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14.01.2021

Heimische Agrarspitze will regionale Qualitätsproduktion stärken

Österreich-Pakt: Mehr Wertschätzung, mehr Wertschöpfung und mehr Regionalität sind das Ziel

Wien, 14. Jänner 2021 (aiz.info). - Die gesicherte Versorgung mit lebensnotwendigen Nahrungsmitteln ist durch die Corona-Krise verstärkt ins Bewusstsein gerückt. Damit eine nachhaltige regionale Qualitätsproduktion auch in Zukunft aufrechterhalten werden kann, braucht es einen fairen Anteil für die Landwirtinnen und Landwirte in der Wertschöpfungskette, forderte die Agrarspitze mit Landwirtschaftministerin Elisabeth Köstinger, Landwirtschaftskammer (LK) Österreich-Präsident Josef Moosbrugger und Bauernbund-Präsident Georg Strasser in einem virtuellen Pressegespräch anstatt des traditionellen Zusammentreffens auf der Grünen Woche in Berlin, die heuer erstmals in einem Online-Format über die Bühne geht. Das Ziel für 2021 ist ein Österreich-Pakt von Landwirten, Verarbeitungsbetrieben, Handel und Konsumenten für mehr Wertschätzung, mehr Wertschöpfung und mehr Regionalität.

"Die Lebensmittelversorgung in Österreich ist krisenfest, wie sich während der aktuellen Corona-Pandemie zeigt. Waren Lebensmittel, vor allem Grundnahrungsmittel, immer in ausreichendem Maß verfügbar, wurde gleichzeitig die Bedeutung der Unabhängigkeit in lebensrelevanten Sektoren unterstrichen. Die Direktvermarktung und der Ab-Hof-Verkauf haben im abgelaufenen Jahr einen noch nie da gewesenen Boom erlebt. Ein Umdenken in der Bevölkerung findet statt. Die Landwirte liefern, was wir tagtäglich in Österreich brauchen, und es wurde bewusst, dass dies nicht selbstverständlich ist", betonte Köstinger. Aktuell sind einzelne landwirtschaftliche Branchen etwa aufgrund der Schließung von Gastronomie und Hotellerie jedoch mit massiven Markteinbrüchen konfrontiert. COVID-Maßnahmen sowie Qualitäts- und Absatzförderprogramme, aber auch Initiativen wie das Steuer-Entlastungspaket, der Tierwohlpakt und der Waldfonds sollen hier unterstützen.

"Die Anforderungen der Konsumentinnen und Konsumenten an die Produkte, aber auch die Erzeugung werden immer größer. Die Bäuerinnen und Bauern sind jederzeit bereit und in der Lage, diese Qualität in geforderter Menge zu liefern. Wir werden unsere Familienbetriebe auf diesem Weg bestmöglich unterstützen. Mit höheren und zielgerichteteren Fördersystemen können wir einen Teil des Mehraufwandes im Bereich der Tierhaltung, zum Beispiel bei der Weidehaltung oder auch bei besonders tierwohlgerechten Stallungen, abgelten", unterstrich Köstinger.

Neue Absatzmärkte schaffen

Die regionale Qualität bei Lebensmitteln soll daher weiter forciert und gezielte Vermarktungsoffensiven sollen gestartet werden. Dazu zählt etwa der Aufbau von neuen Absatzmärkten bei Kalbfleisch, welches aktuell noch zu fast 60% importiert wird. "Wir versuchen Mastplätze in Österreich aufzubauen, wodurch der Selbstversorgungsgrad erheblich steigen soll", sagte Köstinger. Auch in anderen Bereichen, wie etwa bei Obst- und Gemüse, wird eine Steigerung des Selbstversorgungsgrades angestrebt. "Wir tragen dem Wunsch der Gesellschaft Rechnung. Nun liegt es an den Konsumenten, dass sie auch zu diesen Produkten greifen", nimmt Köstinger die Verbraucher in die Pflicht. Der "österreichische Weg" werde im Nationalen Strategieplan der Gemeinsamen Agrarpolitik jedenfalls seinen Niederschlag finden, damit heimische Betriebe auch in Zukunft die Lebensmittelversorgung sicherstellen können."

