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25.09.2020

LK OÖ: Milch kann durch nichts ersetzt werden

Bezeichnungsschutz beibehalten - Herkunftskennzeichnung rasch umsetzen

Linz, 25. September 2020 (aiz.info). - Milch, Butter, Joghurt, Rahm und Käse sind derzeit geschützte Begriffe, die vom Gemelk von Tieren stammen müssen. Jetzt möchten aber große multinationale Lebensmittelkonzerne in Verbindung mit der Vegan-Lobby sowie einige Tierschutzorganisationen den Bezeichnungsschutz für Milch auf EU-Ebene kippen, indem sie versuchen, die EU-Parlamentarier zu einer Gesetzesänderung zu bewegen, durch die der Schutz für Milch fällt und auch künstlich hergestellte Produkte auf Basis billiger Substitute legal als "Milch" bezeichnet werden dürften. Heftige Kritik an diesen Bestrebungen übte heute Michaela Langer-Weninger, Präsidentin der Landwirtschaftskammer (LK) OÖ.

Gegen Täuschung der Konsumenten

"Mit dem aktuell strengen Bezeichnungsschutz wird Missbrauch verhindert und für Konsumenten Klarheit sowie Sicherheit geschaffen. Es geht uns nicht darum, pflanzenbasierte Produkte zu verbieten. Es muss aber klar ersichtlich sein, dass diese etwas völlig anderes als Milchprodukte sind, weil ganz andere Inhaltsstoffe und Verarbeitungsschritte dahinterstehen. Eine Aufweichung der derzeitigen Rechtslage würde es großen multinationalen Konzernen ermöglichen, mit dem guten Image der Milch ihre Gewinne weiter zu steigern, in Österreich ginge aber durch importierte Ersatzprodukte viel Wertschöpfung verloren", warnte Langer-Weninger. Auf der Strecke blieben dann nicht nur die Bäuerinnen und Bauern, sondern auch die Versorgungssicherheit mit hochwertigen Lebensmitteln. Außerdem dürfe nicht vergessen werden, dass die Milchwirtschaft durch die Erhaltung des Grünlandes und der Almen enorme Leistungen für die gesamte Gesellschaft erbringt.

"In Oberösterreich gibt es aktuell zirka 6.600 milchliefernde Betriebe. Diese kümmern sich an 365 Tagen im Jahr um ihre Tiere, um die hohe Qualität der Milch sicherzustellen. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl an qualitätssichernden Maßnahmen und laufende Untersuchungen der Rohmilch und der daraus erzeugten Produkte", so die LK-Präsidentin.

Der Mensch ist seit 7.500 Jahren Milchtrinker

Milch ist seit 7.500 Jahren ein wichtiger Bestandteil der menschlichen Ernährung und hat der evolutionären Entwicklung einen Schub gegeben. Milch wurde vermutlich anfangs zunächst zu Käse und Butter verarbeitet, ehe die Menschen begannen, sie frisch zu trinken. Die Verträglichkeit wurde zu einem entscheidenden Überlebensvorteil, und die genetische Variante im menschlichen Erbgut setzte sich schnell durch. Mittlerweile vertragen 85% aller Nord- und Mitteleuropäer den Milchzucker Laktose.

Drinks aus Soja, Hafer, Lein oder Mandel etc. dürfen nicht als Milch bezeichnet werden. Der EU-weit geltende Bezeichnungsschutz gilt nicht nur für den Begriff Milch, sondern auch für Molke, Rahm, Butter, Buttermilch, Butteröl, Kaseine, wasserfreies Milchfett, Käse und Joghurt. Diese Produktbezeichnungen dürfen nur verwendet werden, wenn es sich beim Ausgangsstoff für die Herstellung auch wirklich um Milch handelt.

Mandeldrink: wenig Mandeln, viel Zucker

Im Lebensmittelhandel werden immer mehr Ersatzprodukte für die vermeintlich ungesunde Kuhmilch angeboten, zum Beispiel Mandeldrinks - zu wesentlich höheren Preisen, als sie für Qualitätsmilch von der Kuh gezahlt werden.

"Wer denkt, die Mandeln sind schon ihr Geld wert, sollte wissen, dass sich nur etwa 2% Mandeln in dem Drink befinden. Eine weitere Zutat ist Zucker, und zwar mit 6,5 Gramm nicht zu wenig. Natürlich ist in der Milch ebenso Zucker enthalten, die Laktose erfüllt jedoch eine wichtige Rolle im Dünndarm: Sie hilft bei der Aufnahme von Kalzium. Somit sind die natürlich vorkommenden Nährstoffe Laktose, Kalzium und Vitamin D eine optimale Kombination, um die Knochengesundheit zu gewährleisten", gab Langer-Weninger zu bedenken.

Ein Mandeldrink enthalte neben Wasser, Zucker und wenigen Mandeln noch Verdickungsmittel, Emulgatoren und Stabilisatoren, um eine ähnliche Konsistenz wie bei der Milch zu erreichen. Hierfür sei ein energieintensives Verfahren nötig. Der Eiweißgehalt von Kuhmilch liege bei etwa 3,4%, das Ersatzprodukt komme nur auf magere 0,7%. "Bei Milch-Ersatzprodukten wie Mandeldrinks werden billige Rohstoffe mit aufwendigen chemischen Verfahren aufbereitet und zu teuren Preisen verkauft. Bei Frischmilch weiß jeder Konsument, was er im Packerl hat: gentechnikfreie Qualität von heimischen Kühen", so die LK-Präsidentin.

Herkunftskennzeichnung: Langjährige Forderung rasch umsetzen

Auf intensives Drängen der Landwirtschaftskammern wurde die Einführung einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung für Milch, Fleisch und Eier bei Verarbeitungsprodukten und in der Gemeinschaftsgastronomie in das aktuelle Arbeitsprogramm der Bundesregierung aufgenommen. Langer-Weninger fordert vom zuständigen Gesundheitsministerium die möglichst umgehende Vorlage einer entsprechenden Regelung. Den Ankündigungen müssten nun endlich konkrete Taten folgen, so die Präsidentin. (Schluss)