Sie sind noch nicht eingeloggt:
30.07.2021

IGC revidiert Prognose globaler Getreideernte und Endlager 2021/22 nach unten

Rekordernte und Verbrauch - IGC-Preisindex seit Juni um 2,9% und übers Jahr 39,6% höher

London/Wien, 30. Juli 2021 (aiz.info). - Der Internationale Getreiderat IGC mit Sitz in London senkte am Donnerstag im monatlichen Grain Market Report (GMR) die Prognose für die weltweiten Ernten sowie Endlager von Weizen und Getreide insgesamt und geht im Wirtschaftsjahr 2021/22 von nahezu neutralen Bilanzen aus. Die Bilanzen stellen sich jedoch regional stark unterschiedlich dar. China hortet das Gros der globalen Weizen- und Maisreserven, während etwa die Weizenbilanz der EU als zweitgrößter Exporteur sehr eng ausfällt und die Union sogar beträchtliche Mengen Mais einführen muss. Sehr konzentriert, nämlich dominiert von den drei führenden Exporteuren USA, Brasilien und Argentinien sowie vom mit Abstand größten Importeur, China, zeigt sich der Sojaweltmarkt. Die im IGC-Preisindex erfassten globalen Weizen- und Sojabohnenpreise seien seit Juni gestiegen und Getreide, Mais sowie Sojabohnen deutlich teurer als vor einem Jahr.

Die gesamte Getreideproduktion der Welt und ihr Verbrauch steigen dem GMR zufolge in der angelaufenen Saison 2021/22 auf Rekordwerte und gegenüber 2020/21 um 3,7 respektive 2,6%. Insbesondere Mais mit 74 Mio. t mehr als im Vorjahr und Weizen mit einem Plus von 15 Mio. t führen die Hitliste an. Die Endlagerbestände werden sich in einer nahezu ausgeglichenen Bilanz zum Vorjahr kaum ändern. Gegenüber dem Vormonat kürzt der IGC wegen der Dürre in Nordamerika seine Ernteprognose um 6 Mio. t, den Verbrauch nimmt er wegen der Erwartung einer schwächeren Verfütterung um 4 Mio. t zurück. Damit prognostizieren die Londoner Experten zwar eine etwas schwerere Maisbilanz als vor Monatsfrist mit einem leichten Bestandsaufbau nach Jahren des Abbaus, kürzen aber wegen nunmehr niedrigerer Lagerschätzungen von Weizen und Gerste gegenüber dem Juni-Getreidemarktreport die globale Endlagerschätzung 2021/22 um 3 Mio. t.

Die zum Vorjahr fast unveränderten Endlager führen im aktuellen Wirtschaftsjahr im Verhältnis zu den steigenden Verbrauchszahlen bei Weizen, Mais und Getreide insgesamt zu geringeren Endlageranteilen am Verbrauch (Ratio stock to use). Beim Weizen sinken sie global auf immer noch großzügige 35,38%, allerdings bestehen extreme lokale Streuungen.

Starke regionale Unterschiede in den Bilanzen - EU mit enger Weizenbilanz

So bedeuten etwa in der EU am Ende des Wirtschaftsjahres 2021/22 Weizenreserven von 11,9 Mio. t gemessen am Eigenverbrauch von 108,6 Mio. t und den 142,2 Mio. t einschließlich der 33,6 Mio. t Export gerade einmal einen Endlageranteil von 10,96 beziehungsweise 8,37%. In anderen Worten: In den Silos der Union bleiben Ende Juni 2022 nach abgelaufener Saison von Eigenverbrauch und Ausfuhren Weizenreserven für knapp 31 Tage. Rechnet man aus der weltweiten Weizenbilanz China heraus, das 45,39% der globalen Weizenlager und Reserven von 87,59% seines Jahresbedarfs respektive für fast 320 Tage hortet, bleiben Weizenendlager von 23,81% des Bedarfs oder für fast 87 Tage über. Die für die Versorgung der Welt bedeutenden größten Weizenexporteure (Argentinien, Australien, EU, Kanada, Kasachstan, Russland, Ukraine und USA), die gut die Hälfte des weltweiten Weizenkonsums bereitstellen und maßgeblich die Marktpreise bestimmen, kommen auf eine Ratio von stock to use von 14,34%, also eine Reserve für 52 Tage. Die Märkte schätzen Endlageranteile unter 20% als bullish, das heißt die Preise treibend, und solche über 20% als bearish beziehungsweise preisdrückend ein.

