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20.11.2020

EU-Schweinemarkt: Corona und ASP drücken Preise und Stimmung in den Keller

Notierung sinkt in Österreich um 9 Cent

Wien, 20. November 2020 (aiz.info). - Weil der Asien-Export für viele EU-Länder schwieriger oder ganz geschlossen wurde und die Gastro-Lockdowns den Außer-Haus-Verzehr gekappt haben, dominiert am Schweinemarkt ein Rückstau entlang der gesamten Kette. Alle Anbieter suchen nach "alternativen Märkten", ein purer Verdrängungswettbewerb ist eröffnet, Preisdumping dominiert EU-weit. War zuletzt Deutschland (-8 Cent) Sorgenkind Nummer eins, so gesellt sich nun auch Dänemark zur Preisdruckwelle, die von Nord nach Süd schwappt. Rückläufige Notierungen sowie intransparente Hauspreismärkte sind die Folge. Profiteure sind zurzeit die Supermarktketten, die bei Menge und Handelsspanne gewinnen. Trotzdem sieht die EU-Kommission außer einer "verstärkten Beobachtung der Entwicklung" derzeit keinen Handlungsbedarf für Marktmaßnahmen.

Auch in Österreich entwickelt sich seit der Ankündigung des zweiten Lockdowns die Marktlage äußerst problematisch. Überhänge aus der Vorwoche und verstärkte neue Schweineanmeldungen führen zu einem Missverhältnis bei Angebot und Nachfrage. Das zirka 20% über dem Bedarf liegende Angebot führt zu verspäteter Abholung und steigenden Schlachtgewichten, berichtet Johann Schlederer, Geschäftsführer der Schweinebörse. Neben der schwierigen Marktlage beklagt die Fleischbranche auch ärgerliche Entwicklungen am Arbeitsmarkt. Die zurzeit telefonisch möglichen Krankenstandsmeldungen (ohne ärztliche Untersuchung) verringern die benötigte Manpower in der Fleischgewinnung zusätzlich. Vor dieser insgesamt kritischen Gemengelage musste an der heimischen Börse der Abnehmerforderung nach einer deutlicher Preiskorrektur von -9 Cent stattgegeben werden. Die Mastschweine-Notierung sinkt somit auf 1,32 Euro (Berechnungsbasis: 1,22 Euro) je kg Schlachtgewicht. Der existenzbedrohende Verlust der Schweinemäster steigt damit auf 25 Euro je Schwein. (Schluss)