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13.05.2022

Erste USDA-Prognose für Welternten 2022/23 startet neue Etappe in Weizenpreis-Rallye

EU-Kommission schlägt Maßnahmenpaket für Logistik-Hilfe an Ukraine vor

Wien, 13. Mai 2022 (aiz.info). - Die erste Schätzung des US-Landwirtschaftsministeriums USDA im Monatsbericht zu den weltweiten Versorgungsbilanzen mit Agrarrohstoffen (WASDE) am Donnerstagabend startete ausgehend von der Chicagoer Terminbörse CBoT eine weitere Sprintetappe in der Rallye der Weizenpreise. Dem USDA-Report, der an den Märkten als eine Art Bibel gilt, bringen die kommenden Ernten im Wirtschaftsjahr 2022/23 weniger Weizen und Mais, die globalen Lagerbestände schmelzen weiter ab. Nur die Versorgung mit Ölsaaten wie Sojabohnen stelle sich großzügiger dar. Die Verknappungen gehen zum Gutteil auf Kosten von Produktionsausfällen bei der für die Weltmarktversorgung wichtigen Ukraine, und die Prognosen seien wegen der russischen Invasion auch noch sehr spekulativ. Weizen neuer Ernte zur Lieferung im September an der Euronext in Paris katapultierte sich am Freitagmittag auf knapp 420 Euro/t in die Höhe, Mais zum November-Termin auf fast 365 Euro/t und nur der August-Kontrakt Raps gab eine Spur auf rund 848 Euro/ nach. An der CBoT legten trotzdem sogar die Sojabohnen zu. Am österreichischen Kassamarkt bremsten die schon zuvor gestiegenen internationalen Weizenkurse sowie wieder ins Land gelangende Mais- und Weizenlieferungen aus der Ukraine die Kauflust der Verarbeiter an inländischem Rohstoff.

Insbesondere die Maisernte der Ukraine soll 2022 gegenüber dem Vorjahr um 54% und die von Weizen um 35% hinter die Erträge von 2021 zurückfallen. Die Weizenausfuhr der Ukraine - heuer mit 19,00 Mio. t Nummer vier in der Versorgung der Welt - werde sich 2022/23 auf 10,00 Mio. t fast halbieren. Der vor allem auch für die EU wichtige Maisexport stürze damit sogar um 61% von 23,00 Mio. t auf 9,00 Mio. t ab. Ein ausführlicher Bericht des AIZ zum WASDE-Report mit dem ersten Ausblick auf das kommende Wirtschaftsjahr 2022/23 findet sich auf www.boersewien.at.

In der EU verschlechterten sich in den führenden Erzeugerländern Deutschland und Frankreich aufgrund von Trockenheit jüngst die Prognosen für die Erträge der neuen Ernte 2022 etwa für Weizen.

EU-Kommission schlägt Maßnahmenpaket für Logistik-Hilfe an Ukraine vor

Die Ukraine leidet nicht nur unter einem Einbruch ihrer Produktion, sondern auch darunter, dass nach der Blockierung ihrer Schwarzmeerhäfen, über die bisher 90% ihrer Ausfuhren liefen, die Kapazitäten für den Transport vorhandener Getreide- und Ölsaatenvorräte auf alternativen Landwegen beschränkt sind.

An den ukrainischen Grenzübergängen zur EU würden Tausende Waggons und Lastwagen auf ihre Abfertigung warten, so die EU-Kommission. Die durchschnittliche Wartezeit betrage bis zu 30 Tage. Hinzu komme, dass das ukrainische Breitspur-Schienensystem ein Umspuren der Waggons oder die Umladung an den EU-Grenzen erforderlich mache.

Die EU-Kommission schlug deshalb eine Reihe von Maßnahmen zu sogenannten Solidaritätskorridoren vor, mit denen unter Nutzung von Infrastruktur der Union binnen weniger als drei Monaten bis zu 20 Mio. t Getreide aus der Ukraine transportiert werden sollen. Denn viele Länder - etwa in Nordafrika - sind abhängig von günstigem Weizen aus der Ukraine. Die Vorschläge umfassen unter anderem die Bereitstellung von mehr Fahrzeugen für den Transport sowie beschleunigte und flexible Einfuhr-Verfahren durch nationale Zollbehörden und deren Aufstockung an der Grenze, bevorzugte Behandlung und mehr EU-Lagerkapazitäten für ukrainische Agrarexporte. Die Kommission fordert dazu nun EU-Marktteilnehmer in der Union auf, "dringend zusätzliche Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen". Dazu soll eine Logistikplattform eingerichtet werden. Gefordert werden weiters mobile Getreideverlader an den entsprechenden Grenzterminals.

Die Solidaritätskorridore sollen nicht nur Lieferungen in die EU ermöglichen, sondern etwa über die baltischen Häfen auch dringend benötigte in die potenziellen Hunger- und Unruheregionen Nordafrikas.

In Russland, das indes weiter eifrig Getreide und Weizen auf den Weltmarkt wie in den Nahen Osten liefert, stiegen die Exportpreise, aber auch die Exportsteuern zuletzt weiter an. Dabei seien die für das Bremsen der Lebensmittelinflation im eigenen Land zusätzlich festgesetzten Quoten für den Export von Weizen der Ernte 2021 schon nahezu ausgeschöpft.

Preise bremsen Umsatz am österreichischen Kassamarkt

Die Preise an den internationalen Märkten bremsten zuletzt die Umsätze am österreichischen Kassamarkt. Bei Brotweizen hätten die jüngsten neuerlichen Preissteigerungen die Verarbeiter nur mehr den Bedarf an kleinen Restdeckungsmengen kaufen lassen. Auch von der neuen Ernte lasse man noch die Finger. Hier seien die Briefforderungen der Abgeber zu hoch, vor allem, weil sie noch nicht in der Lieferkette weitergegeben werden könnten. Die dieswöchigen Notierungen der Wiener Produktenbörse von Brotweizenkäufen neuer Ernte aus dem EU-Ausland lassen aber darauf schließen, dass die Weizenpreise aus der Ernte 2022 zumindest momentan an die der vorjährigen Produktion aufgeschlossen haben.

Bei Futtergetreide und vor allem Mais wurden rund um die Wiener Notierungssitzung noch recht hohe Lagerstände bei inländischen Anbietern kolportiert. Dem Vernehmen nach führe dies im Zusammenwirken mit preisdämpfenden Effekten der wieder angelaufenen Lieferungen aus der Ukraine dazu, dass sich Verarbeiter - auch in Ungarn -gegenüber regionalen Angeboten mit dem Hinweis danke, man habe schon, bedeckt hielten. So kämen aus der Ukraine zwar jede Menge günstiger Angebote für Mais, staue sich gleichzeitig aber auch die grenzüberschreitende Logistik.

Ähnlich verhalte es sich mit Anboten aus der Ukraine und einer guten Deckung der Verarbeiter mit Sonnenblumen und Sojabohnen aus der Ernte 2021 am Ölsaatenmarkt.

Spürbare Entspannung bei den Preisen für Sojaschrote zeigten die Wiener Notierungen für die abgelaufene Handelswoche. (Schluss) pos
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