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10.07.2019

LK appelliert an Kärntner Landtag: Mercosur-Abkommen die Zustimmung verweigern

Übereinkunft gefährdet die kleinstrukturierte Landwirtschaft im Bundesland

Klagenfurt, 10. Juli 2019 (aiz.info). - "Tritt das Abkommen der EU mit dem Mercosur in dieser Form in Kraft, trifft das die heimische Landwirtschaft mitten ins Herz. Dann droht ein Strukturbruch." Diesen eindringlichen Appell richtet Kärntens oberster Bauernvertreter, Landwirtschaftskammer (LK)-Präsident Johann Mößler, in einem Brief an alle im Landtag vertretenden Parteien und fordert diese auf, in einem Landtagsbeschluss die Bundespolitik aufzufordern, dem Abkommen die Zustimmung zu verweigern. "Es braucht ein klares Signal seitens der Länder an die Bundesregierung, damit wir diesen Anschlag auf die heimische Landwirtschaft verhindern", so Mößler. Da es sich beim Mercosur-Vertrag um ein gemischtes Abkommen handelt, müssen auch die nationalen Parlamente darüber abstimmen beziehungsweise kann das Parlament die Verhandlungsposition der Bundesregierung in Brüssel durch eine bindende Stellungnahme festlegen.

Rinder- und Geflügelbauern besonders betroffen

Kommt es zur Ratifizierung des Abkommens, wird den südamerikanischen Ländern damit umfangreicher Zugang zu den EU-Agrarmärkten gewährt. Südamerikanische Produkte würden zu Dumping-Preisen auch auf den heimischen Markt kommen. "Viele Bauern würden die damit verbundenen Einkommensverluste nicht verkraften und aufgeben", warnt Mößler, der für Kärnten insbesondere um die rinderhaltenden Betriebe fürchtet. Diese sind laut dem LK-Präsidenten mit einem Anteil von rund 70% das Rückgrat der grünlandbasierten und kreislaufbezogenen Landwirtschaft. Aber auch der Geflügelsektor würde massiv leiden - nicht zuletzt produzieren Kärntens Bauern aktuell rund 50% des gesamten Biomastgeflügels Österreichs. Für Mößler ist es jedenfalls völlig unverständlich, dass die noch amtierende EU-Kommission quasi im Abgang ein Abkommen auf dem Rücken der Bauern durchpeitschen will, um den Forderungen der europäischen Auto- und Chemielobby nachzukommen.

Auch Umwelt klarer Verlierer

Als klaren Verlierer des Abkommens sieht der LK-Präsident neben den Bauern auch die Umwelt. Angesichts des Klimawandels ein Abkommen abzuschließen, dem insbesondere in Brasilien noch mehr Regenwald zum Opfer fallen wird, ist für Mößler "grob fahrlässig". Dass die Klimabilanz von heimischem Rindfleisch um bis zu viermal besser ist als die von argentinischem oder brasilianischem Fleisch, wird seitens der EU-Verhandler völlig außer Acht gelassen. Vor diesem Hintergrund hofft Mößler auf einen möglichst einstimmigen Beschluss der Kärntner Landtagsabgeordneten zum Schutz der heimischen bäuerlichen Betriebe und der Umwelt. (Schluss)

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