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16.04.2021

EU-Parlament steht einem Ende der Käfighaltung bei Nutztieren positiv gegenüber

Lücken im Außenschutz schließen

Brüssel, 16. April 2021 (aiz.info). - In der EU werden noch etwa die Hälfte der Legehennen in Käfigen gehalten. Das entspricht kaum der Vorbildrolle, welche die EU beim Tierschutz für sich beansprucht, sind sich darüber fast alle Europaabgeordneten einig. Sie fordern deshalb ein Ende der Käfige in der Nutztierhaltung mit Übergangsfristen und einem Ausgleich für die Erzeuger für die Mehrkosten. In einer gemeinsamen Sitzung des Agrarausschusses und des Petitionsausschusses im Europäischen Parlament hörten sich die Abgeordneten die Argumente der Käfiggegner an.

180 Mio. Legehennen, 10 Mio. Sauen und 12 Mio. Kälber werden in der EU in Käfigen gehalten, erläuterte Olga Kikou von der Europäischen Bürgerinitiative "End the Cage Age". Die Bürgerinitiative hat 1,4 Mio. Unterschriften in 18 EU-Mitgliedstaaten zusammenbekommen und drängt auf ein Käfigverbot. EU-Verbraucherkommissarin Stella Kyriakides schließt sich den Forderungen der Bürgerinitiative an. "Wir werden handeln", betonte die Kommissarin während der Anhörung und kündigte für 2023 einen Vorschlag für die Überarbeitung der bestehenden EU-Tierschutzrichtlinie 98/95/EG an. Ein Auslaufen der Käfighaltung stünde bei der Verbesserung des Tierschutzes oben auf der Prioritätenliste der EU-Kommission, erklärte Kyriakides.

Die meisten Europaabgeordneten unterstützen ebenfalls die Forderungen der Bürgerinitiative. Allerdings warnen die EU-Parlamentarier davor, dass ein fehlender Außenschutz ein Käfigverbot in der EU unterlaufen könne. Wenn die Lebensmittelindustrie weiterhin auf Flüssigeier aus Brasilien zurückgreife, mache ein Käfigverbot in der EU keinen Sinn, erklärte die deutsche Abgeordnete Ulrike Müller von den Liberalen. Auch Kikou von der Bürgerinitiative fordert ein Importverbot von Käfigeiern in die EU. Das erlaube das Regelwerk der Welthandelsorganisation (WTO), führte sie aus. Importverbote aus ethischen Gründen seien möglich und würden von der WTO nicht als diskriminierend angesehen. Die EU-Kommission sagte zu, auch sie werde sich darum kümmern, dass ein fehlender Außenschutz Tierschutzmaßnahmen in der EU nicht unterlaufen werde.

Die EU-Abgeordneten Simone Schmiedtbauer und Alexander Bernhuber betonten die Vorreiterrolle Österreichs hinsichtlich der Haltung von Geflügel. "Wir zeigen, wie es richtig geht - und zwar tiergerecht. Alle Legehennen in Österreich leben in Boden-, Freiland- oder Bio-Haltung. Die Konsumenten schätzen das und unterstützen die heimischen Geflügelbauern. Darauf kann die Europäische Union aufbauen." (Schluss) mö