Sie sind noch nicht eingeloggt:
13.06.2019

Maßnahmenpaket zu "Sicher Wandern in Oberösterreich"

Gegenseitige Rücksichtnahme auf landwirtschaftlichen Flächen ist oberstes Gebot

Linz, 13. Juni 2019 (aiz.info). - Ein Gerichtsurteil nach einer tödlichen Kuhattacke auf einer Tiroler Alm hat auch in Oberösterreich für Diskussionen gesorgt. Um das bisherige gute Auskommen von Landwirtschaft und Tourismus bei der Nutzung der Kulturlandschaft auch in Zukunft zu sichern, haben die zuständigen Landesräte Markus Achleitner (Wirtschaft, Tourismus) und Max Hiegelsberger (Agrar) alle beteiligten Parteien zusammengerufen, um gemeinsam Maßnahmen zu erarbeiten, die das sichere Wandern in Oberösterreich gewährleisten. Dabei wurden neben Fragen der Almnutzung auch Themen wie die Vermüllung landwirtschaftlicher Flächen entlang vielbefahrener Straßen und die Verkotung von Grünland entlang von Spazierwegen erörtert.

"Agrarflächen sind die Existenzgrundlage unserer Bauern. Gerne werden diese auch für die Freizeitnutzung zur Verfügung gestellt, nicht tragbare Risiken oder Schäden dadurch müssen aber verhindert werden", unterstrich Hiegelsberger. "Hundekot und besonders auch Dosen oder Flaschen im Grünfutter sind eine richtiggehende Bedrohung für die Kühe. Um ein gutes Miteinander sicherzustellen, braucht es gegenseitige Rücksichtnahme auf der Alm genauso wie beim täglichen Spaziergang und bei jeder Autofahrt vorbei an landwirtschaftlichen Flächen. Wertschätzung für das bäuerliche Wirtschaften wird im Umgang sichtbar."

Kein generelles Hundeverbot auf Almen - Müll und Hundehaufen großes Ärgernis

Das Maßnahmenpaket enthält die Erweiterung der bereits bestehenden Wegehalter-Haftpflichtversicherung explizit auch auf "Schadensfälle mit Weidevieh", die bereits gültig ist. Diese Versicherung wird schlagend, wenn ein allfälliger Schaden etwa durch eine landwirtschaftliche Haftpflichtversicherung nicht abgedeckt wird. Die Mehrkosten für die Erweiterung trägt das Land Oberösterreich. Die erweiterte Wegehalter-Haftpflichtversicherung ist bereits gültig.

Weiters soll mit unterschiedlichen Beschilderungen die Bewusstseinsbildung bei Almbesuchern gestärkt und damit Wissensdefizite über den Umgang mit Weidevieh beseitigt werden. Dabei werden bei den Überstiegen auf bewirtschaftete Almflächen prägnant formulierte Tafeln noch einmal explizit auf den richtigen Umgang mit Hunden hinweisen.

Ein generelles Hundeverbot auf Almen wird nicht kommen. Die eingehende Prüfung habe ergeben, dass dieses weder rechtlich umsetzungsfähig noch im Sinne eines guten Miteinanders auf den Almen sei, erklärten die Landesräte. Allerdings sei die Vermüllung und Verkotung von Grünflächen ein wachsendes Problem, heißt es weiter. Diese beiden Punkte finden sich nun in einer eigenen oberösterreichischen Broschüre, neben richtigen Verhaltensweisen auf Almen und landwirtschaftlichen Flächen des Ministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus.

Weiterhin angestrebt wird eine Änderung im Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) durch den Bund, um die Eigenverantwortung von Wanderern klar zu benennen. Aufgrund der aktuellen politischen Entwicklungen auf Bundesebene wird diese Regelung aber wohl erst mit Verzögerung umgesetzt werden können.

"Aus Sicht der Gäste und der Tourismuswirtschaft ist entscheidend, dass der ungehinderte Zugang zur Natur, den Bergen und damit auch den Almen gewährleistet bleibt. Es ist daher wichtig, dass Risiken für Wegehalter in Zusammenhang mit Weidevieh wirksam ausgeschlossen werden", unterstreicht Achleitner die Bedeutung der erweiterten Versicherungslösung für alle Beteiligten. "Und den Bauern ist wichtig, dass sie ihre Almweideflächen auch künftig bewirtschaften können und bei Unfällen zwischen Wanderern und Almweidevieh nicht durch finanzielle Haftungen unter Druck geraten", zeigt sich auch Hiegelsberger zufrieden. (Schluss)

  • Unser Lagerhaus © Archiv