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20.05.2022

Pariser Weizennotierung erreichte aus Angst um Versorgung kurzfristig Rekordhöhe

Preishausse verunsicherte und bremste weiterhin heimischen Kassamarkt

Wien, 20. Mai 2022 (aiz.info). - Ein von Indien verkündeter Exportstopp von Weizen, der dann doch nicht so heiß gegessen wie gekocht wurde, sowie sich in den USA und in der EU - Frankreich, Deutschland und Italien - verschlechternde Ernteprognosen trieben die Weizennotierungen in der ersten Wochenhälfte auf neue Höchststände - die CBoT in Chicago meldete Limit-up und der Mahlweizen an der Pariser Euronext zur September-Lieferung erreichte einen Rekord-Schlusskurs von 438,25 Euro/t. Im weiteren Wochenverlauf ging es dann mit Meldungen, Indien lasse schon kontrahierte Ausfuhren etwa nach Ägypten doch zu, Russland erwarte eine Rekordweizenernte und Indonesien hebe seinen Bann von Palmölausfuhren wieder auf, wieder nach unten. Zudem kühlten internationale Bemühungen, der Ukraine von Russland blockierte Exportwege wieder beziehungsweise neue alternativ zu eröffnen, die Märkte wieder ab. Der September-Weizen an der Euronext hielt damit am frühen Freitagmittag bei gut 420 Euro/t. Auch Mais und Raps verzeichneten über die Woche ein ähnliches Auf und dann wieder Ab. Die Aufwärtsbewegungen der internationalen Preise verunsicherten und bremsten indes hierzulande weiterhin den Kassamarkt.

Die AMA schätzt aufgrund der Auswertung der Mehrfachanträge, dass die Landwirte in Österreich zur Ernte 2022 gegenüber dem Vorjahr eine 22% größere, auf Rekordhöhe gestiegene Fläche mit Sojabohnen bestellen. Ebenso soll der Weichweizenanbau um 3%, der von Durum um 19% und jener von Dinkel um 24% zunehmen. Die Rapsfläche stagniert trotz hoher Preise. Neuerlich starke Verluste von 20% erleidet die Sommergerstenfläche. Ebenso geht der Anbau von Hafer um 17% sowie von Hirse um 22% zurück, und auch die Maisfläche schrumpft etwas. Die Flächenauswertung der AMA steht unten zum Download bereit.

IGC: 2022/23 sinken weltweit Produktion und Verbrauch von Getreide

In der zweiten Vorschau auf 2022/23 senkt der Internationale Getreiderat IGC vor allem wegen der Ausfälle in der Ukraine die Prognosen für die kommenden gesamten Getreideernten der Welt 2022/23 drastisch um 24 Mio. t auf 2.251 Mio. t. Damit fällt die globale Getreideerzeugung in der neuen Saison um 40 Mio. t hinter den Rekord von 2021/22 zurück. Trifft die Ernteschätzung des Rates für 2022/23 so ein, wäre dies das zweitbeste Ergebnis der Geschichte. Dabei nimmt der IGC im Monatsabstand die Weizenernte um 11 Mio. t (-12 Mio. t zu 2021/22) und die von Mais um 13 Mio. t (-30 Mio. t zu 2021/22) zurück. Kommt es 2021/22 noch zu einem moderaten Aufbau der gesamten weltweiten Getreideendlager um 4 Mio. t oder 1% bei einem leicht unter der Angebotssteigerung liegenden Verbrauchszuwachs von 2%, soll 2022/23 nicht nur die Ernte (-1,7%), sondern erstmalig seit 2015/16 auch der Getreideverbrauch um 0,3% zurückgehen. Letztlich fallen aber die Getreidereserven der Welt damit im kommenden Wirtschaftsjahr um 4,6%, bei den wichtigen Exporteuren sogar um 7,2%

Der IGC sagt der Ukraine einen Einbruch ihrer Weizenernte 2022 im Jahresabstand von 33,0 auf 19,4 Mio. t und jener von Mais sogar von 42,1 auf 18,6 Mio. t voraus. Damit sinken die Ausfuhren des Weizens von 18,8 auf 10,0 Mio. t und die des Mais von 21,0 auf 10,0 Mio. t. Auch die Maiserzeugung des USA soll 2022/23 signifikant von 283,9 auf 367,3 Mio. t abnehmen, weil die Farmer über Erwarten stark auf den Anbau von Sojabohnen umsatteln. Im Sinken sei auch die Weizenproduktion der EU gegenüber 2021 von 138,1 Mio. t auf 134,9 Mio. t. Dennoch soll aber der Weizenexport der Union gegenüber dem Vorjahr um 6,2 Mio. t auf 40,0 Mio. t in die Höhe schnellen und somit der Endlagerstand heftig von 15,1 auf 11,3 Mio. t abfallen. Das sind 10,9% des jährlichen Eigenverbrauchs - Reserven ausreichend für knapp 40 t Tage - und gemessen einschließlich der Ausfuhren von nur 7,9% - so viel wie für fast 29 Tage.

Preishausse verunsichert österreichischen Kassamarkt weiterhin

Die Hausse der internationalen Preise verunsichert den österreichischen Kassamarkt weiterhin und beschränkt neu Kontraktabschlüsse auf das Allernotwendigste. So hieß es rund um die dieswöchige Notierungssitzung der Wiener Produktenbörse, es hätten in der abgelaufenen Handelswoche gerade einmal solche Brotweizenpartien den Besitzer gewechselt, die noch unbedingt vor der neuen Ernte aus den Silos raus müssten. So wurde an inländischem Brotweizen alter Ernte 2021 diese Woche nur Qualitätsweizen - und der unverändert - notiert.

Weiterhin aber finden Preise für Brotweizeneinfuhren aus dem EU-Ausland auf das Kursblatt - und auch solche von Käufen aus der Ernte 2022. Deren Notierungen lassen erkennen, dass die Preise neuer Ernte zuletzt zu denen alter Ernte aufgeholt hätten und sich anhaltend hoch abzeichneten.

Ähnlich wie beim Weizen würden frische Umsätze mit inländischem Mais vom internationalen Preisanstieg weitgehend gelähmt. Aus dem wenigen Neugeschäft notieren nun Futter- und auch Industriemais etwas höher als zuletzt vor einigen Wochen. Jedoch sollen Mischfutterwerke wegen nachlassender Nachfrage sogar aus bestehenden Abnahmeverträgen ausgestiegen sein.

Am Ölsaatenmarkt komme zur Verunsicherung durch die internationale Preisentwicklung als die Nachfrage nach alter Ernte bremsendes Element noch hinzu, dass aus der Ukraine en masse preiswerte Lieferungen von Sonnenblumen offeriert würden. Für neue Ernte hätten Verarbeiter aber höhere Preise hinausgehängt. (Schluss) pos