Sie sind noch nicht eingeloggt:
04.09.2015

EU-Sonderagrarrat berät Hilfspaket für die Milcherzeuger

Rupprechter drängt auf Unterstützung für den Sektor aus der Superabgabe

Brüssel, 4. September 2015 (aiz.info). - Auf dem Sonderagrarrat am kommenden Montag in Brüssel werden von der EU-Kommission Hilfsangebote für die Milcherzeuger erwartet. Vorgezogene Direktzahlungen, zusätzliche Exportanstrengungen und direkte Zuwendungen an die am meisten betroffenen Erzeuger aus dem EU-Agrarhaushalt sind mögliche Antworten der EU-Kommission. Der finanzielle Spielraum im EU-Agrarhaushalt ist nicht ganz so eng wie sonst. Von den Einnahmen durch die Superabgabe der Milcherzeuger in Höhe von etwa 850 Mio. Euro ist erst die Hälfte im EU-Agrarhaushalt 2016 bereits verplant. Die andere Hälfte kann noch zur Finanzierung für zusätzliche Hilfen im Milchsektor herangezogen werden.

Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter fordert, dass die Mittel aus der Superabgabe wegen Milchquoten-Überschreitung im Sektor verbleiben und für die Absatzförderung sowie zur Abdeckung der höheren Kosten für die Milchsammlung in Berggebieten verwendet werden. Zudem soll die geförderte Abgabe von Milchprodukten nicht nur für Schulmilch gelten, sondern auf weitere soziale Einrichtungen wie Altersheime, Kindergärten oder Bildungseinrichtungen ausgeweitet werden, lautet ein weiterer Vorschlag des Ministers.

Interventionspreis kontrovers diskutiert

Österreich tritt neben Frankreich, Belgien und zahlreichen osteuropäischen EU-Mitgliedstaaten auch für höhere Interventionspreise für Molkereiprodukte ein. Mit dem staatlichen Aufkauf von Butter und Magermilchpulver stützt die EU-Marktordnung einen Milchpreis von lediglich rund 21 Cent je kg. Die veralteten Interventionspreise sollten zukünftig einen Milchpreis von mindesten 25 Cent je kg absichern, fordern mehrere EU-Mitgliedstaaten. Doch ein solcher Milchpreis verbessert kaum die Marktlage. Ein höherer Interventionspreis wäre aber für das Gros der Milcherzeuger immerhin ein willkommenes Signal. Ein falsches Signal, betonte EU-Agrarkommissar Phil Hogan wiederholt vor dem Treffen in Brüssel. Er ist bereit, die vorhandenen Instrumente der EU-Marktordnung in voller Breite zu nutzen. Aber die Intervention auszubauen und vom Marktkurs der GAP abzuweichen, lehnt Hogan bisher entschieden ab.

Auf der Straße vor dem Ratsgebäude in Brüssel werden am Montagmorgen zahlreiche Milcherzeuger mit ihren Traktoren vorfahren und Maßnahmen von der EU-Kommission gegen die gesunkenen Milchpreise fordern.

Private Lagerhaltung für Schweinefleisch wird weiter diskutiert

Neben der Milch werden zudem Hilfen für die Schweinfleischerzeuger Thema auf dem Sonderrat sein. Zahlreiche EU-Mitgliedstaaten fordern die Öffnung der Privaten Lagerhaltung (PLH) für Schweinefleisch. Selbst traditionell marktorientierte Länder wie Dänemark und die Niederlande treten wegen des Preistals für die PLH für Schweinefleisch ein. Unter "Sonstiges" stehen die Trockenheit in Polen und Rumänien sowie die Afrikanische Schweinepest in den baltischen Ländern auf dem Programm. Der halbtägige Rat beginnt um 14.30 Uhr - das Ende ist für 18 Uhr angesetzt. (Schluss) mö/hub

  • Unser Lagerhaus © Archiv