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11.08.2017

Fipronil-Verdachtsfälle: Reisecker fordert Ausweitung der Herkunftsdeklaration

Konsumenten brauchen Sicherheit und Wahlmöglichkeit bei Verarbeitungsprodukten

Linz, 11. August 2017 (aiz.info). - "Die zwei gestern in Oberösterreich aufgetauchten Verdachtsfälle von Eiern mit Fipronil-Belastung beziehen sich ausschließlich auf Importware. In Österreich produzierte Eier sind davon nicht betroffen", stellte heute LK-Präsident Franz Reisecker in einer Aussendung fest. Zwei oberösterreichische Großhändler haben gekochte und geschälte Eier aus den Niederlanden an heimische Gastronomen verkauft, teilte die Lebensmittelaufsicht mit. Eine Rückholaktion ist angelaufen. Reisecker und weitere Agrarpolitiker wie Agrarlandesrat Max Hiegelsberger und der Präsident der LK Burgenland, Franz Stefan Hautzinger, sprechen sich in diesem Zusammenhang erneut für eine umfassende Herkunftskennzeichnung aus.

"Dort, wo Konsumenten aufgrund der Herkunftskennzeichnung die Wahl haben, nämlich beim Kauf von Frischeiern, greifen sie praktisch ausschließlich zu österreichischer Qualität. Bei Verarbeitungsprodukten, wie Teigwaren, Mehlspeisen, Keksen sowie in der Gastronomie, kommen aufgrund der fehlenden Herkunftskennzeichnung nach wie vor häufig billigere Importeier, Eipulver und Flüssigei aus ausländischer Käfighaltung zum Einsatz. Diese Tatsache unterstreicht die Notwendigkeit einer Ausweitung der geltenden Herkunftsdeklaration bei Eiern und Frischfleisch auf verarbeitete Lebensmittel sowie auf Gemeinschaftsküchen und die Gastronomie", verwies Reisecker auf eine wiederholte Forderung der Landwirtschaftskammer.

Ei-Kennzeichnung und höchste Qualität

"Die heimischen Landwirte decken zirka 84% des Inlandsbedarfes an Eiern ab. In Österreich erfolgte der Ausstieg aus der Käfighaltung bereits 2009. Die anderen EU-Länder folgten erst 2012. Österreichische Legehennen leben fast ausschließlich in Bodenhaltung, Freilandhaltung oder auf Bio-Betrieben. Im restlichen Europa hingegen ist der ausgestaltete Käfig bei der Legehennenhaltung nach wie vor am weitesten verbreitet. In Ländern außerhalb der EU dominiert die traditionelle Käfighaltung", unterstrich der LK-Präsident.

Von welchem Bauernhof das Hühnerei stammt, aus welchem Land es kommt und unter welchen Umständen die Hennen gehalten werden, erkennt man auf dem Farbstempel auf jedem Schalenei. Dieser ist seit 2004 verpflichtend auf jedem Ei anzubringen. Die erste Ziffer ist ausschlaggebend für die Haltung der Legehennen (Bio, Freilandhaltung, Bodenhaltung oder Käfighaltung), danach sind das Kürzel für das jeweilige EU-Land, die Kennziffer für das Bundesland sowie die landwirtschaftliche Betriebsnummer angeführt. Mit einer Suchmaschine auf der Website des Vereins Österreichische Eierdatenbank kann man den entsprechenden Code eingeben und erfährt so alles über die Herkunft des Frisch- oder Schaleneis. In Österreich haben intensive Sicherheitsmaßnahmen vom Brutei zum Küken und über den Stall bis zur Eierpackstelle die Vermeidung und Minimierung des Einsatzes von Antibiotika und entsprechende Salmonellenfreiheit zum Ziel.

