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18.09.2020

EU-Schweinemarkt: ASP-Wildschweine in der BRD verursachen enormen Schaden

Notierung sinkt in Deutschland um 20 Cent und in Österreich um 8 Cent

Wien, 18. September 2020 (aiz.info). - Die deutsche Schweinebranche steht einer bisher noch nie da gewesenen Herausforderung gegenüber. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) bei sechs Wildschweinen und die Corona-Krise verursachen allerdings nicht nur in der BRD Kopfzerbrechen und tägliche Millionenverluste, auch die internationalen Auswirkungen sind gigantisch. Praktisch das gesamte Exportvolumen Deutschlands nach Asien ist weggebrochen und muss nun längere Zeit am Binnenmarkt untergebracht werden. Da dieser schon bisher reichlich versorgt war, können die alternativen Absatzwege nur mittels tiefen Preisen gefunden werden. Mit dem Notierungsrückgang von 20 Cent wurde bereits die erste für Erzeuger unangenehm riechende Duftmarke gesetzt.

Die Mengen- und Preisdruckwelle zeigt auch in den übrigen EU-Ländern Wirkung. Besonders betroffen ist Belgien, das selbst wegen ASP-Wildschweinen Richtung Asien gesperrt ist und nunmehr auch kaum Ware Richtung Deutschland absetzen kann. EU-Länder wie Holland, Dänemark, Frankreich und Spanien hoffen nun, das aktuell lukrative China-Exportgeschäft ausbauen zu können und auf diese Weise in ihren Ländern einen Preisverfall zu verhindern.

Auch in Österreich beherrscht das deutsche ASP-Problem die Diskussion in der Branche, berichtet Johann Schlederer, Geschäftsführer der Schweinebörse. Wie bei Verunsicherung am Markt üblich, steigt das Schlachtschweineangebot schlagartig, während auf Abnehmerseite verhaltenes Taktieren einsetzt. Einerseits besteht im Fleischhandel kein besonderes Interesse, die Preise zu drücken, da dies auch auf Kosten von Spannen und Umsatz geht. Andererseits wird auch versucht, im Wettbewerb mit internationalen Mitbewerbern weder Kunden noch Marktanteile zu verlieren, was aktuell nur mit Preiszugeständnissen gelingt. Definitiv hilfreich ist die Nachfrage der China-Exportbetriebe, die darauf hoffen, vom Ausfall Deutschlands zu profitieren. Vor diesem Hintergrund konnte man sich an der heimischen Börse zu einem Kompromiss von -8 Cent einigen. Die Mastschweine-Notierung sinkt somit auf 1,50 Euro (Berechnungsbasis: 1,40 Euro) je kg Schlachtgewicht. (Schluss)