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14.02.2020

Getreidemärkte schwer berechenbar - Export und Euroschwäche helfen EU-Weizen

2020 um 5% weniger Weizen in EU - Heimische Durumpreise gehen durch die Decke

Wien, 14. Februar 2020 (aiz.info). - Die internationalen Getreidemärkte gelten laut Brancheninsidern als extrem schwer berechenbar. Insbesondere die Folgenabschätzung des Corona-Ausbruchs aber auch die Afrikanische Schweinepest oder die Vogelgrippe haben das Potenzial, unvermittelt von den unveränderten Fundamentaldaten abzulenken und die Kurse an den Terminmärkten auf Hochschaubahnfahrt zu versetzen. Der WASDE-Bericht des US-Landwirtschaftsministeriums USDA brachte am Dienstag keine spektakulären News.

Der Report revidiert die Schätzungen für die globalen Endlager von Weizen, Mais und Getreide insgesamt minimal nach unten, wobei die Märkte beim Weizen eine schärfere Korrektur erwartet hätten. Die Prognose für die Weizenausfuhr aus der EU hebt der Report an, die für den Maisexport der USA senkt er. Den Weizenkursen an der Euronext in Paris helfen für die vorderen Liefertermine nach wie vor rasante Exporte und ein schwacher Euro bei einem Wert von 1,08 USD. Der Schlusskurs des März-Weizenkontrakts erholte sich am Donnerstag nach einem kurzfristigen Absacken auf 192,75 Euro/t, die späteren Termine zur Ernte 2020 wie der September mit 183,50 Euro/t notieren allerdings niedriger. Der Freitaghandel startete mit weiteren leichten Zugewinnen auf 193,50 Euro/t für den März-Kontrakt. Eine Erholung verzeichnet auch der Rapsfuture, bei dem der Kontrakt zur Lieferung am Freitagvormittag die 400 Euro/t knackte. In Österreich zogen die Brotweizennotierungen an der Wiener Produktenbörse nach der Unterbrechung in der Energiewoche wieder an. Die Durum-Preise gehen sogar richtig durch die Decke.

Nach dem in Frankreich, dem größten Weizenproduzenten in der EU, verregneten Herbstanbau mit einem signifikanten Schrumpfen der Weichweizenfläche - laut Agrarressort in Paris um 5,6% - mehren sich die Stimmen, die auch zu viel Nässe für die Frühjahrsaussaat monieren. Hingegen berichtet Russland von einem Rekordanbau von Winterweizen und bisher gut über den Winter gekommenen Beständen, was auf eine große Weizenernte 2020 schließen ließe - wenn bis dahin nichts passiert.

Strategie Grains: 2020 um 5% weniger Weizen in EU - Preise im Sommer tiefer und im Winter erholt

Dem folgend senkte die französische Analyse Strategie Grains laut Agenturmeldungen am Donnerstag die Erwartung an die Weichweizenernte der EU im kommenden Sommer 2020 um 1,2 Mio. t auf 138,6 Mio. t. Das ist ein Minus von 5,1% zu den 146,0 Mio. t der Kampagne 2019. Signifikant größere Erntemengen als im Vorjahr sehen die Experten bei Mais (67,3 Mio. t, +6,0%), Roggen (8,8 Mio. t, +8,6%) sowie Durum (7,9 Mio. t, +5,3%). Die Gerstenproduktion solle mit 62,5 Mio. t nur leicht um 0,5% im Plus zu liegen kommen. Zusammen mit einem weltweit größeren Futtergetreide- und Maisangebot sowie vorbehaltlich anhaltend günstiger Witterungsbedingungen 82 Mio. t russischen Weizenerträgen folgert Strategie Grains trotz der kleineren Weizenernte 2020 in der Union, dass die Weizenpreise gegen Sommer hin und im Herbst sinken könnten. Jedoch würden die Preise im Winter 2020/21 wieder anziehen, weil die Weizen-Lagerstände der wichtigen Exporteure niedrig und die weltweite Nachfrage stark seien. Die Weizenpreise alter Ernte sollten sich bis ins Frühjahr hinein fest behaupten können. So revidiert man auch die Exportprognose für Weichweizen aus der EU im laufenden Wirtschaftsjahr 2019/20 nochmals um 100.000 t auf 30,6 Mio. t nach oben.

Strategie Grains berechnet im Übergangsjahr 2020 nach dem Brexit die Zahlen für die EU noch einschließlich des Vereinigten Königreichs.

EU exportiert in 32 Wochen der Saison 2019/20 um 73% mehr Weizen als im Vorjahreszeitraum

Die EU exportierte in den 32 Wochen des Wirtschaftsjahres 2019/20 bis 9. Februar laut Daten der Europäischen Kommission mit 17,542 Mio. t um 73% mehr Weichweizen als im Vorjahreszeitraum. Dass Frankreich am Dienstag bei einer Weizenausschreibung Ägyptens zur Lieferung von 360.000 t zwischen 21. und 31. März leer ausgegangen war und der Tender von Russland und Rumänien gewonnen worden war, tat der Besserung der Stimmung an der Euronext nur kurzeitig Abbruch. Denn am selben Tag schlug Algerien 660.000 t Weizen optionaler Herkunft zu, an deren Lieferung Frankreich maßgeblich beteiligt sein dürfte.

