Sie sind noch nicht eingeloggt:
07.05.2021

EU-Kommission will CRISPR/Cas fördern

Streit um die Risiken der Genschere geht weiter

Brüssel, 7. Mai 2021 (aiz.info). - Die EU-Kommission öffnet sich gegenüber neuen gentechnischen Züchtungsmethoden. Der EU-Agrarsektor kann nach ihrer Auffassung kaum auf den gezielten Umbau der Erbinformation (DNA) in Pflanzen mit der Genschere verzichten. In einer Studie fordert die EU-Kommission, die neuen gentechnischen Züchtungsmethoden müssten von den strengen Auflagen bei Zulassung, Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnen für GVO entlastet werden und kündigt deshalb den Vorschlag eines neuen Gesetzes an. Nur dann habe die vielversprechende neue Technik eine Chance in der EU, argumentiert die Europäische Kommission. Der Vorstoß wird von Gentechnikgegnern und Bio-Verbänden heftig kritisiert. Der Streit über Nutzen und Risiken der Genschere ist damit wieder voll entbrannt.

Nach Ansicht von EU-Verbraucherkommissarin Stella Kyriakides trägt die Genschere zu einer umweltfreundlichen Landwirtschaft bei. Die EU-Kommission geht zum Beispiel davon aus, dass mithilfe von CRISPR/Cas krankheitsresistente neue Sorten gezüchtet werden können und damit zur Verminderung des chemischen Pflanzenschutzes beitragen. Die Genschere kann mehr als bisherige Gentechnik, erklärte eine Mitarbeiterin der EU-Kommission, die nicht namentlich genannt werden möchte. Es ginge nicht mehr, wie bei den GVO, hauptsächlich um die Behandlung von Mais oder Soja mit einem chemischen Breitbandherbizid, sondern um eine ganz andere Fülle von neuen Eigenschaften. Zu diesem Ergebnis kommt auch das Joint Research Center (JRC), mit dem die EU-Kommission eng zusammenarbeitet. Das JRC verweist auf eine erfolgreiche Entwicklung von CRISPR/Cas unter anderem in den USA und in China, wo Sorten kurz vor der Zulassung stünden.

Risikobewertung durch die EFSA

Die EU-Kommission verlässt sich auf ein Gutachten der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA), nach dem sich das Risiko der Genschere nicht von dem konventioneller Kreuzungsmethoden unterscheidet. Wenn keine fremde DNA hinzugefügt wird, lassen sich neue Sorten nicht mehr unterscheiden, egal ob sie mit der Genschere produziert wurden oder mit der herkömmlichen Kreuzung, argumentiert die EFSA. Dagegen sehen Gentechnikgegner trotz der stofflichen Identität einige Unterschiede. Die neuen Gentechnikmethoden sind mit der traditionellen Züchtung nicht vergleichbar, betont das Europäische Netzwerk von umweltkritischen Wissenschaftern (ENSSER). Sie verweisen darauf, dass bestimmte Teile der DNA besser vor Veränderungen als andere geschützt sind, was aber nur noch bei der traditionellen Kreuzung zum Tragen kommen könne. Außerdem verändere sich der übliche Reparaturmechanismus der Zellkerne nach einer Mutation mit der Genschere, führt das ENSSER aus. Der gezielte Umbau der DNA hat nach Ansicht der kritischen Wissenschafter Nebenwirkungen für das Erbgut und daraus leiten sie erhöhte Risiken für Mensch und Umwelt durch die neuen gentechnischen Züchtungsmethoden ab.

Schließlich hat die Studie der EU-Kommission noch eine rechtliche Seite. Der Europäische Gerichtshof hatte 2018 die neuen Züchtungsmethoden mit der traditionellen Gentechnik geleichgestellt. Die EU-Kommission betont nun, sie stelle mit ihrer Studie das Urteil nicht infrage. Die Richter in Luxemburg hätten aufgrund der bestehenden Gesetzeslage geurteilt, erklärte die EU-Kommission. Sie wolle dem Urteil nicht widersprechen, aber mit einem Vorschlag die Regeln für die Zukunft verändern. (Schluss) mö