer-Weninger klar.

Infolge des Ukraine-Krieges hat sich insbesondere auch im Lebensmittelsektor eine Unsicherheit breitgemacht. Nachdem in der "Kornkammer Europas" viele Flächen nicht bestellt werden konnten, wird mit massiven Ausfällen bei Getreide und Ölsaaten gerechnet. An den Börsen hat das zu wilden Spekulationen geführt, sodass die Preise für Mehl oder auch Speiseöl geradezu explodiert sind, obwohl die Lager aktuell voll sind. "Wir in Oberösterreich sprechen uns ganz klar gegen diese Spekulation mit Nahrungsgütern aus. Es geht hier um existenzielle Güter, es geht hier um das Leben von Menschen. Wetten auf Lebensmittel sollten nicht so ohne Weiteres möglich sein", gibt Langer-Weninger den einhelligen Tenor des Runden Tisches wieder.

Teuerung: Ruhe vor dem Sturm

Die Teuerung ist für viele gerade beim täglichen Einkauf oder beim Essen außer Haus bereits deutlich erkennbar. Jürgen Pichlbauer vom Lebensmittel-Großhändler Kröswang weiß aber: "Derzeit herrscht die Ruhe vor dem Sturm. Erst im Herbst werden die Konsumenten die Teuerung richtig zu spüren bekommen." Die Systemlieferanten selbst spüren die Preissteigerungen schon stärker: "Wir geben diese aber noch nicht oder nicht vollständig an unsere Kundinnen und Kunden weiter." Als Preistreiber entpuppen sich aktuell Energie, Verpackung und Logistik, teilweise auch die täglichen Preissteigerungen bei den Lebensmittelrohstoffen.

Auch in der Landwirtschaft sind die massiv gestiegenen Kosten für Energie, Futtermittel, Dünger usw. deutlich spürbar. Sie machen über kurz oder lang Preisanpassungen notwendig. "Dabei müssen sich die Bäuerinnen und Bauern stets die Gretchenfrage stellen: Inwieweit muss ich den Produktpreis erhöhen, um kein Minus zu machen, und wie viel mehr ist der Konsument bereit, für das heimische Lebensmittel zu bezahlen?", schildert Langer-Weninger, die herausfordernde Situation.

Änderung im Konsumverhalten erkennbar

Im Konsumverhalten der Endverbraucher ist bereits eine Veränderung wahrzunehmen. "Regionalität ist zwar noch immer Trend. Die Tendenz verschiebt sich aber bereits in Richtung Billigsegment", so die einhellige Stellungnahme der Handelsvertreter. Einigkeit herrschte bei allen Beteiligten auch darüber, dass nun eine Zeit des Umbruchs herrsche, in der es allen Bürgern möglich sei, die weitere Entwicklung des Lebensmittelsektors mitzugestalten.

"Vom Großhändler bis zum Konsumenten - die Wertschätzung für die heimische Landwirtschaft und die Versorgungssicherheit war in den vergangenen zwei Jahren groß. Nun stehen wir an einem Scheidepunkt, denn infolge der Teuerung dreht sich das Konsumverhalten wieder vermehrt in Richtung preiswertes (Import-)Produkt. Wer die Versorgungssicherheit in Österreich schätzt und aufrechterhalten möchte, der muss nun aber bewusst statt billig einkaufen", so der abschließende Appell von Langer-Weninger. (Schluss)

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