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08.11.2019

LK OÖ: Konventionelles Schweinefleisch ist kein gentechnisch verändertes Produkt

Langer-Weninger: Kaufentscheidungen bestimmen landwirtschaftliche Erzeugung

Linz, 8. November 2019 (aiz.info). - Die heimische Schweineproduktion ist zur Sicherstellung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit und der Inlandsversorgung zwingend auf den Import von Sojaschrot angewiesen. Letztendlich entscheiden die Konsumentinnen und Konsumenten, ob sie zu höherpreisigem Schweinefleisch mit GVO-freier Fütterung oder zu konventionellem Schweinefleisch greifen. "Es ist für mich völlig unverständlich, dass beim Thema der GVO-freien Fütterung immer wieder die Schweinebauern an den Pranger gestellt werden, nicht aber die sonstigen Lebensmittelproduzenten, wo in vielfacher Form bei verarbeiteten Lebensmitteln gentechnisch veränderter Soja direkt im Lebensmittel zum Einsatz kommt. Dagegen weist Schweinefleisch auch im Fall der Fütterung mit GV-Soja keinerlei gentechnische Veränderung auf", betont Landwirtschaftskammer (LK) Oberösterreich-Präsidentin Michaela Langer-Weninger zu den aktuellen Vorwürfen einer Umweltorganisation.

Fleisch ist kein GV-Produkt

"Die in Österreich mit hohem Produktionsstandard betriebene konventionelle Landwirtschaft stellt für manche NGO-Vertreter offenbar noch immer ein Feindbild dar, da hier ein ohnehin allgemein bekanntes Thema immer wieder neu aufgegriffen wird. Dass Sojaschrot aus gentechnisch veränderten Sojabohnen in der EU verwendet wird, ist keine wirkliche Neuigkeit und wird vonseiten der Landwirtschaft auch nicht verschwiegen. Insgesamt belaufen sich die EU-Importe bei Sojaschrot auf etwa 30 bis 35 Mio. t pro Jahr. Der überwiegende Teil der Einfuhren stammt aus gentechnisch veränderten Sojabohnen. In Österreich liegt der Import von Sojaschrot bei zirka 400.000 t und konnte aufgrund der Aktivitäten der heimischen Landwirtschaft in den letzten Jahren schon deutlich reduziert werden", erläutert Langer-Weninger.

Landwirtschaft verfolgt konsequent österreichische Eiweißstrategie

In Österreich arbeitet die Landwirtschaft seit mehreren Jahren intensiv an einer Eiweißstrategie, mit dem Ziel, die Eigenversorgung mit heimischen Eiweißfuttermitteln aus GVO-freier Produktion kontinuierlich zu steigern. Insbesondere der Rapsanbau stellt neben Soja eine wichtige Quelle für heimische Eiweißfuttermittel dar. "Durch das ständige Hinaufschrauben der Produktionsstandards im Rapsanbau ist dieser in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen und hat damit auch das Potenzial für heimische Eiweißfuttermittel weiter reduziert. Das dadurch fehlende heimische Eiweiß muss durch Sojaimporte ersetzt werden, das fehlende heimische Rapsöl wird vielfach durch Palmölimporte substituiert", informiert die LK OÖ-Präsidentin.

"Die LK OÖ setzt weiter konsequent auf den Ausbau der heimischen Eiweißproduktion und forciert den Einsatz heimischer Eiweißfuttermittel in der Nutztierhaltung. Die dadurch verursachten höheren Kosten in der Erzeugung müssen aber fair am Markt durch höhere Produktpreise abgegolten werden. Das Thema gentechnikfreie Fütterung wurde von der Landwirtschaftskammer und den Branchenvertretern der Schweinebauern schon bisher aktiv bearbeitet. So gibt es regelmäßig Kontakte zwischen Vertretern der Landwirtschaft, der Schlachtbranche und des Lebensmitteleinzelhandels. Unter den derzeitigen Rahmenbedingungen des Marktes ist eine generelle Branchenlösung für die Umstellung des Schweine-Frischfleisches im Lebensmittelhandel auf GVO-frei gefütterte Ware nicht realistisch machbar", betont Langer-Weninger.

Wahlfreiheit für Konsumenten gegeben

Verschiedene Markenprogramme bei Schweinefleisch würden schon jetzt die Möglichkeit bieten, dass die Konsumenten in Österreich zu völlig gentechnikfrei produziertem Schweinefleisch greifen könnten. Die Schweinebauern wären bereit, konsequent auf die Konsumentennachfrage zur reagieren, die einschlägigen "GVO-frei-Programme" seien aber bisher am Markt nicht wirklich angenommen.

Kennzeichnung für GVO-Produkte gefordert

Die LK OÖ fordert die konsequente Umsetzung der verpflichtenden Kennzeichnung für GVO-veränderte Lebensmittel. In vielen verarbeiteten Lebensmitteln sei gentechnisch veränderter Soja direkt enthalten, obwohl das für die Konsumenten aufgrund der fehlenden Umsetzung der Kennzeichnungspflicht gar nicht erkennbar sei. Es wäre daher ein wesentlicher Fortschritt, wenn sich neben den Landwirtschaftskammern auch Vertreter von Umweltorganisationen in diesem Bereich für die konsequente Umsetzung der Kennzeichnungspflicht einsetzten, anstatt das nachweislich GVO-freie Schweinefleisch in regelmäßigen Abständen zu skandalisieren, appelliert Langer-Weninger. (Schluss)

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