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07.12.2018

Getreidemärkte: Regen entspannt Niederwassermisere auf Rhein und Donau

Hitze und Dürre weiterhin im Fokus - Warten auf Austrocknen russischer Weizenexporte

Wien, 7. Dezember 2018 (aiz.info). - Regenfälle beginnen die Niederwassermisere auf Rhein und Donau zu entspannen. Nachdem Schiffe wieder voll beladen fahren können, hofft man auch in Österreich, dass nun bei Mais und Futtergetreide der nötige überregionale Ausgleich zwischen dem Überschussdruck im östlichen Mitteleuropa und den unterversorgten Verbrauchszentren im nördlichen und westlichen Mitteleuropa stattfinden kann. Dies sollte die überhitzten Futtergetreidepreise hierzulande etwas abkühlen und die Preise für heimischen Mais befestigen.

Trotz hohem Importbedarfs steht der Maismarkt in der westlichen EU unter dem Druck billiger Angebote aus dem Osten. Noch aber halten sich die Marktteilnehmer vorsichtig zurück, ehe sich dies als nachhaltiger Trend bestätigen kann. International tendieren die Weizennotierungen wie an der Euronext in Paris bei etwas über 200 Euro/t seitwärts. Am Freitagmittag notierte der meistgehandelte Weizenkontrakt an der Euronext zur Lieferung im März 2019 leicht positiv bei 202,50 Euro/t und der dieser Tage auslaufende und nicht mehr repräsentative Dezember-Kontrakt bei 201/50 Euro/t.

Während die Ausfuhren aus der EU nach wie vor lahmen, wartet alles gebannt auf das Austrocknen der russischen Weizenexportschwemme. Der Sojakomplex und die internationalen Maismärkte werden mit den Stimmungsausschlägen in den Handelsbeziehungen der USA und Chinas mit hinauf und hinunter gerissen. Nach der Verkündigung eines 90-tägigen Waffenstillstands im Handelskrieg der beiden Länder am Rande des G-20-Gipfels in Argentinien vorige Woche und einer Befeuerung der Soja- und Maiskurse an der CBoT in Chicago kam mit der Verhaftung einer chinesischen Managerin in Kanada auf Geheiß der USA am Donnerstag der herbe Rückschlag.

Wiener Maisnotierung fester - Abwarten vor Festigung einer Trendumkehr

Offensichtlich vor dem Hintergrund der Entspannung der Niederwasserlage auf der Donau zog am Mittwoch dieser Woche an der Wiener Produktenbörse die Futtermaisnotierung insbesondere am oberen Rand des Preisbandes deutlich auf 155 bis 168 Euro/t an. Ob dies eine Trendwende am Markt markiere, wollen Branchenbeteiligte noch dahingestellt lassen. Zum einen benötige die Normalisierung des Schiffsverkehrs auf der Donau sicherlich noch einige Zeit, zum anderen müsse man abwarten, wie sich der Markt längerfristig neu ausrichte. Jedenfalls bestehe nun die Chance, dass die Überschussgebiete im Osten Europas den Marktüberdruck in Richtung West- und Nordeuropa entladen könnten und weniger nach Österreich drücke. Damit könnten sich die inländischen Maispreise etwas befestigen, während gleichzeitig auch mehr Futter- und Mahlweizen zu niedrigeren Transportkosten ins Land gelangen und zu einer Abschwächung der hohen Futtergetreidepreise führen könnte.

Die neue Futtermaisnotierung könne aber genauso gut Ausdruck dessen sein, dass ein Verarbeiter kurzfristig Rohstoff benötigt und dafür im Inland einen höheren Preis anlegen habe müssen, sich die Industrie aber mit dem Gros ihres Bedarfs weiterhin billig in der östlichen Nachbarschaft eindecke.

Jedenfalls, so heißt es, verhielten sich alle Marktteilnehmer zurzeit noch sehr vorsichtig und zurückhaltend.

Premiumweizen gab seine Gewinne am unteren Rand des Preisbandes aus der Vorwoche zur Hälfte wieder ab und hält nun bei 192 bis unverändert 200 Euro/t.

COCERAL kürzt EU-Ernteschätzung für Weizen, Gerste und Raps im Dürrejahr 2018

Der Dachverband des Getreidehandels in der EU, COCERAL, kürzte diese Woche in seiner vierteljährlich veröffentlichten Ernteschätzung die Weichweizenproduktion der Union im Dürrejahr 2018 (siehe Downloads unten) von zuletzt 129,9 Mio. t auf 128,6 Mio. t (2017: 141,9 Mio. t). Die Maiserzeugung hob der Verband von 58,9 Mio. t auf 60,5 Mio. t (2017: 60,7 Mio. t) an. Revisionen nach unten nahm COCERAL weiters bei Gerste um 1,4 Mio. t auf 56 Mio. t (2017: 58,3 Mio. t) vor. Nahezu unverändert blieb die Rapsschätzung mit 19,4 Mio. t (2017: 21,9 Mio. t). Die gesamte Getreideernte der EU setzen die Getreidehändler mit 281 Mio. t nach 300 Mio. t im Vorjahr an.

