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15.10.2020

EU will Methanemissionen senken

Keine Vorgaben für die Landwirtschaft

Brüssel, 15. Oktober 2020 (aiz.info). - Die EU-Kommission drängt auf eine Verringerung der Methanemissionen, damit das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 erreicht werden kann. Eine in dieser Woche vorgestellte Strategie zielt auf die Sektoren Landwirtschaft, Abfallwirtschaft und Energie ab, auf die in der EU 98% des Ausstoßes von Methan entfallen, das nach Kohlendioxid zweitstärkste Treibhausgas. Wenn die vorgeschlagene Reduzierung der Treibhausgasemissionen um mindestens 55% bis 2030 erreicht werden sollte, müssten die Methanemissionen um 35 bis 37% verringert werden, erklärte die EU-Kommission laut Dow Jones News. Die Brüsseler Behörde strebt zunächst eine Verbesserung und Harmonisierung der Emissionsüberwachung, -überprüfung und -berichterstattung an, da dies derzeit je nach Sektor und Mitgliedstaat auf unterschiedliche Weise erfolge. In Zusammenarbeit mit unter anderem dem UN-Umweltprogramm (UNEP) und der Internationalen Energieagentur (IEA) soll auch eine internationale Beobachtungsstelle für Methanemissionen aufgebaut werden. Im kommenden Jahr sollen dazu Gesetzesvorschläge folgen.

Für die Landwirtschaft sieht die Kommission keine bindenden Vorgaben vor. Eine Sachverständigengruppe soll die Lebenszyklus-Methanemissionen analysieren und sich mit unter anderem Tierhaltung, Düngermanagement, Futtermittelbewirtschaftung und Futtermitteleigenschaften befassen. Der Vorsitzende des Agrarausschusses im Europaparlament, Norbert Lins (CDU), begrüßte den Ansatz der EU-Kommission, verstärkt auf Forschung in neue Fütterungstechniken, neue Stalltechnologien und innovative Zusammenarbeit auf Farmebene zu setzen. "Reduzierungsstrategien über das Programm 'Horizon Europe' zu fördern ist viel besser und effizienter, als nur einseitig über die Reduktion von Viehbestand zu sprechen", sagte Lins. Die EU-Kommission will ein Verzeichnis bewährter Verfahren und verfügbarer Technologien zur Förderung einer Emissionsminderung erstellen. Dabei soll ein besonderer Schwerpunkt auf den Methanemissionen aus enterischer Fermentation von Wiederkäuern liegen. Die Erzeugung von Biogas aus landwirtschaftlichen Abfällen soll mit Mitteln aus dem EU-Haushalt gefördert werden.

"Am schnellsten und kostengünstigsten könnten die Methanemissionen im Energiesektor gesenkt werden", sagte EU-Energiekommissarin Kadri Simson. Der Sektor steht für 19% dieser Abgase in der EU. Simson erwägt unter anderem Rechtsvorschriften zu einem Verbot des routinemäßigen Ablassens und Abfackelns von Gasen ab 2025. Die Erkennung und Reparatur von Lecks in der gesamten Infrastruktur für fossiles Gas soll gesetzlich geregelt und die Lieferkette bei Gas stärker in den Blick genommen werden. Der Großteil der mit diesen Brennstoffimporten zusammenhängenden Emissionen werde freigesetzt, bevor das Gas die EU erreiche. Darüber hinaus soll die bevorstehende Überarbeitung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie im kommenden Jahr 2021 Möglichkeiten bieten, um die Entwicklung des Biogasmarktes zu beschleunigen. Die EU-Kommission kündigte darüber hinaus an, die Lastenteilungsverordnung zu überprüfen, um möglicherweise den Anwendungsbereich der Richtlinie über Industrieemissionen auf bislang noch nicht darunterfallende Methan emittierende Sektoren auszuweiten.

Kritik kam aus dem Europäischen Parlament. "Mit dieser Methanstrategie wird die EU-Kommission ihr selbst gestecktes Klimaziel von 55% weniger Emissionen und Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 verfehlen", erklärte die Grünen-Abgeordnete Jutta Paulus aus Deutschland. (Schluss)