Wahlmöglichkeit für Konsumenten auch bei Verarbeitungsprodukten

"Die Anforderungen an die heimischen Bauern in puncto Tierschutz und nachhaltiger Bodenbewirtschaftung gehen über die EU-weit einheitlichen Standards weit hinaus. Die daraus resultierende hohe Qualität der Lebensmittel wird von den Konsumenten geschätzt und aktiv nachgefragt. Auch bei verarbeiteten Produkten, die zu einem substanziellen Anteil aus Fleisch, Milch oder Eiern bestehen, braucht es daher mehr Transparenz in Bezug auf die Herkunft. Dies vor allem auch deshalb, da heimische Konsumenten immer mehr verarbeitete Lebensmittel kaufen und mit einem steigenden Anteil Mahlzeiten außer Haus konsumieren", gab Reisecker zu bedenken.

Herkunftskennzeichnung bietet Sicherheit

"Die aktuellen Verdachtsfälle zeigen, dass mit einer Ausweitung der Herkunftskennzeichnung zusätzliche Sicherheit für die Konsumenten geschaffen werden kann. Die LK OÖ fordert eine einfache und klare sowie verpflichtende Herkunftsdeklaration der Hauptrohstoffe bei verarbeiteten Lebensmitteln aus Milch, Fleisch oder Eiern. Genauso sollte die Herkunft der wertbestimmenden Rohstoffe für Speisen in der Gastronomie sowie in Großküchen angegeben werden. Nur so haben die Konsumenten eine verlässliche Basis, um auswählen zu können. Damit kann bei verarbeiteten Lebensmitteln wieder die Qualität gegenüber dem Preis in den Vordergrund gerückt und ein Beitrag zu mehr Lebensmittelsicherheit geleistet werden", betonte der Kammerpräsident.

Hiegelsberger: Heimische Produktion halten und Transparenz fördern

"Oberösterreichs Landwirte produzieren nach strengen gesetzlichen Vorgaben und hohen Standards. Die Qualität und Sicherheit unserer Lebensmittel hat bei uns höchste Priorität", erklärte Agrarlandesrat Hiegelsberger. Er rief zum Konsum regionaler Lebensmittel auf.

"Im internationalen Vergleich haben wir in der Legehennenhaltung und der gesamten Tierhaltung sehr kleine Strukturen und eine klar nachvollziehbare Kennzeichnung. Diese Form der traditionellen Landwirtschaft gilt es bewusst zu erhalten und zu fördern. Um den Selbstversorgungsgrad bei Eiern auszubauen, müssen wir es unseren bäuerlichen Betrieben erlauben, sich innerhalb der österreichischen Standards weiterzuentwickeln. Wenn Ställe nicht gebaut werden können, steht letztendlich die oberösterreichische Eigenproduktion am Spiel", warnte der Landesrat. Er sprach sich für eine Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie und Lebensmittelindustrie aus.

Hautzinger: AMA-Gütesiegel gibt Sicherheit

Auch der burgenländische LK-Präsident Hautzinger fordert eine umfassende Herkunfts-Kennzeichnungspflicht für alle Lebensmittel. "Im Handel garantieren das AMA-Gütesiegel und das AMA-Biozeichen den Konsumenten die Herkunft aus heimischer Produktion. In der Spitzengastronomie sorgt das AMA-Gastrosiegel für die erforderliche Transparenz. Bei verarbeiteten Produkten in der Außer-Haus-Verpflegung, aber auch bei verarbeiteten Produkten im Lebensmittelhandel und in Gasthäusern fehlt jedoch eine Herkunftskennzeichnung. Hier wird den Konsumenten die Wahlmöglichkeit genommen", kritisiert Hautzinger.

"Unsere bäuerlichen Betriebe werden laufendend kontrolliert: von den Amtstierärzten, der Lebensmittelaufsicht, der Agrarmarkt Austria, von Bioverbänden sowie von Qualitätskontrolloren der Handelsketten. Agrarprodukte aus dem Ausland werden oftmals unter viel niedrigeren Standards bei Tierschutz, Hygiene etc. produziert als bei uns. Dadurch sind unsere Bauern einem großen Wettbewerbsnachteil ausgesetzt", so der Präsident. Eine umfassende Kennzeichnungspflicht der Herkunft aller Lebensmittel wäre daher sowohl im Interesse der Konsumenten als auch der heimischen bäuerlichen Betriebe, stellt Hautzinger fest. (Schluss)

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