Sie sind noch nicht eingeloggt:
27.11.2020

EU-Schweinemarkt: Angebots- und Preisdruck vom Ferkelstall bis zum Fleischregal

Österreich: Notierung gegenüber der Vorwoche unverändert

Wien, 27. November 2020 (aiz.info). - Die seit Wochen am europäischen Schweinemarkt bestehende Verkettung vieler ungünstiger Umstände, ausgelöst durch Corona und die Afrikanische Schweinepest (ASP), entspannt sich nach wie vor nicht. Hauptbrennpunkte sind die ASP-bedingte Streichung der BRD von der China-Exportliste sowie die europaweiten Gastro-Lockdowns. Preisanpassung, Preiskampf, Verdrängungswettbewerb und starker Konkurrenzkampf sind die Folge. Derzeit ist man bemüht, das Preisgefüge nicht noch weiter abrutschen zu lassen. So konnte im krisengebeutelten Deutschland die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) ihren Basispreis für Schlachtschweine nach dem massiven Minus der Vorwoche nun unverändert fortschreiben. Ob das schon einen Stopp der nach unten drehenden Preisspirale bedeutet, kann zurzeit niemand sagen.

Krisengipfel in Deutschland

Angesichts der prekären Lage am Schweinemarkt fordert der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, die Politik auf, dringend Maßnahmen zu ergreifen, um einen weiteren Strukturbruch in diesem Bereich zu verhindern: "Unsere Schweinehalter erleben die größte Krise seit Jahrzehnten. Die Schlachtkapazitäten bleiben knapp, sodass der Stau in den Ställen unverändert groß und das Preisniveau für unsere Bauern ruinös ist. In den letzten zehn Jahren hat bereits fast die Hälfte aller Schweinehalter ihren Betrieb eingestellt. Diese Entwicklung darf sich nicht fortsetzen. Unsere Betriebe brauchen jetzt ein klares Signal, dass Schweinehaltung in Deutschland weiterhin gewünscht ist. Alleine können die Bauern diese Krise nicht schultern", so Rukwied. Von Jahresbeginn bis Oktober wurden in der BRD etwa 1,1 Mio. Schweine weniger geschlachtet als im Vorjahr. In den Ställen stauen sich derzeit etwa 600.000 Tiere. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner hat heute zu einem Krisengipfel mit den Landwirtschaftsministern der Länder geladen.

Österreich: Schieflage beim Absatz

Auch in Österreich ist der Markt im Krisenmodus angelangt. Überhänge am Schlachtschweinemarkt von zirka 25% verzögern die Räumung der Ställe, berichtet Johann Schlederer, Geschäftsführer der Schweinebörse. Absatzseitig läuft es nicht wie sonst um diese Jahreszeit, beispielsweise liegt das Bestellvolumen des Gastrogroßhandels bei nur 25%. Der gestiegene Umsatz in den Supermärkten wird hingegen aus der Branche mit bis zu 25% beziffert. Mit dem Minus von 75% im Gastrobereich und dem Plus von 25% aufseiten des Lebensmitteleinzelhandels kommt die Schieflage des aktuellen Marktes deutlich zum Ausdruck. Auch hierzulande bemüht man sich, den Preis nicht weiter absacken zu lassen, was an der heimischen Börse letztlich eine unveränderte Mastschweine-Notierung von 1,32 Euro je kg Schlachtgewicht (Berechnungsbasis: 1,22 Euro) zur Folge hatte. (Schluss)