Bei beiden Ausschreibungen zeigte sich aber: Die Zuschlagspreise waren spürbar niedriger als bei den letzten Zuschlägen - und zwar um umgerechnet 5,50 Euro/t bei denen der staatlichen ägyptischen GASC (fob 208,45 bis 208,81 Euro/t, c&f 219,31 bis 219,49 Euro/t) sowie um etwa 2,70 Euro/t bei denen Algeriens (c&f 217,61 bis 217,84 Euro/t), und die russischen Preise sanken weiter und nähern sich der Wettbewerbsfähigkeit mit den französischen. Dies zeigt der wöchentliche Exportpreisvergleich der Europäischen Kommission zum Stichtag 12. Februar: Danach kostete Mahlweizen aus der EU fob Rouen umgerechnet 216 USD/t (-3 USD/t zur Vorwoche), Schwarzmeerweizen 222 USD/t (-2 USD/t zur Vorwoche) und Soft Red Winter aus den USA fob Golf von Mexiko 250 Euro/t (-5 USD/t zur Vorwoche). Die über Wochen sinkenden russischen Exportpreise näherten sich den französischen von 14 USD/t Differenz Ende Jänner bis auf 6 Euro/t an. Allerdings, so heißt es auch, ein stärker gewordener Rubel und stabil gebliebene Preise am russischen Binnenmarkt machten Weizenexportgeschäfte für Händler zuletzt auch weniger attraktiv.

Aus Frankreich boomt nach wie vor auch der ungewöhnliche Weizenexport nach China. Nachdem man im ersten Halbjahr 2019/20 schon 950.000 t Weizen ins Reich der Mitte verschifft hat (ganze Saison 2018/19: 130.000 t), soll Frankreich nun weitere 6 bis 12 Panamax-Schiffsladungen (Schiffsklasse für bis zu 80.000 t Schüttgut, die gerade noch den Panamakanal - vor seinem Ausbau -befahren konnte) zur Lieferung in der ersten Jahreshälfte verkauft haben. In Deutschland hielten rege Exportverladungen etwa von 70.000 t für den Iran, 65.000 t für Saudi-Arabien, 60.000 t für die Türkei und von kleineren Schiffen Afrika die Kassamarktprämien über Euronext-Niveau.

Heimischer Kassamarkt: Weizenpreise neuerlich gestiegen - Durum geht gar durch die Decke

Nach dem Ende der Semesterferien in Ostösterreich scheint auch der österreichische Kassamarkt wieder aufgewacht zu sein. Am Mittwoch dieser Woche füllte sich zumindest das Kursblatt der Wiener Produktenbörse mit zahlreichen Brotweizennotierungen. Dabei bestätigte sich der Eindruck von Marktteilnehmern, dass die Weizenpreise - auch trotz des zwischenzeitlichen Einknickens an der Euronext - feste Tendenz zeigten. Die Kassamärkte scheinen auch hierzulande wenig beeindruckt von Kapriolen der Terminmärkte.

So stiegen die Notierungen der beiden Weichweizensortierungen Premium- und Qualitätsweizen um jeweils 3,50 Euro/t an und erreichte die Spitzenqualität damit nach einiger Zeit mit 193 bis 195 Euro/t wieder einen positiven Abstand zur Mahlweizennotierung in Paris. Mahlweizen befestigte sich auf 174 bis 180 Euro/t und um 7 Euro/t gegenüber der Letztnotierung Ende Jänner. Vor allem Qualitäts- und Mahlweizen aus österreichischem Anbau gelten aus der Ernte 2019 nur als sehr knapp verfügbar. Die AMA veröffentlichte dieser Tage die Detailergebnisse der Versuchsanstalt für Getreideverarbeitung zur Weizen- und Roggenqualität der Ernte 2019. Bei gestiegenen Erträgen seien sehr gute Qualitäten eingefahren worden. Das entsprechende PDF-File steht zum Download bereit.

Die Durum-Preise sollen laut Marktteilnehmern gar durch die Decke gehen. Entsprechende Qualitäten aus Kanada seien schon ausverkauft und um inländische Ware herrsche ein Geriss. Im Handel werden jüngst erzielte Preise von bereits 260 Euro/t kolportiert. Dabei hielten sich die Abgeber noch immer zurück, weil sie das Ende der Fahnenstange noch immer nicht erreicht sähen. Gegenüber der Letztnotierung Mitte Jänner notierte die Wiener Börse Hartweizen diese Woche mit 245 bis 248 Euro/t um 6,50 Euro/t höher als zuletzt Mitte Jänner.