Moosbrugger: Transparenz ist Trumpf

"Regional versorgen ist denken an morgen", will Moosbrugger mit klaren Zukunftsperspektiven für die Bäuerinnen und Bauern Wegbereiter und Mutmacher sein, wenn es um die GAP und den Wert von Lebensmitteln geht. "Regionale bäuerliche Qualitätsprodukte und die damit verbundenen Mehrleistungen bis hin zu Arbeitsplätzen müssen wir gesamthaft in den Fokus stellen", appellierte Moosbrugger für einen Österreich-Pakt zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel. Laufende Gespräche mit dem Lebensmittelhandel sollen "mehr Regal für regional" bringen. Denn wie eine EU-Statistik zeigt, hat sich die Wertschöpfung zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel in den letzten Jahren deutlich zugunsten des Handels verschoben.

Über den Handel und eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung will Moosbrugger den Anteil für die Landwirtschaft wieder verbessern. Die verpflichtende Herkunftskennzeichnung von Fleisch, Milch und Eiern bei verarbeiteten Lebensmitteln und in der Gemeinschaftsversorgung ist im Regierungsübereinkommen festgeschrieben, plädiert der LK-Präsident an den zuständigen Gesundheitsminister für eine rasche Umsetzung. Zudem müssten Produkte aus Österreich im Regal gut ersichtlich sein und Konsumenten die Kaufentscheidung erleichtern. Wartet der Gesundheitsminister noch länger zu, will Moosbrugger selbst einen Vorschlag vorlegen.

Denn "Transparenz ist Trumpf" verweist der LK-Präsident auf das freiwillige System 'Gut zu wissen'. Diese Herkunftskennzeichnung bei Fleisch und Eiern in der Außer-Haus-Verpflegung wird hierzulande bereits an 228 Standorten umgesetzt, berichtet die LK, welche die Initiative 2016 gestartet hat. Zudem seien die größten Catering-Unternehmen Österreichs mit an Bord.

Strasser: Regionalität ist eine Antwort in der Pandemieprävention

"Corona zeigt, dass sich Verhaltensmuster ändern können beziehungsweise müssen", resümierte Strasser, der Regionalität als eine Antwort im globalen Kontext zur Pandemieprävention und in Richtung Klimaschutz sieht. Eine Stärkung des AMA-Gütesiegels etwa soll den aktuellen Trend für eine gesteigerte Nachfrage nach regionalen Produkten bewahren. "Der Österreichische Bauernbund möchte das AMA-Gütesiegel noch mehr vor den Vorhang holen und somit das Vertrauen in heimische bäuerliche Produkte und die Preisbildung verbessern", erklärte Strasser.

Ein Baustein könnte auch eine europäische Eiweißstrategie und somit die Versorgung mit GVO-freiem Rohstoff vor Ort sein. Über eine bessere Vermarktung und Dynamik könnte hier die Wertschöpfung im Ackerbau und in der Tierproduktion erhöht und Konsumentenwünschen begegnet werden. Ein klares Bekenntnis für heimische Produkte von Handel und Verarbeitungsbetrieben sei allerdings Voraussetzung für einen preislichen Österreich-Bonus, so Strasser.

Ein Instrument gegen unfaire Handelspraktiken soll mit der Umsetzung der entsprechenden EU-Richtlinie in Österreich noch im ersten Halbjahr 2021 zur Verfügung stehen. Über eine Ombudsstelle kann dann anonym unlauterer Handel aufgezeigt und somit etwa von Landwirten, Lieferanten und kleinen Unternehmen die Chance auf eine verbesserte Stellung in der Wertschöpfungskette erhöht werden. Dazu soll es regelmäßig einen Bauernbund-Regionalitäts-Check bei Produkten im Lebensmitteleinzelhandel geben. Den Anfang machte die Butter, Schweine- sowie Rindfleisch sollen demnächst im Fokus stehen.

Den fünf anstehenden Landwirtschaftskammerwahlen im Jahr 2021 blickt Strasser mit "großer Zuversicht" entgegen. Die ersten LK-Wahlen finden in der Steiermark und in Oberösterreich am 24. Jänner statt, weiter geht es in Vorarlberg am 6. März, in Tirol am 23. März und in Kärnten Anfang November. "Der Bauernbund geht mit hervorragenden Kandidatinnen und Kandidaten, mit einer guten Leistungsbilanz und einem klaren Zukunftsprogramm in diese Wahlgänge", zeigte sich Strasser optimistisch. (Schluss) hub