Die Europäische Kommission dagegen revidierte ihre Weichweizenschätzung von 127,4 Mio. t auf 129,2 Mio. t hinauf. Für die Gerste liegt sie bei 55,9 Mio. t, für Mais bei 62,9 Mio. t und für Raps bei 19,8 Mio. t. Den Importbedarf von Mais setzte die Kommission von zuletzt 16,3 Mio. t jedoch deutlich auf 18,5 Mio. t hinauf, in der Weizenexportprognose blieb sie bei 20 Mio. t. Wichtigste Drittlandsherkunft von Maislieferungen in die EU ist die Ukraine. Diese fuhr 2018 eine Rekordernte von insgesamt 70 Mio. t Getreide und Mais ein, wovon 35,2 Mio. t auf Mais entfallen. Damit fiel die Maisernte um 43% größer als 2017 aus.

Hitze und Dürre: Missernte in Australien - Sorgen in Indien - 20% weniger Raps in BRD

Laut den offiziellen Agrarstatistikern von ABARES steht Australien als Folge von Dürre vor der schlechtesten Weizenernte in einem Jahrzehnt. ABARES kürzte seine Ernteschätzung um 11% von 19,1 auf 16,95 Mio. t. Das wären um 20% weniger als im Vorjahr. Die Gerstenernte setzt ABARES um 18% und die von Canola-Raps um 39% unter den Vorjahreswerten an. Die Gesamternte von 29,3 Mio. t werde um 20% unter dem 20-jährigen Durchschnitt und um mehr als die Hälfte unter dem Rekordwert von 59 Mio. t aus 2016/17 zu liegen kommen.

Da Australien als viertgrößter Weizenexporteur der Welt in Normaljahren rund zwei Drittel seiner Ernte auf den Weltmarkt exportiert, werden aus der angelaufenen Ernte auch entsprechende Mengen in der globalen Versorgung fehlen. Der australische Wetterdienst sieht auch noch von Dezember 2018 bis Ende Februar 2019 eine Wahrscheinlichkeit von 80% für Temperaturen über dem Durchschnitt.

Ähnlich ergeht es Indien, dem zweitgrößten Weizenerzeuger der Welt. Zu hohe Temperaturen und zu wenig Niederschlag dürften die Weizenernte nach dem diesjährigen Rekord von 99,7 Mio. t im kommenden Jahr deutlich schrumpfen lassen. Agenturberichten zufolge seien die lokalen Weizenpreise am Subkontinent in den vergangenen fünf Monaten um mehr als 15% gestiegen. Ein größerer Importbedarf könnte auch auf den Weltmarktpreis von Weizen durchschlagen, heißt es.

Hitze und Dürre, so die Auswertung von alle fünf Tage aufgenommenen Satellitenbildern durch das private Crop Radar, habe in Deutschland die Rapsanbaufläche zur Ernte 2019 um 21,6 % gegenüber dem Vorjahr zurückgehen lassen.

Warten auf Austrocknen der Weizenexporte Russlands - lahme Exporte aus EU

Noch aber bleiben die Weltmarktpreise von Weizen unter dem Druck der Exportschwemme Russlands und die Märkte warten gespannt auf deren Austrocknen. Denn auch Russland hat 2018 um fast ein Fünftel weniger Weizen eingefahren als im Vorjahr, exportiere aber, so Beobachter, als hätte es Rekordmengen eingebracht. Dabei machten diese Woche erste Meldungen von Sorge um den Zustand der Winterkulturen die Runde.

Dennoch übernimmt Russland weiterhin die Preisführerschaft im weltweiten Weizenhandel. Am Donnerstag kaufte die staatliche Getreideagentur Ägyptens, GASC, 350.000 t Weizen zur Lieferung zwischen 21. und 31. Jänner 2019. 290.000 t dieses Tenders füllen russische Exporteure und 60.000 Anbieter aus der Ukraine. Laut Agenturen liege der durchschnittliche fob-Preis der Lieferungen bei 236,82 USD/t (208,63 Euro). Offerten aus den USA, wie sie zuletzt bei ägyptischen Ausschreibungen wieder Zuschläge erhielten, kamen diesmal nicht zum Zug. Weizen aus der EU gilt überhaupt noch als zu teuer.

In ihrem wöchentlichen Exportpreis-Monitoring weist die EU-Kommission zum Stichtag 5. Dezember Soft Red Winter aus den USA fob Golf von Mexiko mit 222 USD/t (+6 USD zur Vorwoche, 196 Euro) aus, europäischen Mahlweizen fob Rouen mit 233 USD/t (+1 USD zur Vorwoche, 205 Euro) und Weizen fob Schwarzmeerhäfen mit 229 USD (+9 USD zur Vorwoche, 202 Euro). Dem Vergleich liegt ein Wechselkurs von 1,1354 USD für einen Euro zugrunde.

Damit lahmen die Weichweizenausfuhren aus der EU nach wie vor. Die Kommission weist für die Berichtswoche 23 des Wirtschaftsjahres 2018/19 (bis 2. Dezember) 197.615 t Weichweizenexport aus. Kumuliert führte die EU 2018/19 bisher 6,426 Mio. Weichweizen auf Drittmärkte aus, das sind 29% weniger als im Vergleichszeitraum 2017/18. (Schluss) pos

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