Dementgegen gebe Futtergerste nach, verlautet es. Nachgegeben nach einer Phase der Befestigung haben Einfuhren von Futterweizen aus der EU nach Niederösterreich, solche von Futtermais blieben halbwegs stabil.

International bleibt Mais unter Druck, an der CBoT in Chicago etwa wegen der schwachen Exporte aus den USA, der Corona-Angst und großer Ernten in Südamerika. Weiter warten heißt es in den USA auch auf Sojabohnenbestellungen aus China. Sollten aber die Chinesen über die am Freitag in Kraft tretende Senkung der Strafzölle auf US-Sojabohnen hinaus zusätzlich Zollfreikontingente eröffnen, um ihre Versprechen aus dem Handelsdeal mit den USA erfüllen zu können, könnte es interessant werden. Jedenfalls setzte im Vorfeld eine Kauftätigkeit von Sojabohnenkontrakten an der CBoT ein, die eine gewisse Erholung der Kurse ausgehend von niedrigem Niveau einleitete. So ging es am Mittwoch auch mit den heimischen Sojaschrotnotierungen etwas nach oben.

Februar-WASDE-Bericht: Minimal weniger Getreideendlager - mehr Ölsaaten

Das US-Landwirtschaftsministerium bringt im Februar-WASDE-Bericht bei Weizen, Mais und Getreide gesamt nur minimale Änderungen zum Vormonatsbericht. Die Prognosen für die Getreideendlager 2019/20 gehen eine Spur zurück, die für Ölsaaten steigen etwas infolge der vor allem in Brasilien größer geschätzten Sojabohnenernte. Höher als im Jänner schätzt das USDA auch die Weizenexporte der EU und der USA. Die Weizenendlager der Welt erreichen mit einem Bestandsaufbau von knapp 9,76 Mio. t auf 288,03 Mio. t zwar Rekordhöhe, doch wachsen die Lager nur in China (+8,49 Mio. t) maßgeblich an und schmelzen bei den großen Exporteuren sogar leicht ab.

Weizenexport der EU und der USA nach oben revidiert

Das USDA revidiert wegen der preislichen Wettbewerbsfähigkeit den Weizenexport der EU um eine weitere Million Tonnen auf 32 Mio. t nach oben und den der USA um 0,68 Mio. t hinauf. Entsprechend niedriger fällt die Endbestandsprognose für die USA aus, die der Union verringert sich wegen eines nach unten revidierten Binnenverbrauchs um 0,50 Mio. t.

China lagert mehr als einen Jahresbedarf an Weizen

Liegen die Weizenendlager der ganzen Welt bei 38,19% eines Jahresverbrauchs, hortet China alleine 115,82% seines Jahresbedarfs als Reserve. Viel enger stellt sich diese Ratio von stock to use in der EU dar. Hier lagern am Ende des Wirtschaftsjahres lediglich 8,11% des Verbrauchs am Binnenmarkt - eine Reserve für nicht ganz 30 Tage. Weltweit - ohne Berücksichtigung Chinas - sind es 22,32% (81,5 Tage) und bei den wichtigsten Weizenexporteuren (Argentinien, Australien, Kanada, EU, Russland und Ukraine) 15,65%, also Weizen für gut 57 Tage.

Maislager schmelzen stärker als bisher geglaubt

Ein um 1,05 Mio. t stärkeres Abschmelzen der globalen Maislager geht ebenfalls nahezu ausschließlich auf die Welt ohne China, wo unverändert zur Vormonatsprognose mit 199,07 Mio. t 67,01% der weltweiten Maisreserven die Silos füllen. Die stärkste Marktrelevanz sollte der Bericht für die USA, den weltgrößten Maisexporteur, bringen. Die Ausfuhren werden nämlich mit 43,82 Mio. t um 1,27 Mio. t geringer angesetzt als vor Monatsfrist.

Größer geschätzte Sojaernte Brasiliens verringert Bestandsabbau

Bei den Ölsaaten schätzt das USDA die Sojabohnenernte Brasiliens gegenüber dem letzten Report um 2 Mio. t größer bei nunmehr 125 Mio. t. Dies verringert auch etwas den Abbau der weltweiten Endbestände. Das sind 36,83% der Gesamtproduktion der Welt. Brasilien ist mit 77 Mio. t auch die Nummer eins der Sojabohnenexporteure. In den USA, die 96,84 Mio. t und fast ein Fünftel weniger als im Vorjahr einfahren, macht sich das Phase 1-Abkommen des Handelsdeals mit China noch nicht signifikant in der Exportschätzung von 49,67 Mio. t Sojabohnen (+1,36 Mio. t zur Jännerprognose) bemerkbar: Vor Ausbruch des Handelskonflikts führten die Vereinigten Staaten 2017/18 nämlich noch 58,07 Mio. t Sojabohnen aus. (Schluss) pos

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