China sitzt auf mehr als zwei Drittel der weltweiten Maislager - EU unterversorgt

Noch krasser stellen sich diese regionalen Ungleichgewichte am Weltmarkt für Mais dar: Hier bunkert China 67,37% der weltweiten Reserven beziehungsweise 61,19% seines Jahresbedarfs. Im Gegensatz zum Weizenmarkt, auf dem die EU als zweitgrößter Exporteur (Russland: 38,1 Mio. t, EU: 33,6 Mio. t, USA: 23,8 Mio. t, Australien und Kanada jeweils gut 20 Mio. t) auftritt, ist sie beim Mais schwer von Importen abhängig: Bei einer Eigenproduktion 2021/22 von 68,3 Mio. t wird sie laut dem IGC 15,8 Mio. t Mais einführen müssen, um ihren Eigenverbrauch von 80,0 Mio. t decken zu können.

2021/22 Moderater Aufbau von Sojalagern bei Exporteuren - Markt hoch konzentriert

Obwohl der IGC auch die weltweite Sojabohnenerzeugung 2021/22 wegen der adversen Wetterverhältnisse in den USA gegenüber Juni um 1,4 Mio. t nach unten revidiert, steigt diese mit einem Plus zum Vorjahr von 5,4% aber immer noch auf ein Allzeithoch von 382 Mio. t. Obwohl auch der Verbrauch mit einem Zuwachs übers Jahr von 3,4% einen neuen Rekord erreicht, sollen in Summe mit höheren Anfangsbeständen die Sojalager in der laufenden Saison insbesondere bei den drei großen Exporteuren (USA, Brasilien, Argentinien) erstmalig seit drei Jahren um 8,7% anwachsen. Der Sojabohnenwelthandel soll mit einem moderaten Plus der Nachfrage Asiens ebenfalls um 2,7% ansteigen. Dabei liefern die drei großen Exporteure zusammen 156,1 Mio. t Sojabohnen an andere Länder - allen voran China mit einem Einfuhrbedarf von 103,5 Mio. t. Das Handelsvolumen der großen Drei zeigt die enorme Konzentration des Sojamarktes: Sie verkaufen 40,86% der weltweiten Sojaproduktion im Export und halten einen Anteil von 90,55% des Welthandels.

IGC-Preisindex gegenüber Juni um 2,9% und zum Vorjahr um 39,6% höher

Die Hitze und Dürre in Nordamerika trieben auch den gesamten Getreide- und Ölsaatenpreis-Index des IGC (GOI) gegenüber Juni in die Höhe, wiewohl die Trends unterschiedlich verliefen: Der Subindex von Sojabohnen schnellte im Monatsabstand um 6,3% (+ 48,1% zum Vorjahr) in die Höhe und der von Weizen um 4,5% (+ 36,5% zum Vorjahr), wohingegen Mais 3,4% (+ 54,0% zum Vorjahr) und Gerste 2,6% (+ 28,9% zum Vorjahr) verloren. Dem Weizenindex half das Desaster der nordamerikanischen Sommerweizenbestände auf die Sprünge, den Sojabohnen ebenfalls das Wetter in den USA sowie bullishe Zahlen des US-Agrarressorts zu Anbauflächen und Lagerständen. Die Maispreise drückten lustlose Nachfrage, saisonale Schwäche in Brasilien sowie die besseren Witterungsbedingungen im östlichen Maisgürtel der USA. (Schluss) pos