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03.05.2021

Langer-Weninger: Stille Alltagshelden sichern die Lebensmittelversorgung

Regionalität bedeutet Sicherheit - Bäuerliche Arbeit braucht Wertschätzung

Linz, 3. Mai 2021 (aiz.info). - "Im Zuge der Corona-Krise ist die Sicherstellung der Selbstversorgung mit Lebensmitteln zu einer neuen politischen Priorität geworden. In den zentralen Produktionsbereichen Getreide, Milch, Fleisch und Eier kann die Inlandsversorgung relativ gut gewährleistet werden. In anderen Bereichen stellt sich die Situation aufgrund der klimatischen Gegebenheiten schwieriger dar. Im Gegensatz zu den internationalen Lieferketten, die oft verwundbar sind, haben sich die bäuerlichen Familienbetriebe als krisenfest erwiesen. Die Landwirtschaftskammer (LK) OÖ fordert daher, dass durch eine transparente Herkunftskennzeichnung, ausreichende Finanzmittel für die Umsetzung von zusätzlichen Umwelt- und Klimaauflagen sowie eine faire Preisgestaltung für bäuerliche Produkte die Rolle der Bäuerinnen und Bauern in der Wertschöpfungskette gestärkt wird", erklärte heute LK-Präsidentin Michaela Langer-Weninger.

"Bäuerinnen und Bauern gehören zur systemsichernden Berufsgruppe. Sie liefern Lebensmittel in höchster Qualität und setzen sich auf ihren Höfen als stille Helden des Alltags 365 Tage im Jahr für die Herstellung agrarischer Rohstoffe und Lebensmittel ein. Das wurde auch den Konsumenten im vergangenen Jahr verstärkt bewusst. Um diese neue, vertrauensvolle Partnerschaft zwischen den heimischen Bäuerinnen und Bauern und der Bevölkerung zu stärken, machen wir auf die systemrelevante Arbeit der Landwirte aufmerksam und fordern, dass der im Regierungsprogramm festgelegte Weg in Richtung Transparenz bei der Herkunftskennzeichnung auch unter dem neuen Gesundheitsminister konsequent weiter beschritten wird. Vorhaben wie der von der EU forcierte Green Deal sind nur dann wirtschaftlich machbar, wenn sich der Lebensmittelhandel und die Konsumenten zu den höheren Standards bekennen und bereit sind, faire Preise zu bezahlen", betonte Langer-Weninger.

Konsumenten wollen Transparenz bei der Herkunft

"Wir wollen bei der Herkunftskennzeichnung nun endlich weiterkommen. Die Konsumenten wollen mehr Transparenz. Ich freue mich, wenn die verpflichtende Herkunftskennzeichnung bei Fleisch, Eiern und Milch bei verarbeiteten Produkten, in der Gemeinschaftsverpflegung, in Großküchen und Kantinen nun rasch umgesetzt wird, wie das im Regierungsprogramm vereinbart wurde", so die Präsidentin.

Green Deal braucht ausreichende Finanzierung

Im Zusammenhang mit dem Green Deal der EU forderte Langer-Weninger eine ausreichende öffentliche Finanzierung für die Umsetzung zusätzlicher Umwelt- und Klimaauflagen. "Die Vorschläge der EU, den Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln massiv zu reduzieren, würde mittel- und längerfristig die Eigenversorgung bei immer mehr pflanzlichen Produkten infrage stellen. Dies hätte steigende Importe zur Folge, die im Regelfall unter deutlich niedrigeren und oft problematischen Umweltstandards produziert werden. Reduzierte Erträge aufgrund des geplanten verringerten Betriebsmitteleinsatzes und die zunehmend notwendige Herausnahme von Flächen aus der Produktion (für Biodiversitätsflächen) würden auch der heimischen Tierproduktion zunehmend die Futtergrundlage entziehen, warnte die LK-Präsidentin.

Wertschätzung muss sich im Preis niederschlagen

"Die Zukunft der österreichischen Landwirtschaft hängt stark von der Akzeptanz des Berufsstandes sowie letztendlich der angemessenen Wertschöpfung für bäuerliche Erzeugnisse ab. Dementgegen steht die Aktionitis im Lebensmitteleinzelhandel, wo heimische Qualitätsprodukte oft zu Tiefstpreisen verschleudert werden. Wir müssen verstärkt dahin kommen, dass für bäuerliche Produkte ein entsprechender Preis bezahlt wird. Ansonsten lässt sich der österreichische Weg einer kleinstrukturierten, naturnahen Landwirtschaft in dieser Form auf Dauer nicht aufrechterhalten", sagte Langer-Weninger.

Haider: Beruf attraktiver machen und Selbstbewusstsein der Betriebsführer stärken

"Laut einer aktuellen KeyQUEST-Umfrage haben 94% der Befragten ein positives Bild von unseren Bäuerinnen und Bauern. Man ist sich der Relevanz dieses Berufsstandes für die künftige Lebensqualität in Österreich bewusst. Dagegen sehen nur 51% der Landwirtinnen und Landwirte ihr eigenes Image als positiv. Dieses Ergebnis zeigt, dass wir noch stärker von der Wertschöpfung zur Wertschätzung kommen müssen", stellte die neue Vorsitzende des Bäuerinnen-Ausschusses in der Landwirtschaftskammer OÖ, Johanna Haider, fest. Wir müssen den Beruf insgesamt attraktiver machen und das Selbstbewusstsein der bäuerlichen Betriebsführer stärken", so Haider.

"Moderne Bewirtschaftungsverfahren werden oft skeptisch beäugt. Das fehlende Wissen über die Erzeugung von Lebensmitteln führt zu falschen Erwartungshaltungen. Als Vorsitzende des Bäuerinnen-Ausschusses möchte ich die Botschafterrolle der Landwirtinnen und Landwirte in der Kommunikation mit den Konsumenten stärken. Das direkte Gespräch ist immer noch am glaubwürdigsten", sagte Haider.

Sie unterstützte in diesem Zusammenhang auch die Forderung der ARGE Österreichische Bäuerinnen nach einem stärkeren pädagogischen Schwerpunkt Ernährung und Konsumbildung in den Schulen. "In Oberösterreich sind wir mit Bauernhofbesuchen von Kindern auf einem guten Weg: Im Schuljahr 2018/2019 haben 18.348 Kindergarten- und Schulkinder die für den Besuch von Kindern zertifizierten Schule am Bauernhof-Betriebe besucht. Corona brachte einen Einbruch der Besucherzahlen, wir wollen nach der Krise aber wieder mit neuem Schwung durchstarten. Auch viele engagierte Pädagoginnen und Pädagogen nutzen die Weiterbildungsangebote der LK OÖ seit Jahrzenten und setzen Projekttage rund um bewusstes Essen und Trinken für Schulkinder mit Experten der LK und den Seminarbäuerinnen um", so Haider. (Schluss)